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Süd Neue Stolpersteine für Hannovers Süden Gedenken an NS-Zeit
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Südstadt/Kleefeld: Neue Stolpersteine für Hannovers Süden Gedenken an NS-Zeit

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13:46 20.07.2019
Daniel, Michael und David Meyer (v. l.) waren aus Südafrika und Toronto zur Verlegung von Stolpersteinen für ihre Familie in die Südstadt gekommen. Quelle: Katrin Kutter
Südstadt/Kleefeld

Dies ist das Haus, in dem sein Vater geboren wurde. Im Jahr 1911 kam Erwin Meyer hier zur Welt. Und jetzt ist sein Sohn um die halbe Welt gereist, um vor diesem Haus an der Heinrich-Stamme-Straße 3 zu stehen. Aus Toronto ist Michael Meyer hergekommen. Er ist ein gestandener Mann von 70 Jahren, doch er ringt um Fassung, als er vom Schicksal seiner Familie erzählt: „Glücklicherweise sind fast alle aus Deutschland entkommen“, sagt er. Die Geschichte seiner Familie ist eine Geschichte des Überlebens. Und dennoch spürt man, dass es Wunden gibt, die Generationen brauchen, um zu heilen.

Neue Stolpersteine für Hannovers Süden

Michael Meyer hat die alten Ausreisedokumente mitgebracht, die seinem Vater 1935 die Flucht ins Exil ermöglichten. Vor mehr als 30 Jahren starb sein Vater in Kapstadt, doch an diesem Tag kehrt er gewissermaßen zurück nach Hannover. Sein Name hat jetzt wieder einen Platz an jener Straße, an der der junge Jude einst lebte. Der Künstler Gunter Demnig hat dort jetzt einen Stolperstein für Erwin Meyer und dessen Eltern Minna und Dagobert verlegt, die ebenfalls ins Exil entkommen konnten.

„Wurzeln sind wichtig“

Zum 14. Mal ist Demnig in Hannover gewesen, um jene Denkmäler im Miniaturformat ins Gehwegpflaster einzubetten, die an das individuelle Schicksal von NS-Opfern erinnern. Insgesamt 22 Steine verlegte er dabei an zwölf verschiedenen Orten. „Wir möchten dort an die Menschen erinnern, wo sie ihren letzten frei gewählten Wohnsitz hatten“, sagt Karljosef Kreter vom städtischen Team Erinnerungskultur.

An der Kirchröder Straße in Kleefeld etwa erinnert jetzt ein Stolperstein an Wolfgang Frommhold. Der behinderte junge Mann fiel den NS-Krankenmorden zum Opfer. Die Heilanstalt, in der er ermordet wurde, teilte der Familie mit, er sei an einem „Furunkel am Rücken“ gestorben. Die Initiative für die Verlegung des Steins ging von seiner Nichte Janina Hillebrecht aus: „In unserer Familie ist so gut wie nie über ihn gesprochen worden“, sagt die 77-Jährige, die in Bothfeld lebt. „Er soll aber nicht sang- und klanglos in Vergessenheit geraten.“ Buchholz-Kleefelds Bezirksbürgermeister Henning Hofmann appellierte bei der Verlegung daran, Kranke und Behinderte nicht auszugrenzen.

Die meisten der neu verlegten Stolpersteine erinnern an das Schicksal verfolgter Juden – wie der Familie Meyer. Michael Meyer war dazu mit seinem Sohn David nach Deutschland gekommen, sein Neffe Daniel Meyer war eigens aus Südafrika angereist. „Es ist uns wichtig, dass die Erinnerung wachgehalten wird“, sagt David Meyer. Bis 1772 kann die Familie ihren Stammbaum in Deutschland zurückverfolgen. „Unsere Wurzeln sind uns wichtig, Menschen müssen wissen, woher sie kommen“, sagt Michael Meyer.

Behutsam bettet Gunter Demnig die Stolpersteine für Familie Meyer in den Gehweg ein. „Sie führen uns immer wieder schmerzhaft vor Augen, was hier vor 80 Jahren geschah“, sagt Lothar Pollähne, Bezirksbürgermeister Südstadt-Bult, in einer kurzen Ansprache. Anwohner legen Blumen nieder, die Angehörigen machen Fotos. Michael Meyer aus Toronto ist sichtlich bewegt: „Mein Vater“, sagt er, „wäre an diesem Tag sehr glücklich.“

Von Simon Benne

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