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Süd Kleingärtner wollen nicht weichen
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Kleingärtner wollen nicht weichen
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16:40 23.05.2012
Stefan Dörner (vorn), Gabriele Meyer und Michael Thelen wollen nicht auf ihre Gärten an der Tiergartenstraße verzichten. Quelle: Karin Vera Schmidt
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Kirchrode

Die Pächter im Kleingartenverein „Ostfeld an der Trift“ an der Kirchröder Tiergartenstraße fürchten seit ein paar Tagen um ihre Gärten. In der jüngsten Sitzung des Bezirksrats Kirchrode-Bemerode-Wülferode hatte die Verwaltung auf eine Anfrage der SPD-Fraktion geantwortet, dass die Stadt prüfen wolle, die Kleingartenflächen zu kaufen. Damit könne man dann das benachbarte Landschaftsschutzgebiet „Mardalwiese“ vergrößern.

Vorausgegangen waren nach Auskunft des SPD-Bezirksratsherrn Knut Böhme wiederholte Beschwerden aus der Bevölkerung, weil einige Parzellen seit Langem völlig verwahrlost seien. Der Präsident des Bezirksverbandes Hannover der Kleingärtner, Karl-Heinz Rädecker, versichert aber, dass der Verband nicht vorhabe, den Pächtern zu kündigen: „Sie können wieder ruhig schlafen.“

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Doch die Angelegenheit bleibt problematisch. Von den 13 Gärten in der Kolonie sind fünf so verwahrlost, dass der Kleingartenverein seit geraumer Zeit keine Interessenten mehr dafür findet - zumal es in diesen Gärten weder Strom noch Wasser gibt. Für Knut Böhme ist die Sache klar. Seit vielen Jahren schon sei der Vorstand des Kleingartenvereins unzufrieden mit der abseits vom Großteil des Vereins gelegenen Kolonie; das Kerngebiet befindet sich südlich der Ostfeldstraße am Südschnellweg. „Die Pächter an der Tiergartenstraße beteiligen sich nicht am Vereinsleben“, erklärte Böhme dem Stadt-Anzeiger auf Anfrage, „das äußere Bild der Kolonie entspricht nicht dem Charakter von Kleingärten.“ Daher habe er Karl-Heinz Rädecker vergangene Woche angesprochen und dieser habe zugestimmt, dass die Kolonie aufgegeben werden solle.

Rädecker bestreitet das. Er habe lediglich zugesagt, dass er die Eigentümerin der Grundstücke - die evangelisch-lutherische Jakobi-Kirchengemeinde aus Kirchrode - ansprechen wolle. „Wir wollen mit der Kirche einen Kompromiss finden, damit da wieder Ordnung reinkommt“, sagt Rädecker. Die Gemeinde habe zugesagt, dass sie die Angelegenheit prüfen und sich wieder melden wolle. Bislang sei aber nichts passiert.

Der Vorsitzende des Kirchenvorstands Klaus Hagelberg wiederum sagte dem Stadt-Anzeiger, dass sich die Gemeinde noch nicht mit dem Thema befasst habe. Weder die Stadt noch der Verband der Kleingärtner seien auf ihn zugekommen: „Ich halte eine Diskussion für verfrüht und sehe keine Veranlassung, die Fläche zu verkaufen.“

Darüber würden sich die Pächter der acht bewirtschafteten Gärten an der Tiergartenstraße sehr freuen. „Am meisten hat uns an der Sache geärgert, dass es in der Bezirksratssitzung geheißen haben soll, wir wären mit einer Räumung der Gärten einverstanden“, sagt Christine Steinmayer empört. Die Kirchröderin hat vor drei Jahren eine Parzelle übernommen und genießt mit der Familie regelmäßig ihr „grünes Wohnzimmer“. Auch Ute und Michael Thelen aus der Südstadt wollen keinesfalls auf ihren Garten verzichten. „Wir haben das Grundstück 2005 als Wüstenei und Holzlagerplatz übernommen und sehr viel investiert“, erklärt Ute Thelen.

Gabriele Meyer aus der List ist seit 17 Jahren Pächterin einer grünen Parzelle und freut sich über das gute Miteinander unter den Gartennachbarn. Böse ist sie nicht darüber, dass die Kolonie eine „gewisse Autonomie“ vom Rest des Vereins genießt. Daran, dass man die verwahrlosten Gärten nicht wieder verpachten kann, glauben die Leute aus der Kolonie nicht. „Es passiert oft, dass Menschen bei uns am Tor stehen bleiben und fragen, ob hier vielleicht noch ein Grundstück frei ist“, erzählt Stefan Dörner, die den Familiengarten schon seit 1984 bewirtschaftet. Allerdings geben alle Pächter zu, dass es viel Arbeit wäre, die vakanten Gärten wieder herzurichten.

Um den Weg, der von der Tiergartenstraße hinunter zur Mardalwiese quer durch die Kolonie führt, kümmern sich die Kleingärtner schon jetzt regelmäßig. Sie mähen den Rasen am Rand und schneiden die Hecken einfach mit, obwohl der Weg der Stadt gehört. Und auch auf dem Fußweg entlang der Tiergartenstraße zupfen sie penibel Unkraut und sorgen dafür, dass die Kantsteine frei bleiben. Das ist wichtig, weil sich in unmittelbarer Nähe das Taubblindenzentrum und ein Blindenheim befinden und der Bürgersteig häufig von sehbehinderten Menschen benutzt wird, die sich an den Kantsteinen orientieren.

Karin Vera Schmidt

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