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Süd Wenn der Stein mit dem Künstler spricht
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Wenn der Stein mit dem Künstler spricht
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14:44 10.06.2015
Aufgepasst: Chenjerai Chiriganyanga und Godfrey Matungamidze zeigen, wie es geht. Quelle: Mario Moers
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Bemerode

Godfrey Matungamidze ist nicht nur ein talentierter Bildhauer, er kann sogar mit den Steinen sprechen, die er mit Hammer und Meißel behaut. Eigentlich ist es vielmehr der Stein, der sich dem Künstler aus Simbabwe offenbart. Durch Strukturen und Muster im Stein lassen sich die Bildhauer aus dem südlichen Afrika zu ihren weltweit beachteten Arbeiten inspirieren. Zwei Wochen lang führten Godfrey Matungamidze und Chenjerai Chiriganyanga an der Integrierten Gesamtschule (IGS) Kronsberg Schüler, Lehrer und Hobby-Bildhauer an die traditionelle Bildhauerkunst ihres Landes heran. Ohne Zuhilfenahme von elektrischen Werkzeugen entstanden dabei zahlreiche beeindruckende Skulpturen.

„Für mich ist der Workshop die Initialzündung, mich einmal am Stein zu versuchen“, sagt Sylvia Hilgenberg. Die Lehrerin für Naturwissenschaften arbeitet seit einer Stunde daran, einen Sockel zu formen. „Es soll etwas Abstraktes werden“, sagt sie. Wo die angehenden Bildhauer nicht weiterkommen, werden sie von den Profis unterstützt. „Bei der Ideenfindung oder wenn große Stücke herausgebrochen werden mussten, haben mir die beiden geholfen“, sagt Jenny Okafor. Nach rund 15 Stunden Arbeit ist ihre Skulptur nahezu fertig. Als letzter Arbeitsschritt muss ihre Skulptur noch abgeflammt und dann mit Bohnerwachs eingerieben werden. Erst dann entfaltet der Naturstein aus Afrika seine ganze Pracht.

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„Die Vögel kommen aus der Natur des Steins“, sagt Godfrey Matungamidze und zeigt auf einige grobe Linien an der Seite eines großen harten Serpentinblocks, den er unter dem Pavillon hinter dem Werkraum bearbeitet. Neben ihm hämmern, schmirgeln und feilen Schüler aus der Oberstufe und einige Lehrerinnen an ihren improvisierten Werkbänken aus großen Stein-Quadern. Matungamidze hat bereits ein Gesicht auf eine Seite seines schweren Rohlings gemeißelt. Das war seine Idee. Die Skulptur um zwei Vögel zu ergänzen, das legt ihm nun der Stein nahe. Einen weiteren Teil wird er unbehauen lassen. So glaubt der Künstler in der Glaubenstradition seines Landes, konserviert er einen Teil der Geschichte und der Natur des Steins in dem Kunstwerk.

„Die Bildhauerei in Simbabwe genießt seit ihrer Neu-Entdeckung durch die internationale Kunstwelt in den sechziger und siebziger Jahren weltweit hohes Ansehen“, sagt Rolf Haase. Der pensionierte Lehrer hat die beiden Bildhauer an seine alte Schule eingeladen. Auf Reisen durch das von wirtschaftlichen und politischen Krisen gebeutelte Land kam er in Berührung mit Künstlern der sogenannten dritten Generation von Shona-Künstlern. So werden die Bildhauer der als Shona bezeichneten Stämme genannt, die an die Tradition ihrer berühmten Vorgänger anknüpfen. „Heute arbeiten sie allerdings meistens wesentlich abstrakter als die Generation ihrer Großväter, die vor allem mythische Motive abbildete“, erzählt Haase.

Vor dem Lehrerzimmer zeigt ein ganzer Schwarm kleiner bunter Stein-Fische die Farb- und Mustervielfalt des Serpentinsteins. Etwa 160 Schüler der fünften Klassen haben geschlossen an dem Workshop teilgenommen. Für die anderen waren die außergewöhnlichen Werkwochen freiwillig. Das 6800 Euro teure Projekt wurde dabei unter anderem vom Bezirksrat, der Stadt und der VHG-Stiftung gesponsert. Auch einige Hobby-Steinmetze nahmen an dem offenen Angebot teil. Sogar am Wochenende und nach Schulschluss wurde in der IGS gehämmert. „Es ist unfassbar, mit welcher Energie und Hingabe die Schüler dabei sind“, lobt Haase.

Skulpturen der „Shona-Art“ von Bildhauern aus Simbabwe sind noch bis Freitag, den 12. Juni von 16.30 bis 18 Uhr im „Projektraum am Kronsberg“ am Thie 3b zu sehen.

von Mario Moers

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