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Süd Kita im Baugebiet ist nicht erwünscht
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Kita im Baugebiet ist nicht erwünscht
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14:53 02.03.2012
Von Michael Zgoll
Als Alternative möchte der Rat eine Kita an der Thaerstraße ansiedeln. Quelle: Michael Zgoll
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Mittelfeld

Auf dem verlassenen Gelände des ehemaligen Hannover-Kollegs in Mittelfeld darf nach dem Willen des Bezirksrats Döhren-Wülfel eine Wohnsiedlung entstehen. Allerdings hat das Gremium gegenüber den ursprünglichen Vorstellungen der Verwaltung aus dem Vorjahr zwei wichtige Änderungen beschlossen: Die Politiker möchten keine Kindertagesstätte auf dem Areal haben, und der öffentliche Parkplatz am südlichen Ende der Spittastraße soll erhalten bleiben. Der Fachbereich Planen und Stadtentwicklung hatte im vergangenen Dezember seine Vorstellungen skizziert, auf der knapp 26000 Quadratmeter großen Brache etwa 42 Einfamilienhäuser entstehen zu lassen.

Auf der Fläche zwischen Karl-Schurz-Weg und Hermesallee war bis 2001 das Hannover-Kolleg beheimatet. Nach dessen Umzug in die Döhrener Thurnithistraße wurde das Gebäude vorübergehend von der Glockseeschule genutzt, stand später einige Jahre leer und wurde 2008 nach einem Brand abgerissen. Die Stadt möchte nun in Sichtweite des Messeeingangs Nord einen Mix aus Reihenhäusern und Einfamilienhäusern installieren; erschlossen werden soll die Siedlung mit zwei Stichstraßen vom Karl-Schurz-Weg. Folgende Änderungswünsche zum nun vorgelegten Bebauungsplan - die derzeit von der Verwaltung geprüft werden - hat der Bezirksrat einmütig geäußert:

  • Keine Kita auf Kolleg-Areal. Nach Meinung der Lokalpolitiker muss ein alternativer Standort für eine Kindertagesstätte in der näheren Umgebung gefunden werden, etwa die freie Fläche an der Ecke von Thaer- und Esperantostraße. Der vorgesehene Platz im "entlegensten Winkel des Neubaugebiets" - so die Formulierung eines interfraktionellen Antrags - sei "denkbar ungeeignet", da der gesamte Fahrzeugverkehr von Eltern durch das Neubaugebiet führen würde und es im nahen Umfeld der geplanten Kita kaum Parkmöglichkeiten geben werde. Ein alternativer Standort an der Thaerstraße sei dagegen auch für die Einrichtung einer Betriebs-Kita interessant, da sich mehrere Unternehmen in unmittelbarer Nähe befänden. Allerdings entwerteten die Politiker ihren Vorschlag, indem sie den Sinn einer neuen Kita in dieser Gegend durch eine einfache Feststellung generell in Frage stellten: Innerhalb von 400 Metern Entfernung gebe es bereits zwei große Kindertagesstätten, betrieben von der St. Eugenius-Gemeinde an der Spittastraße und vom Christlichen Jugenddorfwerk am Gundelachweg.
  • Erhalt des Parkplatzes Spittastraße. Bei der Bebauung des Amerikaviertels auf engstem Raum - die Siedlung wurde nach 1949 aus dem Boden gestampft - seien kaum Parkmöglichkeiten für Autos geschaffen worden, deshalb würden in diesem Gebiet Stellflächen in großer Zahl fehlen. Und daher sei es zwingend erforderlich, den bereits zu knapp bemessenen Parkraum nicht noch weiter zu verringern, sondern den vorhandenen Abstellplatz am südlichen Ende der Spittastraße zu erhalten.
  • Freie Bauweise. Ein Antrag der Grünen, bei der weiteren Planung mindestens 50 Prozent des Geländes für frei bebaubare Grundstücke - mit Einfamilien- oder Doppelhäusern - vorzusehen, wurde im Laufe einer lebhaften Debatte auf die Spitze getrieben: Nach einstimmigem Beschluss soll die Verwaltung nun hundert Prozent frei bebaubar halten. In der Stadt Hannover gebe es einen Mangel an frei bebaubaren Grundstücken für den Ein- und Zweifamilienhausbau, meint der Bezirksrat; viele Bauherren hätten den Wunsch, nicht "von der Stange" kaufen zu müssen, sondern ein individuelles Bauprojekt zu verwirklichen.
  • Gemeinschaftliches Wohnen. Die Politiker bitten die Verwaltung, Formen des gemeinschaftlichen Wohnens zu unterstützen, indem die im Süden des Baugebiets geplanten dreigeschossigen Einfamilienhäuser bevorzugt Wohnprojekt-Initiativen angeboten werden. Einstimmig teilte der Bezirksrat die Meinung der antragstellenden SPD, dass es für selbst organisiertes, gemeinschaftliches Wohnen einen stetig wachsenden Interessenkreis gebe.
Christian Link 02.03.2012
Michael Zgoll 02.03.2012