Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Süd Rat stimmt für Ausbau der Wiehbergstraße
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Rat stimmt für Ausbau der Wiehbergstraße
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:25 16.02.2012
Von Michael Zgoll
Der Bezirksrat will den Zebrastreifen auf der Wiehbergstraße erhalten. Quelle: Zgoll
Anzeige
Döhren

In der jüngsten Sitzung des Bezirksrats Döhren-Wülfel stellte die Verwaltung ihre Pläne zur Grunderneuerung des nördlichen Abschnitts des Döhrener Straßenzugs vor. Doch die Politiker mochten den Ideen der Stadtplaner nicht in allen Punkten folgen. Besonders der mögliche Wegfall des Zebrastreifens an der Einmündung in die Brückstraße erregte die Gemüter.

Die Wiehbergstraße befindet sich schon seit Jahren in einem schlechten Zustand. Die Fahrbahn ist marode, Gehwege existieren nur in Teilbereichen, geparkt wird häufig illegal. Doch Ziel der Sanierung ist nicht nur eine Verschönerung des Straßenzugs, sondern auch eine Verkehrsberuhigung. Schon seit Jahren bemüht sich eine Bürgerinitiative um eine Verlangsamung und Reduzierung des Autoverkehrs, da die Wohnstraße gerne als Schleichweg Richtung Wülfel und Laatzen genutzt wird. Ein Verkehrsversuch im Jahre 2010, bei dem die Wiehbergstraße gen Süden für mehrere Monate gesperrt worden war, rief eine andere Bürgerinitiative auf den Plan: Anwohner der Abelmannstraße, die sich über verstärkten Autoverkehr vor ihren Haustüren beklagten.

Anzeige

Der nun vorgestellte Plan der Verwaltung soll das Problem aus der Welt schaffen – die Wiehbergstraße für Autofahrer auf Durchreise unattraktiv machen, ohne die Anlieger zu komplizierten Umwegen zu zwingen. Kai-Uwe Hauck aus dem Fachbereich Tiefbau präzisierte die Vorstellungen der Stadt.

  • Fahrbahn: Die Straße wird auf einer Breite von 6,50 Meter neu asphaltiert. Insbesondere im Einmündungsbereich zur Brückstraße wird die Fahrbahn deutlich schmaler. Die Ampel an der Kreuzung Neckarstraße / Am Lindenhofe bleibt erhalten.
  • Aufpflasterung: Damit Fußgänger sicher über die Straße kommen und Autos zum langsamen Fahren gezwungen werden, ist im Einmündungsbereich der Brückstraße eine 20 Meter lange und sechs Zentimeter hohe Plateau-Aufpflasterung (wie auf dem linken Foto) vorgesehen. Wie der Experte vom Fachbereich Tiefbau erläuterte, müsse die Aufpflasterung deswegen so lang sein, damit die Linienbusse der Üstra nicht auf dem Boden aufsetzen. Der Zebrastreifen in diesem Bereich müsse entfallen, da in Tempo-30-Zonen keine derartigen Überquerungshilfen erlaubt seien. Eine weitere Aufpflasterung – längs geteilt und wesentlich kürzer – ist in Höhe der AWO-Kita Wiehbergstraße kurz vor der Oderstraße geplant, eine dritte im schon fertiggestellten Teil der Wiehbergstraße zwischen Kastanienallee und Wiehbergpark. Diese kleineren Plateaus können von den breiteren Bussen ungehindert passiert werden, während Pkw abbremsen müssen.
  • Parkplätze: Auf der westlichen Fahrbahnseite – wo zwei Kindertagesstätten angesiedelt sind – wird es fast durchgängig einen zwei Meter breiten, gepflasterten Längsparkstreifen geben. Auf der östlichen Seite – wo ein Bunker, das Restaurant „Titus“ und die Metallbaufirma Bender zu finden sind –, möchte die Stadt zahlreiche Senkrechtparkplätze anlegen. Unmittelbar vor der Fabrik wird es keine Abstellflächen geben, um an- und abfahrende Lastwagen nicht zu behindern. Zwischen Oder- und Neckarstraße reicht der Platz nur für Längsparkplätze. Wie Kai-Uwe Hauck erläuterte, werde es gut 90 Parkplätze geben.
  • Fußwege: Der westlich gelegene Bürgersteig wird durchschnittlich 1,50 Meter breit sein, der gegenüberliegende zwei Meter. Im Einmündungsbereich zur Brückstraße dehnen sich die Gehwege, die mit Betonplatten gepflastert werden, bis zu sechs Meter Breite aus.
  • Bäume: Da es auf dem nördlichen Abschnitt der Wiehbergstraße zahlreiche Grundstückseinfahrten und viele im Untergrund verlegte Leitungen gibt, kann die Stadt nur relativ wenig Grün nachpflanzen. Derzeit ist von 14 Bäumen die Rede.
  • Kosten: Die Stadt hat für den Umbau 794 000 Euro veranschlagt, hinzu kommen noch einmal 66 000 Euro für Leitungsarbeiten der Stadtentwässerung. Da die Wiehbergstraße in die Kategorie „innerörtlicher Verkehr“ fällt, wird die auf die Anlieger entfallenden Kostenbeteiligung im Rahmen der Straßenausbaubeitragssatzung relativ hoch ausfallen; konkrete Summen konnte Hauck noch nicht nennen.
  • Nördliche Einmündung: Noch nicht beendet hat die Stadt die Planungen für den Kreuzungsbereich von Brück-, Landwehr-, Abelmann- und Wiehbergstraße. Allerdings präsentierte Hauck erste Skizzen, da die Stadt ja wissen müsse, wie die Anbindung der Wiehberg- an die Brückstraße verlaufen solle. Demnach wird die S-förmig geführte Fahrbahn von der Abelmannstraße zur Brückstraße wesentlich schmaler sein als bisher, außerdem sollen die Parkplätze im Kurvenbereich wegfallen. Auf der Landwehrstraße, kurz vor der Einmündung in die Abelmannstraße, haben die Planer eine weitere Plateau-Aufpflasterung vorgesehen. Baubeginn für den Kreuzungsumbau wird laut Hauck nicht vor 2013 sein.

