Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Süd Keine Entscheidung zum Kraftwerk
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Keine Entscheidung zum Kraftwerk
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:04 09.10.2009
Anzeige

Das geplante Wasserkraftwerk an der Leineinsel in Döhren war in der jüngsten Sitzung des Bezirksrat Döhren-Wülfel noch einmal Thema. Der verantwortliche Ingenieur Frank Gries vom Planungsbüro Heidt & Peters präsentierte dem Gremium das Konzept der Firma „AUF Eberlein“. Wie berichtet, will das Unternehmen aus Adelshofen rund drei Millionen Euro investieren, um umweltfreundlich Strom für rund 1000 Haushalte zu gewinnen. Während die Anwohner der Leineinsel – wie bereits in der vergangenen Woche auf einer Informationsveranstaltung – deutlich machten, dass sie das Vorhaben ablehnen und notfalls dagegen klagen wollen, stimmten die Stadtteilpolitiker noch nicht endgültig über das Vorhaben ab. Die Mitglieder des Bezirksrats wollen sich umfassender informieren, bevor sie eine Entscheidung treffen.

Das Gremium bewilligte einstimmig einen Dringlichkeitsantrag der CDU-Fraktion, sich bei einem Ortstermin an einem ähnlichen Wasserkraftwerk der Firma „AUF Eberlein“ über Größe und Geräuschentwicklung zu informieren. Die vorgelegten Pläne des künftigen Betreibers seien nicht ausreichend, um eine Entscheidung zu treffen. „Wir sollten nicht voreilig handeln. Das ist uns in der Vergangenheit zu oft passiert“, räumte die CDU-Fraktionsvorsitzende Gabriele Jakob ein und verwies indirekt auf die Bauprojekte der Axia an der Wiehbergstraße und des Arbeitgeberverbands Chemie-Nord an der Güntherstraße.

In der Einwohnerfragestunde kritisierten mehrere Anwohner – rund 30 waren zur Bezirksratssitzung im Freizeitheim gekommen – das geplante Projekt. Wolfgang Scheffler, Beiratsvorsitzender der Wohnungsgemeinschaft der Häuser vor dem Brückenhaus, befürchtet, dass die Staustufe an der Anlage zu Überschwemmungen der Häuser führen könnten. Ingenieur Gries entgegnete, dass man ein Freischütz an der Westseite bauen werde, über den das Wasser abfließen könne.

Eine andere Anwohnerin bezweifelte jedoch, dass die Berechnungen des Ingenieurs als Grundlage dienen können. „Das sind doch alles Hypothesen, hinterher ist alles ganz anders.“ Gries räumt ein, keine genauen Messungen über künftige Wasserstände und Lärmpegel gemacht zu haben, das alles werde das Büro während des Planfeststellungsverfahrens angehen. Dieses folgt nach der Unterzeichnung des Vertrags zwischen Stadt und Betreiber. „Wenn sich dann etwas bewahrheitet, was ich heute nicht einkalkuliert habe, müssen wir selbstverständlich die notwendigen Änderungen vornehmen“, versprach Gries.

Nach Auskunft von Bezirksbürgermeisterin Christine Ranke-Heck wollen die Stadtteilpolitiker nun am Sonntag, 25. Oktober, nach Lohr am Main reisen und sich dort eine Anlage ansehen, die mit dem geplanten Wasserkraftwerk an der Leineinsel vergleichbar ist.

Von Dario Sarmadi