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Süd Rübezahlplatz findet wenig Anklang
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Rübezahlplatz findet wenig Anklang
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13:24 06.11.2009
Abgesehen von ein paar Trinkern, die die Bänke am Brunnen nutzen, ist auf dem Rübezahlplatz häufig kein Mensch zu sehen.
Abgesehen von ein paar Trinkern, die die Bänke am Brunnen nutzen, ist auf dem Rübezahlplatz häufig kein Mensch zu sehen. Quelle: Striewe
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Entspannt schlendern Menschen von einem Stand zum nächsten, Mütter schieben Kinderwagen vor sich her, hier und da stehen ein paar Mittelfelder zusammen und plaudern – zumindest mittwochs, dem Wochenmarkttag, ist der Rübezahlplatz einen Vormittag lang belebt. Den Rest der Woche über ist das umgebaute Zentrum des Stadtteils allerdings nur mäßig frequentiert. Der gewünschte Effekt der Umgestaltungsmaßnahmen im Rahmen des Programms „Soziale Stadt“ brachten bisher nicht den gewünschten Effekt: Lampen, die seit Ende letzten Jahres den Rübezahlbrunnen und den Glockenturm zur Abendzeit in hellem Licht erstrahlen lassen, neue Bänke, Spielgeräte und Pflanzkübel änderten nicht viel an der Atmosphäre. „Es sieht zwar besser aus, aber unsere Kunden nehmen das nicht so wahr. Die Bänke werden nicht von ihnen, sondern von Trinkern genutzt. Die sitzen jeden Mittwoch ab sechs Uhr morgens hier. Manchmal gehen da auch Pöbeleien los. Das ist nicht so schön“, meint Silke Schulz, die beim Wochenmarkt einen Fleischerei-Stand betreibt.

Besonders umstritten ist bei Anwohnern und Geschäftsleuten eine Toilettenanlage, die während des Umbaus aufgestellt wurde. „Die ist überhaupt nicht nötig. Außerdem gehen die Leute, die am Wochenende abends auf dem Platz sitzen und trinken, nicht dorthin, sondern wollen bei mir auf die Toilette“, klagt Dorota Seifert vom Bistro Rübezahl. Vor allem ärgern sie die Flaschen und der Müll, den die Gruppe hinterlässt. Eine ähnliche Meinung vertritt Teresa Echtermeier. „Der Platz ist schöner geworden, aber für wen?“, fragt die Anwohnerin. „Auf den Bänke hocken nur Menschen, die Bier trinken und rauchen. Ich möchte mich nicht dahin setzen.“

Renate Büring, die seit sechs Jahren ein Schreibwarengeschäft direkt am Rübezahlplatz besitzt, kann nachvollziehen, dass sich einige Senioren nicht zu den Bänken trauen. Sie selbst fühlt sich von den Trinkern allerdings nicht gestört. „Die sind sehr friedlich“ sagt die 59-Jährige. Die Umgestaltung habe allerdings keine große Veränderung bewirkt, meint die Geschäftsfrau. „Viele ältere Kunden erzählen mir, wie es hier früher aussah. Damals gab es ein Milch- und Käsegeschäft, einen Porzellanwarenladen und noch einige andere Betriebe. Das ist alles nicht mehr da, und zu den nächsten Supermärkten ist es für Senioren ein ganz schön weiter Weg“, meint Renate Büring.

Bei aller Kritik und den Bedenken gibt es aber auch positive Stimmen zur Neugestaltung. „Der Platz ist schon attraktiver geworden. Wasser, Blumen, Toiletten, Sitzgelegenheiten, Spielgeräte – es ist alles da, was man braucht. Nur die Häuserfronten sind nicht schön anzuschauen“, sagt Michaela Gröbke, die in der Kinderkrippe der Gnadenkirche zum Heiligen Kreuz arbeitet. An einer Sanierung der Hausfassaden am Rübezahlplatz ist auch Wolfgang Prauser, der Stadtbezirksmanager für Döhren-Wülfel, interessiert. In Gesprächen mit der Interessengemeinschaft gewerbe- und dienstleistungsfördernder Mittelfelder (Gemit) sei der Beschluss gefasst worden, den Hauseigentümern ein Angebot zu unterbreiten: Sie können bei der Stadt einen Zuschuss für eine Fassadenrenovierung beantragen, der aus dem Quartiersfonds bezahlt wird.

Die Offerte ist nur eine von mehreren Maßnahmen zur Belebung des Mittelfelder Wochenmarktes. Eine Drucksache der Stadt, die ein Konzept zur Stärkung der Wochenmärkte vorstellte, löste die Überlegungen dazu aus. „Hannovers Märkte wurden darin in drei Kategorien eingeteilt. Mittelfeld gehört zu den Sorgenkindern, den „Märkten mit hohem Entwicklungspotential“, erklärt Prauser. Als ersten Anschub hat der Verein Gemit bereits einen Bustransfer für Senioren eingerichtet, die den Marktplatz alleine nur schwer erreichen. Außerdem stellen sich beim Markt Gewerbetreibende aus dem Stadtteil in einem Zelt vor. Daneben führte Prauser Gespräche mit weiteren Institutionen in Mittelfeld. Die Kulturinitiative Döhren-Wülfel-Mittelfeld und die Stadtbibliothek Mittelfeld wollen zum Beispiel ein Bilderbuchkino anbieten; das Familienzentrum ein Elterncafé und einen Kinderartikel-Flohmarkt. Außerdem soll der Bücherbus den Rübezahlplatz künftig mittwochs wieder von 12 bis 16 Uhr statt von 14 bis 16 Uhr anfahren.

von Sirany Schümann