Der Bezirksrat begrüßte die Pläne und votierte ohne Gegenstimme dafür, hatte im Detail allerdings einiges auszusetzen. So monierte Klaus Geburek von der CDU, dass der Zebrastreifen an der Einmündung Wiehbergstraße wegfallen soll. Diesen Überweg würden viele Kinder der nahen Kita Brückstraße sowie der Glockseeschule nutzen, deshalb müsse die Querungshilfe trotz geplanter Verengung und Aufpflasterung bestehen bleiben. Jens Schade (SPD) wies darauf hin, dass der Gesetzgeber kein striktes Verbot zum Einrichten von Zebrastreifen in Tempo-30-Zonen erlassen habe, sondern dass solche Markierungen in Ausnahmefällen durchaus statthaft seien. Auf Anfrage des Stadt-Anzeigers hieß es Anfang dieser Woche von Seiten der Verwaltung, dass der Wunsch der Politiker derzeit ernsthaft geprüft werde.

Etliche Bezirksratspolitiker schien die angedachte Streckenführung im S-Kurven-Bereich zwischen Abelmann- und Brückstraße allzu sehr zum Schnellfahren einzuladen. „Wir wollen nicht, dass es in der Wiehbergstraße immer ruhiger und in der Abelmannstraße immer rasanter wird“, meinte etwas Grünen-Politiker Björn Johnsen. CDU-Bezirksratsherr Dirk Hämke gab zu Protokoll, dass der Wegfall von geschätzt 20 Parkplätzen im Kurvenbereich nicht zu tolerieren sei. Zu diesem Thema hatte ein Anlieger in der Einwohnerstraße zudem darauf hingewiesen, dass es hier eh zu wenige Stellplätze gebe, da ein in der Abelmannstraße angesiedelter Pizzabringdienst übermäßig viel Parkraum beanspruche.

Tiefbauamts-Experte Hauck versuchte die Sorgen, dass die Abelmannstraße über Gebühr belastet werde, zu entkräften. Zählungen vor und nach dem Verkehrsversuch aus 2010 hätten ergeben, dass sich die Zahl der Fahrzeuge in dieser Wohnstraße seither um mehr als zehn Prozent verringert habe. Ob Autofahrer aus der Innenstadt schon frühzeitig am Altenbekener Damm oder an der Willmerstraße Richtung Hildesheimer Straße abbiegen würden, könne die Verwaltung aber nicht sagen.

Christian Link 16.02.2012
16.02.2012