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Süd Stadt Hannover soll abgeholzte Bäume ersetzen
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Stadt Hannover soll abgeholzte Bäume ersetzen
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21:38 06.03.2010
Von Jutta Oerding
Quelle: Archivbild
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Schon vor einem Jahr hatte der Fachbereich Umwelt und Stadtgrün den Randstreifen an der Hildesheimer Straße vorsorglich abholzen lassen, obwohl eine Baugenehmigung für die Güntherstraße 1 nicht einmal in Sicht war. Die Anlieger erwarten, dass die Stadt ihren Fehler, so gut es geht, korrigiert und im Frühjahr neue Bäume pflanzt. Im Rathaus herrscht jedoch keine Eile.

Anlieger hatten Unterschriften gegen den fünfgeschossigen Neubau gesammelt und darauf verwiesen, dass ein solcher Klotz nicht in das geschützte Ensemble ihrer Straße passe. Außerdem verstoße das geplante Bürohaus gegen Baurechtsvorschriften. Während der Arbeitgeberverband versichert, er sei den Anliegern mit einer überarbeiteten Planung entgegengekommen, fühlten sich diese überrannt – vor allem die vier Wohnungseigentümer im Nachbarhaus. Deren Einverständnis habe der Verband für ein Taschengeld kaufen wollen, obwohl sich der Neubau wertmindernd ausgewirkt hätte. Einer der Betroffenen bestätigt: „Bei einem Angebot von 10.000 Euro wäre nach Abzug von Anwaltskosten und Steuern jedem von uns ein Tausender geblieben.“

Dass die Denkmalschützer nicht gegen die Planungen des Arbeitgeberverbandes eingeschritten sind, erscheint vielen Anliegern rätselhaft. „Wenn wir nur eine Kleinigkeit an unseren Häusern verändern wollen, wird uns gleich eine Strafe angedroht“, sagt Rüdiger Schwieger. „Jeder Anstrich muss genehmigt werden.“ Auch das unnötige Abholzen der acht gesunden Bäume nehmen die Waldhausener der Stadt übel. Von Aufforsten ist im Rathaus jedoch zurzeit keine Rede. „Eine neue Gestaltung des Grünstreifens kann leider erst geplant werden, wenn feststeht, was mit dem betreffenden Grundstück geschieht“, teilte Stadtsprecher Dennis Dix mit. Der Anblick werde sich jedoch mit dem Nachwachsen der zurückgestutzten Sträucher verbessern, meint Dix.

Dies tröstet die Anlieger wenig. Die 75-jährige Vera Müller, die schon als kleines Kind in die Güntherstraße gezogen war, erinnert sich an ihre marode Zuckerakazie. Die Stadt Hannover habe ihr untersagt, den Baum zu fällen. Schließlich sei er dann umgeweht, berichtet sie: „Da wird doch mit zweierlei Maß gemessen.“ Michael Hoffmann hat das „eiskalte“ Fällen der Bäume auf dem Grünstreifen als Affront empfunden. Die Büsche und Bäume hätten das Domizil des Chemie-Arbeitgeberverbands – nicht gerade ein Schmuckstück – wenigstens noch ein bisschen kaschiert. Was jetzt aus dem Eckhaus an der Hildesheimer Straße wird, ist ungewiss. Dem Verband ist es auf jeden Fall zu klein – er will es verkaufen und sucht neue Räume.

Conrad von Meding 06.03.2010
Michael Zgoll 06.03.2010