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Süd Spielgeräte lassen Jahre auf sich warten
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Spielgeräte lassen Jahre auf sich warten
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14:24 23.04.2010
Von Michael Zgoll
Kita „Ratz & Rübe“ in Wülfel
Zwischen dem Speisesaal des Seniorenzentrums und der Wasserspielanlage soll die „Piratenburg“ gebaut werden – wenn sie bezahlbar ist. Quelle: Zgoll
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Ein Spielgelände, das die Abenteuerlust von Kindern befriedigen kann, ist das Außengelände der Kindertagesstätte „Ratz & Rübe“ des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) an der Loccumer Straße wahrhaftig nicht. Ein paar ältliche Holzhäuschen stehen auf dem kahlen Areal vor dem Wülfeler Seniorenzentrum Katharinenhof, ein kleines Klettergerüst und zwei Schaukeln sind zu sehen, ein Sandkasten, eine nur saisonal zu nutzende Wasserspielanlage sowie ein Autoreifen und ein paar Holzbalken – nicht gerade ein üppiges Angebot für 70 unternehmungslustige Kinder. Seit Jahren setzen sich Kita-Leitung und Eltern dafür ein, dass die Ausstattung modernisiert wird, doch in einem Wirrwarr von Zuständigkeiten zwischen Vermieter, Stadt und DRK sind bislang alle Bemühungen vergeblich gewesen – bis vor wenigen Tagen.

In der März-Sitzung des Bezirksrats Döhren-Wülfel hatten die Politiker auf Grundlage eines Antrags von SPD und Grünen noch einmal einmütig an die Verwaltung appelliert, sich für die Instandsetzung des „maroden Außengeländes“ einzusetzen. In der Vorwoche nun hat sich der Vermieter bewegt – anlässlich eines Besuchs im Katharinenhof übergab ein Mitarbeiter der bundesweit agierenden Pflegeheim-Kette „Casa Reha“ der Kita einen Scheck in Höhe von 5000 Euro als Modernisierungs-Zuschuss.

Das in Hessen beheimatete Unternehmen „Casa Reha“ ist – nach einem Eigentümerwechsel – seit 2007 im Besitz der Wülfeler Immobilie an der Loccumer Straße. Die Stadt ist Mieter, das Rote Kreuz Betreiber der 1994 eröffneten Einrichtung. Schon Ende der neunziger Jahre mussten, so die Erinnerung von Kita-Leiterin Eva-Maria Hartmann, die ersten Spielgeräte aufgrund von altersbedingten Schäden abgebaut werden. Der „Fühlpfad“ beispielsweise ist Geschichte, das große Klettergerüst mit Rutsche verschwand vor drei Jahren. Doch der Vertrag zwischen den drei beteiligten Institutionen – auf Vermieterseite in den Neunzigern noch ein anderes Unternehmen – ist laut Hartmann so „puddingartig“ formuliert, dass es seither keinen adäquaten Ersatz gab. „Es hat schon Eltern gegeben, die ihr Kind ausdrücklich wegen des schlechten Zustands des Außengeländes nicht bei uns angemeldet haben“, klagt die Kita-Chefin. Auch würden die Mädchen und Jungen der drei bestehenden Kindergarten- und Hortgruppen immer häufiger ins Gebäude streben, weil es ihnen draußen schlicht zu langweilig sei.

Ende 2007 unternahm „Ratz & Rübe“ einen erneuten Anlauf, sein Areal naturnah und attraktiver zu gestalten. Ein frisch gegründeter Förderverein begann, Spendenläufe, Feste und Basare zu organisieren; bis heute hat er gut 3800 Euro zusammengetragen. Die Lotto-Stiftung sagte einen Zuschuss von 5000 Euro zu, der Bezirksrat stellte kurz darauf einen Beihilfe von 4000 Euro in Aussicht. Die ersten Ideen zur Beendigung der „leidvollen Geschichte“ seien von einem finanziellen Bedarf von 38 000 Euro ausgegangen, berichtet der Fördervereins-Vorsitzende Mark Bindert. Doch daraus sei wegen des Eigentümerwechsels auf Vermieterseite nichts geworden, auch habe das Rote Kreuz nach einem Geschäftsführerwechsel eine Zusage über einen Zuschuss in vierstelliger Höhe wieder zurückgezogen.

2009 skizzierte der städtische Fachbereich Umwelt und Stadtgrün eigene Pläne für eine Modernisierung; für ein großes Klettergerüst mit dem verheißungsvollen Namen „Piratenburg“, für das Aufstellen von fünf bis sechs Bänken und die Pflanzung neuer Sträuche veranschlagte die Stadt 22 000 Euro. Doch wieder passierte nichts.

Die Verwaltung verhandelt nach Auskunft von Pressesprecher Dennis Dix seit 2005 mit den anderen Beteiligten über die Sanierung des Außengeländes: „Dass hier Handlungsbedarf besteht, ist unbestritten.“ Ergebnisse hätten die „intensiven Gespräche“ noch nicht erbracht, doch sollten sie bald fortgesetzt werden. Aktuell freue sich die Stadt über das Engagement des Vermieters – doch selbst finanziell etwas beizusteuern, sei der Kommune aufgrund der angespannten Haushaltslage nicht möglich.

Auf Anfrage des Stadt-Anzeigers erklärte Casa-Reha-Unternehmenssprecher Ralf Crenzin, dass es nie eine offizielle Anfrage in Hinblick auf eine Modernisierung des Spielplatzes gegeben habe; generell gestalte sich die Zusammenarbeit mit der Kita aber „sehr positiv“. Zwar sei der Pflegeheim-Konzern vertraglich verpflichtet, „bei Beschädigung und Unbrauchbarkeit“ von Objekten für Ersatz zu sorgen, aber dazu läge dem Unternehmen nichts Schriftliches vor. Nun aber werde man „über die zugesicherten vertraglichen Verpflichtungen hinaus“ tätig und wolle sich mit einer Summe von 5000 Euro an der vom Kindergarten initiierten Neugestaltung des Spielplatzes beteiligen.

Kita-Leiterin Eva-Maria Hartmann ist „hocherfreut“ über den Zuschuss des Vermieters. Wenn die Stadt sich jetzt auch bewege, könne es ja vielleicht bald losgehen mit der Modernisierung. Der Fördervereins-Vorsitzende Mark Bindert hofft, dass die Umgestaltung des Spielgeländes möglichst noch in diesem Sommer beginnen kann. Dazu müssten dann aber frühere Spenden-Zusagen – etwa von der Lotto-Stiftung – erneuert werden. Und auch der Förderverein will nach Auskunft von Bindert ein zusätzliches Scherflein beisteuern: „Wir planen in wenigen Wochen einen neuen Sponsorenlauf mit den Kindern.“