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Naturschutzgebiet: Wird das Angeln in der Leine verboten?

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11:00 02.09.2019
Bald nur noch eingeschränkt möglich? Bisher werden die Leineufer südlich der Wilkenburger Straße ganzjährig von Anglern genutzt. Quelle: Michael Zgoll
Hannover

An der Leine südlich von Hannover soll das Angeln künftig im ersten Quartal verboten sein, an mehreren Teichen in der Nachbarschaft sogar ganzjährig. Auch die Jagd soll zugunsten eines fast 1000 Hektar großen Naturschutzgebiets eingeschränkt werden. Bisher war nur der Protest etlicher Paddelclubs öffentlich geworden, die halbjährige Fahrverbote auf der Leine erdulden sollen. Jetzt machen auch die Angler mobil. Sie werfen der zuständigen Region „grobe fachliche Fehler“ beim Entwurf für das Naturschutzgebiets „Leineaue zwischen Hannover und Ruthe“ vor.

Anglerverband will Verbote „nicht hinnehmen“

Während die Kanuten in der vergangenen Woche bereits ein „konstruktives Gespräch“ mit den Umweltfachleuten der Region hatten, wie Regionssprecher Klaus Abelmann bestätigt, formiert sich jetzt bei den Anglern der Protest. „Wir werden das so nicht hinnehmen“, sagt Heinz Pyka vom Landes-Anglerverband, der die lokalen Vereine in Hannover, Laatzen und Sarstedt vertritt.

Was die Angler besonders ärgert: Sie werden zwar mit reihenweisen Verboten belegt, es findet sich aber nirgends im Verordnungstext zum Naturschutzgebiet ein Grund, warum. „Nachweislich fühlen sich Fischotter, und Biber, Eisvögel und Fledermäuse in den Bereichen sehr wohl, in denen Angler aktiv sind – denn ihre Population steigt genau dort ständig an“, sagt Pyka.

Heinz Pyka vom Landes-Anglerverband: „Die Vorgaben sind zum Teil viel schärfer, als die EU sie verlangt.“ Quelle: Tim Schaarschmidt

Region verschärft Naturschutz in 15 Gebieten

Die Region verschärft derzeit in 15 Schutzgebieten Regeln, weil die EU Deutschland sonst mit Strafverfahren belegt – die Bundesrepublik hinkt beim Naturschutz den Anforderungen der Europäischen Union weit hinterher. „Die Vorgaben sind aber zum Teil viel schärfer, als die EU sie verlangt“, sagt Pyka: „Wir hatten ein Gespräch mit einem zuständigen Beamten, der uns das bestätigt hat.“ Auf 19 Seiten nimmt der Anglerverband jetzt Stellung zum Entwurf für die Verordnung.

Region nimmt eigene Teiche vom strengen Schutz aus

Einer der Hauptkritikpunkte: Obwohl 25 Prozent des fast 1000 Hektar großen Naturschutzgebiets Wasserflächen sind, wird auf den Schutzbedarf von Fischen überhaupt nicht eingegangen. Die gefährdete Äsche etwa, die unter der starken Zunahme von Kormoranen leidet, taucht ebenso wenig auf wie die streng geschützten Neunaugen. Auch dass die Fischereivereine seit Jahren mühsam versuchen, Lachse und Meerforellen anzusiedeln, wird nicht erwähnt. Stattdessen liege die Priorität beim Schutzbedarf zahlreicher Vogelarten. Kurios: Für Gewässer in privatem oder städtischem Besitz wie Koldinger See, Laatzener Teich und teilweise Wülfeler Teiche will die Region ein ganzjähriges Angelverbot verhängen. An Teichen, die der Region selbst gehören, soll dagegen kein grundsätzliches Fischereiverbot gelten.

Geradezu rechtswidrig sei, dass auf 105 Hektar das Jagen auf Schwarzwild, Nutria, Bisam und Graugänse ausgerechnet zur Hauptjagdzeit verboten werden soll, um Vogelarten zu schützen, deren Schutzbedarf gar nicht hoch sei. Man habe „die Vermutung, dass das Jagdverbot durch den jagdkritischen Eigentümer eingefordert wurde und nicht aus tatsächlichen Beeinträchtigungen abzuleiten ist“, heißt es in der Stellungnahme.

Region weist Vorwürfe zurück

Regionssprecher Klaus Abelmann weist den Vorwurf, dass die Auflagen strenger seien als von der EU gefordert, zurück. Es gebe nun ein Anhörungsverfahren, in dem alle Argumente abgewägt würden – auch die der Paddler, Jäger und Angler.

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Von Conrad von Meding

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