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Süd Schüler erinnern an Bücherverbrennung
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Hannover: Tellkampfschule erinnert an Bücherverbrennung der Nazis

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18:15 14.05.2019
Einsatz für die Meinungsfreiheit: Tellkampfschüler bei der Gedenkstunde am Maschsee. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Südstadt

Hier ist es gewesen. Historische Ereignisse sind ja immer mit realen Orten verbunden; und wenn man erst einmal von der Geschichte dieser Orte weiß, wird man diese künftig mit anderen Augen sehen. Wo sich heute der Maschsee erstreckt, stand in der Verlängerung der Geibelstraße einst die Bismarcksäule – und diese wurde am 10. Mai 1933 Schauplatz der Bücherverbrennung der Nazis.

Die Gedenkfeier am Maschsee

Am Jahrestag des Geschehens haben Zehntklässler der Tellkampfschule jetzt am Maschseeufer an die Bücherverbrennung erinnert. In einer Gedenkstunde trugen sie Texte von damals verfemten Autoren wie Freud, Remarque und Tucholsky vor. Nach einer Schweigeminute legten sie Dutzende weiße Rosen an der Gedenktafel nieder – und stimmten mit den rund 200 Besuchern „Die Gedanken sind frei“ an.

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Für die Meinungsfreiheit

„Man muss Meinungen zulassen, auch wenn es nicht die eigenen sind“, sagte der 15-jährige Theodor von Meding, dessen Klasse sich im Unterricht mit der Bücherverbrennung beschäftigt hat. Damals waren es ausgerechnet angehende Akademiker, junge Intellektuelle, die den Zivilisationsbruch initiierten: Ein „Kampfausschuss“ von Studenten und Dozenten der Technischen Hochschule und der Tierärztlichen Hochschule hatte die Aktion von langer Hand vorbereitet. Mit einer Kampagne („Wir kämpfen gegen Schund und Schmutz“) machten sie Stimmung gegen missliebige Autoren; Stoßtrupps konfiszierten Bücher in Bibliotheken.

 Am 10. Mai 1933 marschierten sie dann mit Fahnen und Fackeln in die Aegidienmasch. Am Bismarckdenkmal warfen sie in einer pompösen Inszenierung Bücher mit pathetischen „Feuersprüchen“ auf einen lodernden Scheiterhaufen. „Ein ganzer Lastwagen voll undeutscher Bücher“, schrieb der „Hannoversche Anzeiger“, sei an jenem Tag „dem Feuer überantwortet“ worden. Die Aktion war Teil einer Strategie, um Andersdenkende mundtot zu machen.

Damals war die heutige Tellkampfschule ein Sammelpunkt für Bücher, die später verbrannt wurden. Jetzt erinnerten deren Schüler am Maschseeufer daran, dass die Meinungsfreiheit auch heute von Venezuela bis in die Türkei ein bedrohtes Gut ist. Die Tellkampfschule hat die Patenschaft für das Gedenken an die Bücherverbrennung übernommen; jüngst hat die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit der Schule für das Engagement am Maschsee die Abraham-Plakette verliehen.

Von Simon Benne