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Süd Stadt will Parkplätze kappen
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Stadt will Parkplätze kappen
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12:27 22.07.2010
Vereinzelt stehen Autos in der Bölschestraße halbhoch oder vollständig auf dem Grünstreifen zwischen den Bäumen.
Vereinzelt stehen Autos in der Bölschestraße halbhoch oder vollständig auf dem Grünstreifen zwischen den Bäumen. Quelle: Schwarzenberger
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In der Bölschestraße im Stadtteil Bult soll nur noch einseitig geparkt werden. Die Stadt arbeitet derzeit an einem entsprechenden Umgestaltungskonzept. Sie reagiert damit auf Beschwerden einzelner Anwohner, denen das Abstellen von Fahrzeugen auf dem Grünstreifen am Straßenrand gegen den Strich geht. „Das Parken auf dem Seitenstreifen schadet auf Dauer den Wurzeln der Bäume“, begründet Stadtsprecher Dennis Dix. Eine Allee aus Schwedischen Mehlbeeren überschattet die vom Bischofsholer Damm abzweigende Straße. Dabei hätten Anlieger hier seit vielen Jahren ihre Autos „mit einem Bein“ zwischen den Bäumen geparkt, ohne dass diese Schäden davongetragen hätten, meint Anwohner Jasper Mauersberg. So wie er halten auch andere Nachbarn das Vorhaben der Stadt für unnötig. Das Projekt koste dringend benötigte Stellflächen. „Der Umbau wäre der Super-GAU“, sagt Mauersberg.

In der jüngsten Sitzung des Bezirksrats Südstadt-Bult klagte ein anderer Anwohner darüber, dass die Stadt seit einigen Wochen verstärkt Politessen in die Straße schicke. Jeder Halter, dessen Fahrzeug zur Hälfte auf dem Grünstreifen stehe, bekomme ein Verwarnungsgeld. Nun sollten angeblich die Seitenstreifen so bepflanzt werden, dass Autos keinen Platz mehr haben. „Das wird einfach so über unsere Köpfe hinweg entschieden“, klagte der Anlieger.

Wie genau die Umgestaltung aussehen soll und was sie kostet, steht aber noch nicht fest. Dem Bezirksrat soll das Konzept voraussichtlich im September vorgestellt werden. „Auch die Anlieger werden informiert“, sagte Pressesprecher Dix. Im Herbst werde das Vorhaben umgesetzt. Noch einen Grund nannte Dix für den Umbau: „Die Straße ist für beidseitiges Parken zu schmal.“ Die Stadt denkt dabei auch an Einsatzfahrzeuge von Polizei und Feuerwehr oder Müllwagen von aha. Weil die beiden Randstreifen nicht befestigt seien, dürfe darauf generell nicht geparkt werden, ergänzte der Sprecher.

Dabei habe alles über Jahre hinweg sehr gut funktioniert, hält Mauersberg dagegen. Die Bäume – soweit hat sich der Rechtsanwalt bereits informiert – seien „Senkrechtwurzler“, die durch die Autos keinen Schaden nähmen. Zudem stünden viele Fahrzeuge komplett am Straßenrand – und das auf beiden Seiten –, ohne Einsatzfahrzeuge zu behindern. „Die Politessen haben gesagt, dass sie auf Anwohnerbeschwerden reagiert hätten“, berichtet Mauersberg. Dabei habe die Stadt keine rechtliche Verpflichtung, die Anlieger plötzlich nach einer jahrelang geduldeten Praxis mit „Knöllchen“ zu überschütten.

Auch die geplante Umgestaltung sieht der Rechtsanwalt als Ergebnis vereinzelter Beschwerden: „Die Stadt ist aber nicht dafür da, solche Privatinteressen zu vertreten.“ Das Geld, das die Stadt nun in die Hand nehmen wolle, sei anderswo sicher besser aufgehoben. Er verstehe nicht, warum nun ausgerechnet in der Bölschestraße etwas verändert werden müsse. In der benachbarten Dammannstraße ließ die Stadt vor einigen Jahren Stahlgerüste um einzelne Bäume aufstellen, um diese zu schützen. Es habe heftige Proteste gegeben, weil auch dort um jeden Stellplatz gebangt wurde, berichtet Mauersberg: „Diese Gerüste verschwanden später aber wieder.“ In dieser Straße habe offensichtlich auch kein Baum gelitten.

Marcel Schwarzenberger