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Süd Klare Konturen im Kirchenschiff
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Klare Konturen im Kirchenschiff
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08:00 26.08.2010
Kapelle von St. Johannis in Bemerode
Kapelle von St. Johannis: Die Eingangstür ins Kirchenschiff wurde aufarbeitet, die Ornamente kommen gut zur Geltung. Quelle: Herzog
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Früher war alles schlechter: In der Kapellenmauer verschloss Zement die Einschlaglöcher, die eine Bombe im Krieg verursacht hatte, Vertäfelungen an den Wänden verbargen Flecken und Risse, Feuchtigkeit ließ die Mauern bröckeln. Doch nun ist die Renovierung der Bemeroder Kapelle von St. Johannis abgeschlossen, und nach fünf Jahren aufwändiger Instandsetzungsarbeiten ist der Sakralbau wieder in einem hervorragenden baulichen Zustand. Die Wiedereröffnung wird in wenigen Tagen gefeiert. Der Förderverein Bemeroder Kapelle hat seit seiner Gründung im Juli 2005 fast 140.000 Euro Spenden für die Erneuerung des Bauwerks gesammelt, rund 20.000 Euro kamen vom evangelischen Stadtkirchenverband.

Die Handwerker legten zunächst die feuchten Außenmauern trocken. Dann erneuerten sie das Dach, die Fugen des Mauerwerks, die Fenster und die Eingangstreppe aus Sandstein. Auch innerhalb der Kapelle veränderte sich viel. Die Empore und das Kirchenschiff erstrahlen heute in einem hellen, freundlichen Licht. Das Gewölbe, das die Dreifaltigkeit des Christentums symbolisiert, kommt durch die steinernen Bögen und einen neuen Anstrich wieder besser zur Geltung.

Ein Restaurator kümmerte sich um die drei bunten Schlusssteine des Gewölbes, die eine Taube, ein Kreuz und die Hand Gottes zeigen. Am mittleren Schlussstein war ehemals ein Kronleuchter befestigt. „Leider verschwand er auf unerklärliche Weise“, sagt Bettina Großekathöfer, die Leiterin des Fördervereins.

Als die Handwerker den aufgeklebten Teppich vom Fußboden entfernten, wurde der Sandstein darunter beschädigt und musste wiederhergestellt werden. Vertäfelungen verdeckten Risse und Flecken an den Wänden, die Feuchtigkeit im Mauerwerk verursacht hatte. Heute sind die Wände trocken und frisch gestrichen. Die Vertäfelungen gehören der Vergangenheit an.

Weiterhin wurden neue elektrische Leitungen und eine leistungsfähige Heizung installiert. Überall sind moderne Leuchtkörper angebracht. Ein Restaurator brachte Kirchenbänke und Türen auf Vordermann. Der Altarraum steht wieder frei, denn die störenden Kirchenbänke hat die Gemeinde entfernen lassen. Dafür finden jetzt mehr Besucher auf der Empore Platz. So können künftig etwa 100 Menschen an einem Gottesdienst teilnehmen.

Mit ihrem Engagement haben die 68 Mitglieder des Fördervereins Bemeroder Kapelle die Renovierung erst ermöglicht. Der Verein organisierte Benefizkonzerte und verschickte Bittbriefe. „Ein Spender stiftete 100 Euro unter der Bedingung, einmal in der Kapelle ganz für sich Orgel spielen zu dürfen“, sagt Großekathöfer. Sie war die einzige Zuhörerin bei dem Solo-Konzert.

Der Skatclub engagierte sich mit einem Preisskat, und der Schützenverein organisierte ein Kaffeetrinken zugunsten des Fördervereins. „Die Beteiligung der Bemeroder ist schon enorm“, sagt Großekathöfer. Ihre Eltern hätten in der Kapelle geheiratet, sie selbst sei darin getauft worden, genau wie später ihre Kinder. „Deshalb liegt sie mir besonders am Herzen“, erzählt die Chefin des Fördervereins. Auch dem Bemeroder Architekten Werner Schütte ist die Kapelle wichtig. „Er hat dafür gesorgt, dass alles zeitlich klappte und preislich im Rahmen blieb“, sagt Großekathöfer.

Viele Bemeroder verbinden ihre Hochzeit, Taufen und Weihnachten mit der Kapelle, die seit 1867 besteht. Nun können sie ihre Wiedereröffnung anlässlich der Langen Nacht der Kirchen feiern, die am Freitag, 3. September, über die Bühne geht. Die Feierlichkeiten beginnen um 16.30 mit einer Andacht. Anschließend können sich die Gäste mit einem Imbiss und Getränken auf dem Vorplatz stärken. Unter anderem treten um 18 Uhr das Bläserquintett „ContraBass“ und um 21 Uhr der Wülferoder Chor auf. Außerdem wird in der Kapelle eine Fotoinstallation mit wechselnden Bildern aus vergangenen Zeiten gezeigt. Um 23 Uhr schließt die Feier mit einem Abendsegen.

Anna Greive

26.08.2010
26.08.2010