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Süd Schon nach kurzer Zeit gekündigt
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Schon nach kurzer Zeit gekündigt
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13:35 30.04.2010
Krabbelgruppe „Krabbelfinger“
Mutter Susan Domanetzki sowie Silvia Storch und Katja Herrmann-Lenz (v. l.) starten an der Landwehrstraße zu einem Ausflug mit Anhang. Quelle: Schmidt
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Kaum haben sich die 14 Kinder der Krabbelgruppe „Krabbelfinger“ in ihrem Döhrener Domizil eingelebt, stehen die Zeichen schon wieder auf Aufbruch. Erst vor anderthalb Jahren war die Krabbelgruppe in die Räume Landwehrstraße Ecke Bernwardstraße eingezogen. Nach mehreren Streitigkeiten mit dem Vermieter kam nun mit der Post die Kündigung zum 30. September. „Das bedeutet für uns, dass wir praktisch schon zum 1. August etwas Neues gefunden haben müssen“, erklärt Krabbelfinger-Gründerin Katja Herrmann-Lenz. Einige Kinder wechseln Anfang August in den Kindergarten, und dann sei es für die Neuen nicht gut, wenn sie sich erst in den alten Räumen eingewöhnen und dann umziehen müssten. Zusammen mit der Tagespflegegruppe Krabbelwürmchen, die hier Untermieter ist, seien die Kinder von 18 Familien betroffen.

Vermieter Detlev Lohse möchte das Mietverhältnis beenden, weil sich die Krabbelgruppe nicht an die vereinbarten Vertragsbedingungen gehalten habe. „Sie haben die Miete gemindert, obwohl sie vor Mietbeginn um die Mängel der Räume wussten“, erklärt Lohse. Nach verschiedenen Bauarbeiten hätte ihm die Gruppe unter anderem einen Staubsauger in Rechnung gestellt. „Das kam mir komisch vor“, sagt Lohse. Außerdem hätten sich andere Mieter wiederholt über zu viel Lärm beschwert. „Die sind schon ganz schön laut“, urteilt Jennifer Klinger, die mit ihrer Familie über den Räumen der Krabbelgruppe wohnt. Sie habe sich aber nicht beschwert, da sie ohnehin ausziehen wolle.

„Kinder machen eben Lärm“, sagt Herrmann-Lenz, die die Gruppe zusammen mit Silvia Storch leitet. „Wir wollten gern alle Mieter an einen Tisch bringen und hierbleiben. Aber dieser Streit würde uns ewig begleiten“, ergänzt sie. Mit dem Vermieter habe es schon lange Auseinandersetzungen gegeben. Aufgrund einer nicht regelbaren Heizung und morschen Fenstern hätte die Gruppe nach dem ersten Winter 2500 Euro für die Gasrechnung nachzahlen müssen.

Daraufhin hatte Detlev Lohse erst neue Heizkörper und vor kurzem auch neue Fenster einbauen lassen. Als die Erzieherinnen nach Beendigung der Fensterarbeiten wieder in ihre Räume kamen, habe sie der Schlag getroffen. „Wir standen hier und haben nur noch geheult, alles war voller Staub und Dreck. Die Handwerker hatten ohne Abdeckungen gearbeitet“, erzählt Herrmann-Lenz. Daraufhin habe sie eine Reinigungsfirma kommen lassen, alle Betten reinigen lassen und die Kosten dem Vermieter in Rechnung gestellt. Der forderte die Mieter auf, die Angelegenheit direkt mit der Fensterfirma zu regeln. „Wir haben die Arbeiten aber nicht in Auftrag gegeben“, sagt Silvia Storch.

Eltern und Erzieher der Krabbelfinger haben sich bereits auf die Suche nach neuen Räumen gemacht. „Aus organisatorischen Gründen müssen wir in Döhren bleiben“, sagt Storch. Auch bei Bezirksbürgermeisterin Christine Ranke-Heck habe man schon um Hilfe gebeten. Die Krabbelfinger benötigen 80 bis 100 Quadratmeter im Erdgeschoss, möglichst mit Außengelände und einem zweiten Ausgang. Ein Spielplatz sollte in der Nähe sein. Besonders ärgerlich ist für die Krabbelfinger, dass sie die 14 000 Euro Investitionskosten für Umbauten nicht noch einmal beanspruchen können. Vor dem Einzug in die Landwehrstraße hatte die Gruppe eine Nutzungsänderung beantragen müssen und beispielsweise Kindertoiletten einbauen lassen. Wer entsprechende Räume zur Verfügung hat, kann sich unter Telefon 0179-2 11 00 95 oder 0151-1 073 19 45 mit den Erzieherinnen in Verbindung setzen.

Karin Vera Schmidt

Michael Zgoll 30.04.2010
29.04.2010