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Süd Schüler erinnern an Schicksal der „toten Kinder von Godshorn“
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Schüler erinnern an Schicksal der „toten Kinder von Godshorn“
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16:45 14.05.2009
Kyana hängt auf dem Seelhorster Friedhof neue Namensbäder an die Erinnerungsstätte.
Kyana hängt auf dem Seelhorster Friedhof neue Namensbäder an die Erinnerungsstätte. Quelle: Dario Sarmadi
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Die Säuglinge blieben allein zurück – unter menschenunwürdigen Bedingungen, ohne Nahrung oder einen Arzt. Innerhalb weniger Tage starben die vernachlässigten Säuglinge, insgesamt mindestens 300. „Das Schicksal hat mich sehr berührt. Kaum zu glauben, dass das wirklich einmal passiert sein soll“, sagt Lisa.

Die 17-Jährige ist eine der rund zwanzig Zehntklässler aus der Dietrich-Bonhoeffer-Realschule in Döhren, die im Rahmen der Projektwoche rund um das Thema „Soziales Engagement“ an das Schicksal der sogenannten toten Kinder von Godshorn erinnert haben. Dafür bekamen die Jugendlichen eine Führung über den Seelhorster Friedhof und lasen historische Texte über die Gräueltaten im Zweiten Weltkrieg, besonders über die im Raum Hannover.

Abschließend bastelten die Schüler Bänder, auf denen sie jeden der Namen der Säuglinge schrieben. „Besonders schrecklich ist, dass auf der Liste der toten Kinder in vielen Fällen kein Name steht. Vermutlich haben sie nie einen bekommen“, meint die 16-jährige Kyana. „Unbekanntes Kind“ steht daher auf etwa 40 Bändern.

Vor zwei Jahren wurde ein Holzgestell als Erinnerungsstätte auf dem Seelhorster Friedhof für die in Godshorn gestorbenen Säuglinge aufgestellt. Schon damals wurden bunte Namensbänder angehängt. „Allerdings haben die Witterungsverhältnisse die Bänder unansehnlich gemacht“, erläutert Cordula Wächtler, Leiterin der städtischen Friedhofsabteilung. Deshalb habe sie gemeinsam mit der Klassenlehrerin der Döhrener Realschule, Marianne Schippke-Noga, Projektarbeiten organisiert, die letztlich das Ziel haben sollten, die Gedenkstätte zu erneuern. „Die Schüler haben genug vom trockenen Frontalunterricht über das Dritte Reich. Das hier ist lebendiger, es ist Geschichte vor Ort“, meint Schippke-Noga.

Für die Zehntklässler ist das Aufhängen der Bändchen der Abschluss ihres Projekts. Für Schippke-Noga geht es aber weiter. Gemeinsam mit einer neunten Klasse will sie im kommenden Schuljahr die Namen der toten Kinder auf Grabsteinen verewigen. Dafür hat sie bereits einen Steinmetz aufgesucht, der selbst einmal Schüler der Dietrich-Bonhoeffer-Schule war. Unter der Anleitung von Jan Leichsenring sollen die Jugendlichen sowohl zur handwerklichen Betätigung als auch zur Auseinandersetzung mit der Vergangenheit des Zweiten Weltkriegs ermutigt werden.

von Dario Sarmadi

Jutta Oerding 14.05.2009
Gunnar Menkens 12.05.2009