Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Süd Stadt lehnt Sperren zum Maschseefest ab
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Stadt lehnt Sperren zum Maschseefest ab
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
00:20 06.03.2018
Tausende Besucher strömen jedes Jahr auf das beliebste Maschseefest. Quelle: Rainer Droese
Anzeige
Südstadt

 Die Debatte kommt so sicher wie das nächste Maschseefest – nämlich die um den Autoverkehr während der dreiwöchigen Seesause im Sommer. „Das Maschseefest wird immer spürbar sein, aber wir werden mit dem Verkehrskonzept Jahr für Jahr besser“, sagte Ralf Sonnenberg vom städtischen Veranstaltungsmanagement während einer Anhörung zum Thema im Stadtbezirksrat Südstadt-Bult. Anwohner sehen das anders: „Die Südstadt wird während des Maschseefestes zum rechtsfreien Raum.“

Die Probleme, die auch die Stadt nicht verneint, verursachen vor allem parkende Autos und Autofahrer, die nach den ohnehin in der Südstadt ewig knappen Parkplätzen suchen. Südstädter berichten von zugeparkten Behindertenparkplätzen, Grundstücksausfahrten oder Feuerwehrzufahrten. „Wenn sich dann noch in einer vollgeparkten Straße wie der Wiesenstraße zwei Autos begegnen und nicht aneinander vorbeikommen, kommt endgültig alles zum Stillstand“, erklärte eine Anwohnerin.

Anzeige

Anwohnerparkplätze und Durchfahrtssperren gewünscht

Am liebsten wäre es den Südstädtern, wenn die Stadt während des Maschseefestes die Stellflächen in den angrenzenden Straßen zu Anwohnerparkplätzen deklarieren, Durchfahrtsperren verhängen und dies alles auch strikt kontrollieren würde. Vorbild dafür sei das Fest zum Tag der deutschen Einheit im Jahr 2014. „Man sollte das einmal durchziehen und sehen, wie es sich auswirkt“, sagte der stellvertretende Bezirksbürgermeister Ekkehard Meese (Grüne). Auch Jesse Jeng (CDU) signalisierte Zustimmung. 

Die Stadtverwaltung betrachtet das Ganze skeptisch. „Wenn man so etwas für die Dauer von drei Wochen macht, greift man massiv in das Leben eines ganzen Stadtteils ein“, sagte Sonnenberg und verwies auf Interessen etwa von Geschäftsinhabern. Seinen Angaben zufolge müssten etwa 10.000 Durchfahrtscheine ausgegeben werden. „Die Kontrolle würde die Stadt überfordern“, erklärte er. Tiefbauamtsleiter Andreas Bode ergänzte, die radikale Lösung sei rechtlich nicht umzusetzen, weil es immer ein Kontingent allgemein zugänglicher Plätze in einem bestimmten Gebiet geben müsse.

Sonnenberg sagte, die Situation im vergangenen Jahr sei auch durch die Baustelle in der Willy-Brandt-Allee und Straßensperrungen im Umfeld eine besondere gewesen. Am Verkehrskonzept wolle die Stadt daher nichts ändern, aber die angebotenen Lösungen besser kommunizieren. Für Autofahrer sei das insbesondere das Parkplatzangebot auf dem Schützenplatz. Außerdem werde auf die Busverbindungen zum Fest verwiesen – und auf die Möglichkeit, mit dem Fahrrad zu kommen.

Kommentar: Wo bleibt die Weitsicht?

Wer einmal während des Maschseefests durch die angrenzenden Südstadtstraßen gelaufen ist, der weiß, wie man ein Quartier flächendeckend mit Blechmassen verstopfen kann. Was man noch nicht so genau wusste, bis es Hannovers Marketingchef Hans Nolte im Bezirksrat Südstadt berichtet hat: Es sind nicht auswärtige Festbesucher, die die Parkplätze blockieren und die Straßen zustellen, sondern Hannoveraner, die meinen, sich auszukennen. Wenn das stimmt, handeln die Betreffenden so weitsichtig wie Blindschleichen mit Augenklappen. Parkplatzsuche außerhalb des Schützenplatzes während des Maschseefests ist für jeden Autofahrer eine Nervenprobe. Wenn Besucher, die anscheinend am liebsten direkt an die Stände fahren würden, das nicht begreifen, muss die Stadt wenigstens beim Knöllchenschreiben fleißiger sein.

Von Bernd Haase

Anzeige