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Süd Schule soll neuen Namen bekommen
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Schule soll neuen Namen bekommen
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17:36 27.08.2009
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„Es gibt christliche Leitfiguren, die den Kindern eine größere Identifikationsmöglichkeit geben könnten“, begründet Schulleiter Ulrich Zimmer die Pläne. Kardinal Bertram sage den Kindern überhaupt nichts.

In einem Rundschreiben vom 8. Juni forderte die Schule die Eltern, Kinder und Lehrer auf, neue Vorschläge einzubringen – oder sich für den alten Namen auszusprechen. Am Ende des Jubiläumsjahres 2009/10 zum 100. Geburtstag der Schule soll der neue Name verkünden werden. Doch die Aktion stößt nicht nur auf Zustimmung. Gotthard Rieger, Mitglied im Schulelternrat, hält eine Namensänderung für überflüssig. Die Kinder wüssten nichts über den Kardinal, weil dieser im Unterricht nicht vorkomme. Bertram habe sich für die Bekenntnisschulen in Deutschland eingesetzt. Dies sei ein Grund, an dem Namen festzuhalten, sagt Rieger. Er vermisst in der Diskussion den zweiten von der Schule angeführten Grund für die Namensänderung, der jetzt nicht mehr erwähnt werde: das Verhalten des Kardinals während des Dritten Reiches.

Historiker beurteilen Bertram unterschiedlich. Die Kritiker werfen ihm vor, gegen die Gräueltaten der Nationalsozialisten nicht klar genug Position bezogen zu haben. Der 1859 in Hildesheim geborene Adolf Bertram wurde 1906 zum Bischof von Hildesheim gewählt und leitete später die Fuldaer Bischofskonferenz. Alle Menschen mit herausragenden Positionen im Dritten Reich hätten es schwer gehabt, erklärt Hans-Georg Aschoff, der den Lehrstuhl für Geschichte und Kirchengeschichte der Leibniz Universität innehat. „Bertram ist kein Nationalsozialist gewesen“, sagt der Professor. Aschoff hat sich kritisch mit dem Wirken des Kardinals auseinandergesetzt. Bertram habe versucht, die wichtigsten Aufgaben wie Sakramentenspendung und die Pfarrseelsorge aufrechtzuerhalten. Um diese Ziele zu erreichen, vermied er den totalen Bruch mit dem Regime und scheute davor zurück, die Menschenrechte öffentlich zu verteidigen, erläutert der Historiker.

An der Schule gibt es zu dem Thema noch Diskussionsbedarf. Viele Eltern könnten nicht verstehen, warum die Schule umbenannt werden soll, erklärt Andreas Fuhrmann, der Klassenkonferenzvertreter einer zweiten Klasse ist. „Jahrelang hat sich niemand an dem Namen gestört und jetzt auf einmal ist er nicht mehr gut genug.“ Das sehen auch sechs andere Eltern so, die ihren Namen allerdings nicht nennen möchten. Außerdem sei es noch zu früh, die Schüler einzubeziehen, meint Rieger, der dieselbe Meinung wie Fuhrmann vertritt. „Die Kinder werden als Mittel zum Zweck benutzt“, ärgert sich Rieger.

Dies sieht der Schulleiter anders. Die Kinder sollten mit in den Namensfindungsprozess eingebunden werden, betont Zimmer. Schließlich sei es ihre Schule. „Es gibt allerdings noch nicht einmal eine Namensfindungskommission.“ Schulelternrat und Klassenelternschaft müssen laut Niedersächischem Schulgesetz angehört werden. In der Kommission würden auf jeden Fall Eltern mitarbeiten, versichert der Schulleiter. Wenn die Schulgremien sich einig sind, können sie bei der Stadt als Schulträger eine Namensumbenennung beantragen. „Das Schulamt überprüft dann, ob der vorgeschlagene Name zu Irritationen führen kann“, sagt Petra Martinsen, Leiterin des Fachbereiches Schule. Die endgültige Entscheidung liegt bei den Ratsmitgliedern.

von Sarah Pancur

27.08.2009
27.08.2009