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Süd Mutter kämpft um Kinder und Wohnung
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Mutter kämpft um Kinder und Wohnung
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15:15 21.01.2010
Von Jutta Oerding
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In der ersten Instanz wurde die Räumungsklage des Vermieters jetzt abgewiesen, über dessen Berufung entscheidet das Landgericht am 26. Januar. Die 39-jährige Alexandra G., die mit sieben Kindern in das Haus mit vier Eigentumswohnungen in Bemerode gezogen ist, hat offenbar einen anderen Lebensstil als ihre Mitbewohner. Zwei von ihnen, ein älteres Ehepaar, hat die 18. Zivilkammer im Prozess als Zeugen gehört.

„Sie hat ihre Mülltonne auf dem Balkon stehen, damit wir nicht sehen können, was sie wegschmeißt“, berichtete die 75-jährige Zeugin. Zum Leerungstermin schleppe G. die Tonne jedesmal polternd nach unten – „durch unser schönes Treppenhaus“. Die 75-Jährige und ihr 81-jähriger Mann bewohnen ihre Eigentumswohnung selbst, während die übrigen drei vermietet sind. Entscheidend für die Kündigung – und damit auch für den Prozess – war jedoch lediglich ein Vorfall aus dem Juli 2009. Alexandra G., die sich von dem 81-Jährigen ständig kontrolliert und belästigt fühlt, soll ihn und seine hinzukommende Frau auf üble Weise beleidigt haben. Zuvor hatte die Nachbarin die Mutter von zehn Kindern offenbar darauf hingewiesen, dass beim Heruntertragen der Mülltonne aus der Wohung ein Teil des Abfalls im Treppenhaus liegengeblieben sei.

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„Ich war bei der Gartenarbeit“, berichtete der Rentner, der zugleich als Hausverwalter tätig ist. „Sie stand auf dem Balkon und schimpfte auf mich ein. Sie wollte wissen, warum ich sie ständig mobbe.“ Es sollen harte Worte gefallen sein wie „Du Alter kriegst von mir auch noch in die Fresse“. Seine Frau soll aufs Übelste beschimpft worden sein – unter anderem als „Alkoholikerin“. Schon aus gesundheitlichen Gründen trinke sie gar keinen Alkohol, stellte die 75-Jährige vor Gericht klar. „Und überhaupt – was soll die Frau ohne ihre Kinder in einer 150 Quadratmeter großen Wohnung?“.

Diesen Einwand ließ der Vorsitzende Richter Ullrich Kleybolte nicht gelten. Er lese schließlich auch Zeitung und wisse, dass die Mutter um ihre Kinder kämpfe. Er riet jedoch Carsten Frey, dem Rechtsanwalt von Alexandra G., mit der Arge Kontakt aufzunehmen, damit die Mandantin eine andere Wohnung bekomme. Ganz unabhängig vom Urteil der Kammer sei eine einvernehmliche Lösung das Beste für alle Beteiligten. Auch für die Kinder wäre es sicherlich belastend, nach den Vorfällen in die alte Wohnung in Bemerode zurückzukehren, meinte Richter Kleybolte.

Rebecca Quaritsch, Rechtsanwältin des Vermieters, äußerte nach der Verhandlung Kritik an der Arge, die die kinderreiche Frau in einer Eigentumswohnung untergebracht hat: „Es gibt doch genug kommunale Wohnungsgesellschaften, bei denen Mutter und Kinder besser aufgefangen würden.“ Zurzeit lebt die 39-Jährige mit ihrer 17-jährigen Tochter in der Bemeroder Wohnung. Wegen einer Erkrankung konnte sie an der Gerichtsverhandlung nicht teilnehmen.

Im September 2009 war ihr das Sorgerecht für sechs Kinder entzogen worden. Das Amtsgericht hielt das Wohl der Kinder für gefährdet, bezeichnete Alexandra G. jedoch als „kämpferische und liebevolle Mutter“. Verzweifelt setzt sie sich mit allen rechtlichen Mitteln gegen diese Entscheidung zur Wehr. Demnächst gebe es einen Termin vor dem Oberlandesgericht“, berichtete Rechtsanwalt Frey: „Ich sehe durchaus Chancen, dass ihre Kinder bald zu ihr zurückkehren.“

Sandra Schütte 21.01.2010
Jutta Oerding 21.01.2010
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