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Süd Losverfahren macht eine Menge Ärger
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Losverfahren macht eine Menge Ärger
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07:53 21.06.2012
Von Christian Link
Jüngst war die Grundschule Feldbuschwende zu einer sportfreundlichen Schule ernannt worden. Jetzt führte ein umstrittenes Anmeldeverfahren bei einigen Eltern zu heftiger Kritik. Quelle: Marcel Schwarzenberger
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Bemerode

Anfang Juni versetzte ein Brief der Grundschule An der Feldbuschwende in Bemerode die Eltern der künftigen Erstklässler in Aufregung: Schulleiterin Ellen Albrecht informierte sie in dem Schreiben, dass es zu viele Anmeldungen für die Grundschule im Kronsbergviertel gebe. Eine Auslosung müsse entscheiden, wer an der Feldbuschwende eingeschult werde - wenn nicht noch genug Schüler zur Bemeroder Grundschule Am Sandberge wechseln. Doch über die Elternbeiräte von vier Kindertagesstätten aus Bemerode formierte sich Protest gegen das Losverfahren. In der vergangenen Sitzung des Bezirksrats Kirchrode-Bemerode-Wülferode wandten sich aufgebrachte Eltern an die Lokalpolitiker und warben um Hilfe. Sie verlasen im Bezirksrat eine Liste mit neun Fragen, um auf ihre Nöte aufmerksam zu machen. Inzwischen aber scheint das Problem gelöst zu sein.

Von dem drohenden Losverfahren wären am Ende mindestens 20 Schüler betroffen, die zur Grundschule Am Sandberge gehen müssten, sagten die Eltern. Die rechtliche Grundlage für den Wechsel sei die Überschneidung der Einzugsbereiche der beiden Grundschulen. Die Eltern kritisierten, dass die persönliche Entscheidung, welche Schule ein Kind besucht, durch den erzwungenen Schulstandort diktiert werde. Außerdem würden damit Freundschaften auseinandergerissen und Geschwisterkinder getrennt.

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„Der Begriff Wutbürger bekommt für mich eine ganz neue Dimension“, sagte ein Vater aus der Kronsbergsiedlung in der Einwohnerfragestunde. Er sei verblüfft, wie „bescheuert“ die Anmeldung an einer Schule funktionieren könne. Eine Mutter kritisierte die kurze Zeitspanne, in der sich Eltern entscheiden müssten, ob sie ihr Kind ummelden wollen: „Die Frist betrug nicht einmal eine Woche.“ Das fand auch CDU-Bezirksratsherr Hans-Georg Hellmann ungeheuerlich. „Ein Frist von sechs Tagen - das grenzt an Nötigung“, echauffierte er sich. Der Bezirksrat war von dem Vorgang an der Grundschule ebenfalls überrascht worden. „Ich bin von dem Losverfahren erst gestern unterrichtet worden“, sagte Bezirksbürgermeister Bernd Rödel in der Sitzung. Er fand klare Worte für das angedrohte Verfahren: „Das ist schlicht und einfach eine Sauerei. So kann man mit Kindern und Eltern nicht umgehen.“

Auch die Stadt Hannover hat nach eigenen Angaben als Schulträger der Grundschule erst über den Elternprotest von dem angepeilten Lösungsvorschlag erfahren. „Der Fachbereich Schule ist davon nicht unterrichtet worden“, sagte Stadtbezirksmanager Wolfgang Just. Die Landesschulbehörde habe das Losverfahren ohne Rücksprache mit der Stadt ins Auge gefasst.

Mittlerweile wurde das Losverfahren jedoch abgesagt. Landesschulbehörde, Schulleitung und Eltern haben sich gütlich geeinigt. „Einige Eltern konnte ich überreden, freiwillig zu wechseln. Außerdem werden wir 28 Kinder pro Klasse aufnehmen“, sagte Schulleiterin Ellen Albrecht auf Anfrage des Stadt-Anzeigers. Sie selbst habe das Losverfahren „auf keinen Fall“ gewollt. Die Klassen haben mit jeweils 28 Schülern nun genauso viele wie bisher - die Eltern seien damit aber einverstanden. Laut Rückmeldung hätten sie sogar noch erheblich größere Schülerzahlen in Kauf genommen, erklärte Albrecht. Eigentlich hat das Kultusministerium für die Zukunft eine Klassengröße von höchstens 26 Schülern als Ziel ausgegeben.

Begeistert sind die Eltern von dem ganzen Vorgang dennoch nicht. „Das Ganze hätte man auch ohne diese Aufregung lösen können“, meinte die Mutter eines künftigen Erstklässlers der Grundschule An der Feldbuschwende.

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