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Süd Mysteriöse Kreise kommen aus der Tiefe
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Mysteriöse Kreise kommen aus der Tiefe
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21:06 06.03.2010
Von Conrad von Meding
Wärmequellen wie aufgereihte Planeten: Unter dem Fiedelerplatz liegt ein Stück Stadtteilgeschichte vergraben.
Wärmequellen wie aufgereihte Planeten: Unter dem Fiedelerplatz liegt ein Stück Stadtteilgeschichte vergraben. Quelle: Conrad von Meding
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„Man könnte denken, dass es Kornkreise aus irgendwelchen Ufo-Geschichten sind“, sagt Krümpelmann, der das Phänomen in diesem Jahr auch gleich fotografiert hat. Doch alteingesessene Döhrener wissen: Wie bei den meisten geheimnisvollen Vorgängen gibt es auch hier eine einfache Erklärung. In diesem Fall liegt die Ursache im Untergrund unter dem Platz verborgen. Hier befinden sich alte Zisternen, die wohl einst zur Bekämpfung von Feuersbrünsten inmitten des Stadtteils angelegt worden sind.

Die Röhren stehen senkrecht im Boden und sind untereinander verbunden. Wahrscheinlich wurden sie einst mit Regenwasser vom Platz oder mit Wasser aus den umliegenden Häusern gespeist – Unterlagen zu dem Bauwerk gibt es nicht mehr. Wenn es im Winter längere Zeit friert und das Erdreich vollständig durchgekühlt ist, bleibt es in den Röhren etwas wärmer. Sobald Tauwetter einsetzt, zeigen sich an der Oberfläche die „mystischen“ Kreise – eine Erinnerung daran, dass im Boden ein Stück Stadtteilgeschichte vergraben liegt.

„Wir waren ziemlich erschrocken, als wir die Bauwerke im Boden fanden“, erinnert sich Gesina Schindler vom städtischen Fachbereich Umwelt und Stadtgrün. Vor rund zehn Jahren hatte die Verwaltung den längst fälligen Totalumbau des großen Stadtteilplatzes begonnen. Die große Freifläche wurde neu gestaltet, der Spielplatz mit neuen Geräten aufgewertet. Bei der Vorbereitung des Areals stießen die Bauarbeiter plötzlich auf die Hinterlassenschaften im Boden. „Wir hatten vorab eine Anfrage bei den Versorgungsunternehmen getätigt, um uns über mögliche Kabel oder Rohre im Boden zu informieren – aber von diesen Bauwerken im Untergrund hat keiner etwas gewusst“, sagt Schindler. Glücklicherweise stellten sich die gut 20 Röhren der Zisternenanlage als bautechnisch unproblematisch heraus – statisch waren sie in Ordnung. Also wurden sie wieder mit Deckeln abgeschottet, dann wurde der neue Stadtteilplatz darüber angelegt.

Wahrscheinlich datiert die Konstruktion aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg oder während des Krieges – dass Beton als Baumaterial verwendet wurde, spricht dafür. Auch dürfte die Angst vor Kriegszerstörungen die doch erheblichen Anstrengungen zum Bau einer unterirdischen Brandbekämpfungsanlage mitten im Stadtteil gerechtfertigt haben. 1907 war Döhren eingemeindet worden, aus dem beschaulichen Dorf wurde zunehmend eine städtische Siedlung. Die dicht stehenden, hohen Mehrfamilienhäuser hätten bei einem Feuer verheerende Schäden nehmen können.