Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Süd Studenten protestieren gegen neuen Campus
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Studenten protestieren gegen neuen Campus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:03 05.06.2012
Von Juliane Kaune
Foto: Lautstarker Missmut: Vor dem Präsidiumssitz auf der Expo-Plaza verschafften die Studenten sich mit Trillerpfeifen Gehör.
Lautstarker Missmut: Vor dem Präsidiumssitz auf der Expo-Plaza verschafften die Studenten sich mit Trillerpfeifen Gehör. Quelle: Joos
Anzeige
Expo Plaza

Trillerpfeifen können sehr laut sein. Die schrillen Töne, die über die Expo-Plaza schallen, sind weithin hörbar. Bestimmt ist das von rund 120 demonstrierenden Studenten veranstaltete „Konzert“ für das Präsidium der Hochschule Hannover, das im Planet M seinen Sitz hat. „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns den Campus klaut“, skandieren die Studenten. Viele tragen Aufkleber mit einem abgewandelten Anti-Atomkraftzeichen, auf dem steht: „Bismarckstraße? Nein, danke!“

Die Proteste richten sich gegen die Pläne des Präsidiums, die bisherigen Hochschulstandorte von fünf auf drei zu reduzieren und die frühere Pädagogische Hochschule in der Bismarckstraße zum neuen Campus auszubauen. Für einen Umzug infrage kämen demnach 1300 Studenten der Fakultät für Elektro- und Informationstechnik, die derzeit auf dem Campus Ricklinger Stadtweg in Linden lernen. Auch 1100 Kommilitonen der Fakultät für Diakonie, Gesundheit und Soziales sollen nach den aktuellen Überlegungen künftig in die Bismarckstraße umsiedeln. Noch studieren sie im Gebäude der früheren Evangelischen Fachhochschule in Kleefeld.

„Wir befürchten, von einer Baustelle in die nächste umziehen zu müssen“, sagt Christian Böttcher von der Fachschaft Elektrotechnik. Bereits seit zweieinhalb Jahren werden auf dem Lindener Campus die Bauten aus den siebziger Jahren saniert. Für die Studenten sei nicht nachvollziehbar, warum sie nach Ende der Arbeiten aus den frisch sanierten Räumen ausziehen sollten – um in der Bismarckstraße womöglich wieder in eine Umbauphase zu geraten. „Wir glauben auch nicht, dass der Bau für unsere Fakultät geeignet ist“, sagt Böttcher. So müssten etwa neue Hochspannungslabore eingerichtet werden, was viel Geld koste. Die Kleefelder Studenten kritisieren unter anderem die schlechtere Verkehrsanbindung der Bismarckstraße.

Besonders unzufrieden sind die Protestierenden mit dem aktuellen Zustand der dortigen Lehrräume. Bis 2013 hat das Präsidium den Backsteinbau zunächst nur angemietet, um Platz für die Studenten des doppelten Abi-Jahrgangs in den technischen Fächern zu schaffen. „In manche Räumen regnet es rein, und die Toiletten sind eine Katastrophe“, beklagt Böttcher. Schon jetzt gingen dort bis zu 1200 Studenten ein und aus, sagt Kommilitone Michael Spirius. Doch es gebe nur eine winzige Cafeteria.

Derzeit werde das Gebäude in der Bismarckstraße lediglich provisorisch genutzt, stellt Hochschulpräsidentin Prof. Rosemarie Kerkow-Weil klar. Für einen Übergangszeitraum sei die Raumsituation „tragbar“. Über die weitere Zukunft der Standorte sei keineswegs entschieden, betont sie. Bis Ende Oktober solle ein Gutachten klären, ob die Bismarckstraße als dauerhafter Campus für die betreffenden Fakultäten überhaupt geeignet sei. Frühestens 2016/2017 könnte es zu einem Umzug kommen. Ziel sei es, Studenten nicht erneut auf einer Baustelle unterrichten zu müssen. Unterm Strich solle der Masterplan die Liegenschaften bündeln, um übersichtlichere Strukturen zu schaffen – und auf längere Sicht Kosten zu sparen. Das Wissenschaftsministerium begleite den Prozess, erklärte ein Sprecher. Von dort müsste auch das Geld für das Gesamtprojekt kommen – die Studenten jonglieren mit Zahlen zwischen 40 und 80 Millionen Euro. Im Präsidium zuckt man noch mit den Schultern.

Michael Zgoll 31.05.2012
03.06.2012