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Süd „Theorie ist das eine, Praxis etwas anderes“
Hannover Aus den Stadtteilen Süd „Theorie ist das eine, Praxis etwas anderes“
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13:51 10.10.2013
Von Heike Schmidt
Blaues Wunder: Kinderkrankenschwester Margrit Wald legt einen Säugling in das vorbereitete Bettchen.
Blaues Wunder: Kinderkrankenschwester Margrit Wald legt einen Säugling in das vorbereitete Bettchen. Quelle: Michael Wallmueller
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Kirchrode

Frau Wald, Sie bereiten gerade ein Bettchen vor, das schon etwas anders aussieht als die normalen Bettchen für die Neugeborenen hier. Für was ist das denn?
„Dieses ist ein Spezialbett für Neugeborene, die Gelbsucht haben. Dabei handelt es sich aber nicht etwa um eine Gelbsucht wie bei den Erwachsenen. Die Säuglinge haben vermehrt rote Blutkörperchen. Der Überschuss wird von der Leber abgebaut. Das schafft die Leber in so jungen Lebenstagen aber nicht so schnell. Und der gelbe Gallenfarbstoff setzt sich in der Haut ab, und dadurch wirkt ihre Äußeres gelb. In dem Bettchen ist eine Lampe eingebaut. Sie beleuchtet das Baby mit blauem Licht, dadurch werden rote Blutkörperchen abgebaut.“

Also ist es etwas völlig harmloses?
„Ja. So etwas kommt zwar nicht jede Woche vor, aber es ist auch nicht so selten. Wir gucken einfach, wie hoch die Werte sind, und dann entscheiden wir, ob und wie lange das Baby in dem Bettchen bleibt.“ (Sie steckt den Stecker in die Dose, blaues Licht leuchtet dort auf, wo normalerweise die Matratze ist.)

So etwas gab es doch sicherlich noch nicht, als Sie Ihren Job gelernt haben. Was hat sich denn im Laufe der Zeit verändert?
„Früher war es zum Beispiel so, dass wir morgens erst alle Kinder gewaschen haben, um sie dann sauber ihren Müttern zu präsentieren. Jetzt haben wir das Kinderzimmer, in dem die Mütter vieles selbst machen. Wir leiten sie heute eher an...“

Brauchen denn junge Mütter eine Anleitung fürs Baby? Früher haben Frauen das doch auch ohne Anleitung geschafft.
„Nehmen Sie beispielsweise das Stillen. Das war zeitweise ganz außer Mode. Ich würde mal schätzen, dass die Generation der Frauen, die jetzt Großmütter werden, ihren Kindern eher die Flasche gegeben haben.“

Und die Mütter heute wenden sich wieder dem Stillen zu?
„Ja, die Frauen heute wollen wieder stillen, und das klappt manchmal natürlich nicht sofort. Da helfen wir dann - sowohl der Mutter als auch dem Kind.“

Aber viele Frauen informieren sich doch heute schon vor der Geburt entweder übers Internet oder mit Ratgebern...
„Sicher. Aber das eine ist die Theorie, das andere ist die Praxis. Und in der Praxis sieht es manchmal eben ganz anders aus. Dann hat die Mutter nicht gleich genügend Milch oder das Kind mag nicht gleich trinken.“

Aber ist das nicht ganz natürlich?
„Wir leben heute in einer Gesellschaft, in der alles fertig ist. Oft ist das Gefühl für den eigenen Körper verloren gegangen.“

Jörn Kießler 22.08.2013
24.10.2013