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Süd Schulhof braucht keine Ferien
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Schulhof braucht keine Ferien
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17:30 20.06.2012
Von Michael Zgoll
Der Hof der Grundschule Loccumer Straße bietet tolle Spielmöglichkeiten. Quelle: Michael Zgoll
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Wülfel

Politiker verschiedener Parteien haben in der jüngsten Sitzung des Bezirksrats Döhren-Wülfel gefordert, den Hof der Grundschule in Wülfel während der Sommerferien zu öffnen. Der Schulhof sei im Laufe der vergangenen zehn Jahre in mehreren Bauabschnitten verschönert worden, stellte die SPD in einer Anfrage fest; auch der Bezirksrat habe im Rahmen des Sonderprogramms zur ökologischen Aufwertung von Schulhöfen etliche Tausend Euro aus seinem Etat für eine Umgestaltung und die Anschaffung neuer Spielgeräte beigesteuert.

Nun sei die Frage, ob man den Kindern aus der Umgebung die Nutzung des Geländes in den Ferien - zwölf Wochen pro Jahr - ermöglichen könne. In diesen Tagen hätten sie schließlich besonders viel Freizeit. Die Verwaltung verwies darauf, dass die Stadt kein Personal abstellen könne, um offene Pausenhöfe in den Schulferien zu beaufsichtigen. In einer lebhaften Debatte brachten Politiker schließlich auch private Betreuungsmöglichkeiten ins Spiel.

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Während der Schulzeiten, erläuterte Bezirksrats-Betreuerin Gabriele Mewes, werde die Verkehrssicherheit des Pausenhofs - etwa mit Blick auf Glasscherben und Müll - durch einen morgendlichen Rundgang des Hausmeisters oder des Betreuungspersonals gewährleistet. Da Hausmeister von Schulen ihren Urlaub in den Ferien nehmen müssten, könne die „Ausübung der Verkehrssicherungspflicht“ in diesen Wochen nicht gewährleistet werden. Auch eine Betreuung über Vertretungspersonal, so Mewes, sei nicht möglich. Natürlich habe kein Hausmeister zwölf Wochen Urlaub im Jahr, allerdings müssten sie sich in den Schulferien häufig gegenseitig vertreten. Theoretisch könnten außenstehende Personen eine Schulhof-Betreuung in den Ferien übernehmen, die Stadt könne diese allerdings nicht bezahlen.

In den „Benutzungsbedingungen für Schuleinrichtungen“ der Stadt ist nachzulesen, dass die Anmietung eines Pausenhofs für längere Zeiträume ein teurer Spaß wäre - wenn die Verwaltung denn diese Tarife zugrunde legen würde. Demnach kostet die Anmietung eines Schulhofs für Veranstaltungen, für die kein Entgelt erhoben wird, pro Stunde 13 Euro (werktags) und 19 Euro (am Wochenende). „Begünstigte Benutzer“ wie Kitas, Chöre oder Tanzgruppen, die „im Interesse der Stadt tätig sind“, sowie Sportvereine zahlen einen deutlich geringeren Stundensatz: 2,50 Euro werktags und vier Euro an Wochenenden. Doch bei einer wochenlangen Feriennutzung, so Meinungsäußerungen aus dem Bezirksrat, kämen Summen zusammen, die für private Nutzer inakzeptabel seien - abgesehen davon, dass in den Benutzungsbedingungen der Passus zu finden ist, dass während der Ferien grundsätzlich keine Vermietung erfolgt.

„Ich kenne Anwohner aus der Matthäikirchstraße, die das Tor zum Pausenhof in den Ferien auf- und zuschließen würden“, brachte CDU-Bezirksratsherr Klaus Geburek eine neue Art von Nachbarschaftshilfe ins Spiel. Auch Sascha Glade von der SPD sagte, ihm sei eine Privatperson bekannt, die ihre Hilfe angeboten habe. Zu prüfen sei außerdem, ob ein Verein Betreuungsaufgaben übernehmen könne. Sympathie für eine Patenschaft von Schulelternrat oder Förderverein ließ die CDU-Fraktionschefin Gabriele Jakob erkennen.

Ein Haftungsproblem - gerne als Ausschluss-Argument ins Feld geführt - mochten die Politiker nicht erkennen. Es gehe schließlich nicht darum, eine ständige Aufsicht zu gewährleisten, dies sei auf Spielplätzen oder im Straßenraum schließlich auch nicht gegeben. „Aber warum können die Leute vom Grünflächenamt, die regelmäßig die Spielplätze kontrollieren, während der Schulferien nicht auch einen Blick auf einen Pausenhof werfen?“, lautete die - eher rhetorisch gemeinte - Frage des SPD-Bezirksratsherrn Jens Schade. Stadtbezirksmanager Wolfgang Prauser lobte die Vorschläge der Politiker zum „bürgerschaftlichen Engagement“ von Nachbarn oder Vereinen und versprach, sich gemeinsam mit der Fachabteilung um Lösungsmöglichkeiten zu kümmern.