Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Süd Mieterin klagt über Schimmel
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Mieterin klagt über Schimmel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:33 29.10.2009
Große Schimmelflecken haben sich in Renate Lemkes Esszimmer gebildet.
Große Schimmelflecken haben sich in Renate Lemkes Esszimmer gebildet. Quelle: Dario Sarmadi
Anzeige

Als Renate Lemke vor sechs Jahren in ihre neue Wohnung in Seelhorst zog, ahnte sie nichts Schlimmes – im Gegenteil: „Die Räume waren so hell und freundlich“, erinnert sich die 67-Jährige. Wenige Wochen später folgte das böse Erwachen: Die Wände und Fenster ihrer Zimmer waren schlecht isoliert, nur 7 Grad zeigte das Thermometer an einigen Stellen.

In ihrem Esszimmer stellte sie deshalb einen große Schrank an die Wand und legte Kissen davor. Anfang dieses Jahres hat die Wohnungsgenossenschaft Heimkehr das Wohnhaus schließlich energetisch saniert. Für Lemke kam diese Maßnahme zu spät, denn an den Wänden hatten sich bereits große Schimmelflecken gebildet.

Die Mieterin fordert jetzt die Wohnungsgenossenschaft auf, die Kosten für die Beseitigung des Pilzes zu übernehmen. „Im Gegensatz zu den meisten anderen Wohnungen war meine in einem veralteten Zustand. Die Isolierung hätte schon viel früher vorgenommen werden müssen“, kritisiert Lemke. Aufgrund der baulichen Mängel der Wände habe sich übermäßig viel Feuchtigkeit gesammelt und durch die Kälte schließlich Schimmel gebildet.

Die Heimkehr weist die Vorwürfe zurück: Für den Schaden müsse ausschließlich die Mieterin aufkommen. Weil sie einen Schrank direkt vor die Wand gestellt habe, sei nicht genügend Luft herangekommen, sagt Sven Scriba, Vorstandsmitglied der Heimkehr. Hinzu käme, dass die Bewohnerin nicht ausreichend gelüftet und geheizt habe.

Lemke ist enttäuscht über das Verhalten der Heimkehr und fühlt sich „im Stich gelassen“: Der Vermieter habe den Schaden kein einziges Mal persönlich angeschaut. „Dann hätte er nämlich gesehen, dass ich auch im Schlafzimmer Schimmel habe.“ Außerdem fühlt sie sich ungerecht behandelt: Im benachbarten Wohnhaus, das ebenfalls der Heimkehr gehört, hätte eine Mieterin das gleiche Problem gehabt. Dort habe die Wohnungsgenossenschaft den Schaden aber behoben, behauptet Lemke. „Zu mir haben sie nur gesagt, dass die eine Wohnung nichts mit der anderen zu tun hätte.“

Die Heimkehr wisse von einem solchen Vorfall nichts; weder von einer vergleichbaren Wohnung, noch von etwaigen Reparaturmaßnahmen, sagt Scriba. Aus Protest zahlte die 67-jährige Rentnerin zeitweilig weniger Miete. Die Heimkehr ist daraufhin vor Gericht gezogen; sie fordert Lemke auf, das ausstehende Geld zu zahlen. Ein Sachverständiger soll jetzt klären, wer für die niedrigen Temperaturen und den Schimmel verantwortlich ist. Die Untersuchung könnte durchaus kostspielig werden, schätzt Lemkes Anwalt Volker Neitzel. Da etwa ein Teil der Dämmung abgenommen werden müsste, um den damaligen Zustand der Hausfassade festzustellen, werde es sich um einen vierstelligen Betrag handeln.

von Dario Sarmadi