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Süd Arztpraxis veranstaltet Philosophische Soiree
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Südstadt-Bult: Arztpraxis veranstaltet Philosophische Soiree

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01:15 15.05.2019
Philosoph Dr. Sohns stellt Oswals Spenglers Kulturverständis vor. Quelle: Hoffmann
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Südstadt

Wird das Abendland in naher Zukunft untergehen? Über diese Frage haben am vergangenen Freitag knapp 25 Teilnehmer einer Philosophischen Soiree in der Südstadt diskutiert. Zum zweiten Mal referierte der Philosoph Achim Sohns in der Privatpraxis für Alternativmedizin von Jutta Franke über ein philosophisches Thema. Im Mittelpunkt stand das über 100 Jahre alte Werk „Der Untergang des Abendlandes“ des Geschichtsphilosophen Oswald Spenglers.

Von Nietzsche bis Hegel: Das Versprechen der Soiree-Einladung, es würden keine philosophischen Vorkenntnisse benötigt, wird während der Veranstaltung schnell gebrochen. Ganz ohne eine grobe Vorstellung der verwendeten philosophischen Ansätze wird es schnell kompliziert. Stören tut das die Teilnehmer allerdings nicht. Stattdessen gibt es Kritik für die schlechte Akustik während des Vortrags und die fehlende Vertiefung von Spenglers Argumenten. „Ich fand die Veranstaltung eher laienhaft“, so ein Besucher, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte.

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Referent Sohns betont dagegen, dass er eine zu fachliche Auseinandersetzung mit der Thematik gar nicht anstrebt. „Noch im 19. Jahrhundert war die Philosophie fester Bestandteil des Alltags, heute ist eher das Gegenteil der Fall“, meint Sohns, der sich selbst mit praktischer Philosophie auseinandersetzt. „Durch solche Veranstaltungen können wir verschüttete Inhalte wieder zugänglich machen. Philosophie sollte meiner Meinung nach eben nicht ausschließlich ein akademischer Inhalt sein.“ Dieses Anliegen scheint zumindest in der überschaubaren Gruppe zu gelingen. Nachdem Sohns das Verständnis Spenglers erläutert hat, der in seiner Zyklentheorie davon ausgeht, dass Kulturen nach einer Blütezeit in einer Phase des Verfalls münden, diskutieren die Besucher hitzig über die Schwächen der modernen Kultur. Ihren Untergang sieht die Mehrheit der Teilnehmer als nahe liegend.

Die rege Diskussionsbereitschaft der Besucher freut neben Sohns auch Gastgeberin Franke. Durch eine Patientin entwickelte sie gemeinsam mit Sohns die Idee für die philosophische Soiree. „Im Herbst wollen wir eine weitere Soiree veranstalten“, kündigt Franke an. Die dritte Soiree soll sich auf die philosophische Betrachtung der Ökonomie richten. Wenn es dann das Abendland noch gibt.

Von Nina Hoffmann