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Süd Kinderarmut: Kluft zwischen den Stadtteilen ist groß
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Kinderarmut: Kluft zwischen den Stadtteilen ist groß
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11:22 16.09.2010
Von Michael Zgoll
Bei den Schulempfehlungen ist der Hauptschul-Anteil in Mittelfeld relativ niedrig, dafür gibt es viele Realschul-Empfehlungen. Insgesamt schlägt sich der Bezirk etwas besser als Hannover (LHH) insgesamt.
Bei den Schulempfehlungen ist der Hauptschul-Anteil in Mittelfeld relativ niedrig, dafür gibt es viele Realschul-Empfehlungen. Insgesamt schlägt sich der Bezirk etwas besser als Hannover (LHH) insgesamt. Quelle: Handout
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In vier der sechs Stadtteile, die zum Stadtbezirk Döhren-Wülfel zählen, ist die Kinderarmut deutlich niedriger als im hannoverschen Durchschnitt – in Waldheim, Waldhausen, Seelhorst und Döhren. In Wülfel und Mittelfeld allerdings wird die Durchschnitts-Linie deutlich nach oben durchstoßen. Die Ergebnisse einer Studie zum Thema „Kinderarmut in Hannover“ stellte Silke Mardorf von der „Koordinationsstelle Sozialplanung“ des Jugenddezernats in der jüngsten Sitzung des Bezirksrats Döhren-Wülfel vor.

Die vorgestellten Zahlen beziehen sich auf den Stichtag Dezember 2008. In der Relation der Stadtteile zwischen Waldheim und Mittelfeld ist die Situation bei den Themenfeldern „Familien in Armut“ und „Einfamilieneltern in Armut“ (Alleinerziehende) ähnlich wie bei dem Komplex „Kinderarmut“; allerdings haben alleinerziehende Mütter oder Väter mit ihren Kindern im Schnitt ein etwa zwei- bis dreimal so hohes Armutsrisiko wie Familien mit zwei Elternteilen. Für den in dieser Statistik „besten“ Stadtteil Waldheim bedeutet das beispielsweise, dass dort 4,3 Prozent der „vollständigen“ Familien in Armut leben, während es bei den Alleinerziehenden 20 Prozent sind. Der Stadtteil am anderen Ende der Spanne im Bezirk, Mittelfeld, weist 38 Prozent Armut bei Familien mit zwei Elternteilen auf, während es bei den Alleinerziehenden erschreckende 71,9 Prozent sind.

Armutsgefährdet ist nach der Definition der Europäischen Union, wer von weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Bevölkerung leben muss. Das waren im Jahr 2009 für einen Alleinstehenden 801 Euro und für eine Familie mit zwei Kindern 1683 Euro. Zu den Kindern, so erläuterte Mardorf, würden im Rahmen der vorgestellten Statistiken Menschen im Alter von Null bis 17 Jahre gezählt.

In allen drei Bereichen der Armuts-Statistik schneidet der Stadtbezirk Döhren-Wülfel insgesamt etwas besser ab als der Durchschnitt der Landeshauptstadt. Ähnlich sieht es bei den Schulempfehlungen aus. In drei Stadtteilen – Döhren, Wülfel und Mittelfeld – gibt es Grundschulen. Während die Lehrer in Döhren 2009 mit einem Wert von 50,4 Prozent überdurchschnittlich viele Gymnasialempfehlungen ausgesprochen haben, ragt in Mittelfeld – einem Stadtteil mit erheblichen sozialen Problemen – die überproportional hohe Quote von 42,9 Prozent Realschul-Empfehlungen heraus, wie auch die Grafik verdeutlicht. Bezirksbürgermeisterin Christine Ranke-Heck wies darauf hin, dass dieses erfreuliche Ergebnis der engagierten Arbeit vieler Institutionen und ihrer Mitarbeiter zu verdanken sei, beispielsweise den Stadtteilschulen oder dem Projekt „Soziale Stadt“.

Das Jugend- und Sozialdezernat hat es sich auf seine Fahnen geschrieben, mit dem Programm „Perspektiven für Kinder in Armut“ – zu dem die Erhebung von Daten wie die dem Bezirksrat vorgestellten zählen –, auch finanziell schlechter gestellten Kindern und Jugendlichen zu ermöglichen, gesund aufzuwachsen, mit Gleichaltrigen Sport treiben oder spielen zu können und einen Schul- und Berufsabschluss zu erlangen, kurz: teilzuhaben am sozialen Leben. Dabei sollen eine Fülle von Maßnahmen wie Bilderbuchkino und pädagogischer Mittagstisch oder Institutionen wie Familienzentren oder die Gemeinwesenarbeit helfen.

Michael Zgoll 16.09.2010