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Süd Mäuse haben ein eigenes Bad
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Mäuse haben ein eigenes Bad
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08:00 22.07.2010
"Mini Mäuse" mit Tagesmutter
Die "Mini Mäuse" liben den "Kinderbus" - und ihre Tagesmutter Ulrike Kwiatkowski. Quelle: Christian Link
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Wir haben ein Problem“, meint die dreijährige Emma und kommt mit einem Holzstück in der Hand quer über die Wiese gelaufen. Das Holzstück ist nämlich kein Holzstück, sondern ein Krokodilknochen. Und die Wiese ist keine normale Wiese, sondern die Krokodilwiese. „Bis vor kurzem war das Gras hier extrem hoch und die Kinder haben sich überlegt, welche Tiere hier leben könnten. Seitdem ist es für sie nur noch die Krokodilwiese“, erklärt Tagesmutter Ulrike Kwiatkowski. Dann geht sie mit Emma zur Fundstelle und entsorgt mit ihr zusammen den Krokodilknochen. Die Tagesmutter aus Kirchrode kommt häufig mit den fünf von ihr betreuten Kindern auf die Wiese in der Straße Am Heisterholze. Sie wohnt gegenüber, wo sie ihre Schützlinge, die „Mini-Mäuse“, auch die meiste Zeit betreut. Die Etage im dem Zweifamilienhaus, in der die Kwiatkowskis zur Miete wohnen, ist dafür gerade ausgebaut worden: Die Kinder haben jetzt ein eigenes Bad, für das Kwiatkowski auch einen Investitionszuschuss von der Stadt Hannover bekommen hat. Nebenan ist ein 40 Quadratmeter großes Kinderzimmer mit Küchenbereich entstanden – fast schon eine richtige kleine Kindertagesstätte.

Einen Zuschuss in Höhe von 5000 Euro gab es für den fünften Tagespflegeplatz für Kinder unter drei Jahren. Die Investitionskosten, die im „vierstelligen Bereich“ lägen, würden dadurch jedoch nur teilweise gedeckt. „Als Tagesmutter wird man nicht reich, man muss Spaß an der Arbeit mit Kindern haben“, sagt Kwiatkowski. 3,12 Euro pro Kind und Stunde beträgt ihr Verdienst – brutto, wie sie anmerkt.

Diese Arbeit macht sie schon seit zehn Jahren. Anstoß dafür war ihr Sohn Aaron: „Ich wollte nicht, dass er alleine groß wird.“ Die Aufgabe als Tagesmutter sei jedoch immer schöner geworden, so dass sie diese nun zu ihrem Beruf gemacht hat – zunächst ohne Ausbildung in diesem Bereich. Einen 160-stündigen Qualifizierungskurs absolvierte sie erst, als sie schon fast fünf Jahre als Tagesmutter gearbeitet hatte. Es sei der erste gewesen, der in Hannover angeboten wurde, erzählt die Kirchröderin. Inzwischen veranstalten die Interessengemeinschaft der Tagesmütter und die Volkshochschule Hannover solche Kurse regelmäßig.

Die städtische Beihilfe für den Ausbau ist nicht der erste Zuschuss, den Ulrike Kwiatkowski erhalten hat. Auch den „Kinderbus“ – ein überdimensionierter Kinderwagen, der ein zentrales Hilfsmittel bei ihrer täglichen Arbeit ist – hat sie mit Hilfe der Stadt finanzieren können. „Der Wagen ist ganz wichtig. Das Gebiet, das wir erkunden können, ist dadurch deutlich größer geworden“, berichtet sie. In dem Sechssitzer erkunden die Kleinen zusammen mit ihrer Tagesmutter Hannover: „Die Kinder wollen häufig in den Garten hinter dem Haus, aber ich bin lieber unterwegs. Dann ist es in der Nachbarschaft auch ruhiger.“ Im Sommer gehe sie mit den Kleinen fast jede Woche einmal in den Zoo. Außerdem besucht die Gruppe regelmäßig den Tiergarten sowie andere Ausflugsziele in der Landeshauptstadt. Das ist ohne weiteres möglich, denn der „Kinderbus“ passt in sämtliche öffentlichen Verkehrsmittel.

„Ich liebe meinen Job. Die Arbeit ist einfach schön“, meint Kwiatkowski. Währenddessen spielen der dreijährige Jan sowie die zweijährigen Julius und Matti zusammen „Feuermänner“. Der einjährige Remo knabbert mit großen Augen an einer Reiswaffel und Emma besteht darauf, nicht zur Prinzessin, sondern zum König gekrönt zu werden. Bei diesem idyllischen Bild wird klar, warum die Tagesmutter ihren Beruf so liebt.

Schwierig sei es nur, wenn sie die Kinder nach zwei Jahren Betreuungszeit wieder abgeben muss: „Da graust es mir immer vor.“ Es sei aber auch interessant zu sehen, wie sich die Kleinen mit dem Alter verändern, ergänzt sie. Die Mädchen und Jungen, die neu zu den „Mini-Mäusen“ kommen, sind in der Regel ein Jahr alt. „Dann sind sie leichter in die Gruppe zu integrieren“, erläutert die Tagesmutter.

Christian Link

22.07.2010
Stephan Fuhrer 22.07.2010
22.07.2010