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Süd Musik aus Hannover für den russischen Hof
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Musik aus Hannover für den russischen Hof
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13:21 23.01.2014
Von Heike Schmidt
Sie sind die neuen Paten für die Grabmale. Quelle: Moritz Küstner
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Wenn man einen Moment die Augen schließt, kann man sich die Szene lebhaft vorstellen. Dann führt einen die Musik von Johann Christian Firnhaber (1753-1828) direkt an den Hof der Großfürstin Maria Fedorovna. Für sie hatte der in Langenhagen geborene und in Hannover lebende Komponist sechs Sonaten geschrieben. Bei der Patenschaftsfeier in der Gartenkirche brachten Masahiro Masumi (Klavier), Yulia Van (Violine) und Lev Kucher (Violoncello) Teile der Kompositionen zum Klingen. Im Dezember haben fünf Grabmale des Gartenfriedhofs neue Paten bekommen - unter anderem das des hannoverschen Komponisten und seiner Ehefrau Anne Sophie Friederike Firnhaber. Gefeiert wurde dies in der Gartenkirche mit einem kleinen Konzert. Pate des Grabmals ist Firnhabers Nachfahre Martin Firnhaber.

Firnhaber ist heute weitgehend unbekannt. Zu seiner Zeit war er zwar auch keine Berühmtheit, aber unter Klavierspielern wohl bekannt. Eine Reise führte ihn 1780 nach Moskau. Warum er nach Russland ging, ist heute nicht mehr eindeutig nachvollziehbar. Aber schon Katharina die Große hatte zahlreiche Künstler nach Sankt Petersburg geholt und ihren Hof zu einem kulturellen Zentrum Europas gemacht. Die deutsche Prinzessin, für die Firnhaber die Sonaten schrieb, war Katharinas Schwiegertochter. Sie lebte mit ihrem Mann in Pavlovsk bei Sankt Petersburg und gründete ihren eigenen, kleinen Zirkel gebildeter Menschen, die Kunst und Musik unterstützten. Da Firnhaber auch schon in Hannover als Lehrer Unterrichtsstunden im Clavicordspielen gegeben hatte, ist es auch nicht unwahrscheinlich, dass er dort als Lehrer der Großfürstin angestellt war.

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Firnhaber blieb einige Jahre in Russland. 1796 kehrte er nach Hannover zurück und heiratete am 10. Mai 1798 „Jungfer Anne Sophie Friederique Cludius“, eine Pastorentochter. In Hannover herrschte zu der Zeit ein durchaus lebhaftes Interesse an Musik. Das Musizieren im privaten Raum wurde immer beliebter. Im öffentlichen Leben hingegen war Firnhaber mit seiner Musik kaum präsent. Dennoch scheint er nicht als verarmter Musiker gelebt zu haben. Er galt in seiner gesamten Verwandtschaft als „der reiche Russe“. In den Adressbüchern der Stadt wurde er als „Rentier“ geführt. Als musikengagierter Bürger hatte er im Jahre 1802 dem Rat der Stadt Hannover vorgeschlagen, eine „Musikalische academie“ einzurichten, „wo nichts als Singen gelehrt würde“, und angeregt, die Ausbildung auch auf die Instrumentalmusik zu erstrecken. Aus dieser „academie“ soll die heutige Hochschule für Musik, Theater und Medien hervorgegangen sein.

Dort studieren Masahiro Masumi, Yulia Van und Lev Kucher, die Teile der Sonaten für die Großfürstin Maria Fedorovna bei der Patenschaftsfeier zum Klingen brachten. Und mit ein wenig Phantasie konnte man sich die Szene vorstellen: Eine kleine Gruppe Adeliger, die Damen in Korsetts, bauschigen Röcken und mit gepuderten Frisuren, die Herren in Seidenstrümpfen und mit Spitzenplastron sitzen und stehen in einem Salon - und in der Mitte ein kleines Trio, das spielt.

Zwei weitere Grabmale werden in Zukunft von Paten gepflegt:

n Sophie Hurtzig, geb. Bähr: Ihr Mann ist bekannt. Über sie selbst ist hingegen kaum etwas zu erfahren: Sophie Hurtzig, geborene Bähr, lebte von 1817 bis 1857. Sie war die Frau des Bildhauers, Vergolders und Lehrers Georg Ludwig Hurtzig, der unter anderem in Hannover im Auftrag des Marktkirchenpastors Hermann W. Bödeker die so genannten „Bödekerengel“ schuf, die auch auf den Friedhöfen in Stöcken, Engesohde und Kirchrode zu finden sind. Und natürlich auch am Grabmal seiner Frau Sophie. Die Paten ihres Grabes sind Jürgen Holdgrün und Monika Holdgrün-Fabian.

n Gustav Wilhelm Christian und Dorothee Friederike Hartmann: Das Ehepaar Hartmann gehörte zu den „hübschen Familien“ von Hannover - so wurden einst die Clans bezeichnet, die man heute wahrscheinlich als exzellente Netzwerker betiteln würde. Gustav Wilhelm Christian Hartmann war Vize-Kanzleidirektor in Hannover. In der Familienchronik wird berichtet, dass er zunächst die Universität in Göttingen besuchte. „Nach seiner Zurückkunft 1759 ward er als Auditor in der Ratsstube bei der Justizkanzlei zu Hannover angestellt und 1762 zum Hof- und Kanzleyrath ernannt (...).“ Als er Dorothee Friederike Hüge (1752-1814) heiratete, wurde diese automatisch zur „Vicekanzley Directorin“. Sie war die einzige Tochter des Oberzollinspektors Hüge zu Brunshausen. Ihr Großvater war aus Schottland nach Hamburg eingewandert. Die Paten ihrer Gräber sind Jan Dirk und Carin Sibylle Hartmann.

Margret Jans-Lottmann 23.01.2014
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