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Süd Ausstellung zeigt Bilder aus Solentiname
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Ausstellung zeigt Bilder aus Solentiname
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10:18 30.04.2019
Bilder als Hoffnungszeichen: Hermann Schulz und Henning Scherf (v.l.) in der St.-Heinrichs-Kirche. Quelle: Foto: Katrin Kutter
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Südstadt

Es kommt nicht oft vor, dass ein Jahrhundert-Theologe wie Ernesto Cardenal freundliche Grüße in die Südstadt schickt. Und doch hat sich der 94-jährige Priester, Politiker und Dichter jetzt in Nicaragua hingesetzt und genau das getan. Er schreibt davon, wie er in den Siebzigern den bitterarmen Bauern im entlegenen Flecken Solentiname Leinwand und Farben besorgte, um mit ihnen Bilder der Bibel zu malen. Die Kunst, die dabei entstand, sei für ihn wie ein Wunder gewesen, heißt es in seinem Grußwort. „Und ich freue mich sehr darüber, dass dieses Wunder weiter gewürdigt wird.“

In der katholischen Kirche St. Heinrich an der Sallstraße ist jetzt die Ausstellung „Der Traum von Gerechtigkeit“ zu sehen. Sie zeigt 34 Bilder der Bauern aus Solentiname. Es sind im Grunde vertraute Szenen; die Motive finden sich in jedem Museum und in jeder Kinderbibel. Und doch wirken die Gemälde ganz anders.

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Impressionen der Solentiname-Ausstellung

In naiver Weise, mit leuchtenden Farben, kraftvoll und doch unschuldig, haben die Bauern ihre eigene Version des Evangeliums geschaffen: Jesus predigt den Jüngern mitten im Regenwald. Der Heilige Josef hat seine Zimmermannswerkstatt unter einem Wellblechdach. Und die Soldaten beim Kindermord des Herodes tragen Stahlhelme und Gewehre. „Die Menschen haben das Evangelium in ihre Zeit herein geholt“, sagte Propst Martin Tenge bei der Eröffnung.

„Weltweite Hoffnungszeichen“

Der Wuppertaler Verleger Hermann Schulz hat die Bilder auf Vermittlung der früheren Kulturdezernentin Marlis Drevermann nach Hannover gebracht. Der Wegbegleiter von Ernesto Cardenal hat die Entstehung der hoch politischen Gemälde selbst miterlebt. „Es geht in allen Bildern um Befreiung und Gemeinschaft“, sagt er. In den Achtzigern hat er dafür gesorgt, dass der Zyklus in halb Europa ausgestellt und gefeiert wurde. Nicaragua, Gerechtigkeit, Befreiungstheologie – damals spiegelten sich in den Gemälden auch die revolutionären Träume der aufbegehrenden jungen Linken.

„Diese Bilder wurden weltweit als Hoffnungszeichen wahrgenommen“, sagte der frühere Bremer Bürgermeister Henning Scherf bei der Eröffnung. Er selbst engagiert sich seit langem für Nicaragua und war auch selbst in Solentiname. „Über die Kunst haben die Menschen sich dort Stärke und Lebenskraft geholt“, sagt Scherf.

Derzeit ist die politische Lage in Nicaragua wieder unsicher; Ernesto Cardenal hat seinen Freund Hermann Schulz gebeten, die Bilder zu verkaufen. „Einzeln hätte ich sie schon veräußern können“, sagt dieser. „Aber ich möchte, dass sie als Gesamtwerk erhalten bleiben.“ In der ganzen Fülle also, in der sie jetzt in der Südstadt zu sehen sind.

Die Ausstellung ist in St. Heinrich, Sallstraße 74, bis zum 13. Mai zu sehen. Führungen gibt es dienstags und donnerstags um 15 und 17 Uhr. Sie steht auch im Zentrum mehrerer Gottesdienste; unter anderem am 5. Mai, 11 Uhr, mit Stadtsuperintendent Hans-Martin Heinemann.

Von Simon Benne