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Süd Mit der Kraft des Condurango
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Mit der Kraft des Condurango
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13:52 10.10.2013
Von Heike Schmidt
Apothekerin Gisela Sperling führt die Apotheke nun seit 10 Jahren.
Apothekerin Gisela Sperling führt die Apotheke nun seit 10 Jahren. Quelle: Michael Wallmueller
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Hannover

Albert Wilhelm war zufrieden: Die Räume seiner künftigen Apotheke an der Marienstraße waren „hoch, sonnig und luftig“, schrieb er. Einziger Nachteil sei, dass das Laboratorium und die Stoßkammer im Keller lägen. Am 28. September 1872 hatte er die Konzession bekommen, eine Apotheke in Hannover zu betreiben; am 1. Mai 1873 öffnete er die achte Apotheke auf hannoverschem Stadtgebiet. 140 Jahre sind seitdem vergangen. Seit zehn Jahren wiederum ist Gisela Sperling Chefin in der Marien Apotheke. Am Sonnabend soll dies groß gefeiert werden. Für die Gäste gibt es eine besondere Überraschung: Die Apothekerin hat von der Historikern Caroline Seyfang die Geschichte der Apotheke aufarbeiten lassen. Die Kurzversion davon wird beim Fest verteilt.

Facettenreiche Geschichte

Die Geschichte des Hauses und seiner Pharmazeuten ist gerade in der Anfangszeit facettenreich. Nachdem Albert Wilhelm die Apotheke 1873 eröffnet hatte, kaufte sie 1888 Carl Adolf Friedrich Homann samt Konzession. Das kostete ihn insgesamt 247.000 Mark, wovon 100.000 Mark auf das Gebäude entfielen, 50.000 Euro auf das Warenlager und die Möbel sowie weitere 97.000 Euro für die Konzession fällig wurden. Doch Homann konnte es sich leisten: Er war 1869 nach Brasilien ausgewandert und hatte eine Apotheke in Rio de Janeiro betrieben. Da er seinen Kindern aber eine Ausbildung in Deutschland ermöglichen wollte, kehrte er zurück. Ob er es auch war, der den noch heute bei der Kundschaft so beliebten Condurango-Wein erstmals produzierte, ist nicht überliefert. Es spricht aber einiges dafür.

Eigene Produktionen

Der Strauch, dessen Rinde für den Wein benötigt wird, wächst in Südamerika. Dort ist seine Wirkung seit Jahrhunderten bekannt: Condurango regt die Speichel- und Magensaftsekretion an und hilft beispielsweise bei Verdauungsbeschwerden. „Das berichten uns auch Kunden“, erklärt Gisela Sperling, die den Condurango-Wein nach wie vor im Sortiment hat. Durch die Bitterstoffe der Rinde schmecke er ähnlich wie der Kräuterschnaps Averner. „Aber der Wein hat weitaus weniger Prozente“, betont sie. Er ist nicht das einzige Produkt, das in der Apotheke noch selbst hergestellt wird. Das 22-köpfige Team mischt nach wie vor im Keller Medikamente auf Bestellung an. Einer der Hauptabnehmer ist beispielsweise das Kinderkrankenhaus Auf der Bult. Zugunsten der Einrichtung wird es am Sonnabend auch eine Tombola geben. Das Geld für die Lose, die bereits verkauft worden sind, wird derzeit in einer ganz besonderen Kasse verwahrt: einem gusseisernen Ungetüm, das nur zwei Menschen gemeinsam anheben können und auf dessen Anzeige noch Pfennige verzeichnet sind.

Neue Betreiber

Richard Gustav Fuhrmeister war der nächste Betreiber der Apotheke. In seiner Familie sollte das Haus an der Marienstraße nahezu einhundert Jahre verbleiben. Als er im November 1943 starb, übernahm seine Schwester Elisabeth die beim Luftangriff im Oktober 1943 stark beschädigte Apotheke. Sie hatte drei Kinder. Ihre Tochter sollte schließlich Kurt Brinkmann heiraten, der die Apotheke weiter führte und vor zehn Jahren an Gisela Sperling übergab. „Herr Brinkmann wird am Sonnabend ebenfalls dabei sein“, freut sich Sperling. Er ist inzwischen 82 Jahre alt.

Sie selbst kam vor zehn Jahren über Hamburg und Bremen nach Hannover. „Ein Freund von mir, der in Hannover lebt, rief mich an und berichtete, dass es dort eine Apotheke gebe, die wie für mich geschaffen wäre“, erinnert sich die Apothekerin. Sie hatte zuvor eine Krankenhaus-Apotheke geleitet, die allerdings der Zusammenfassung mehrere Klinken zum Opfer fiel. Gisela Sperling entschied sich für Hannover und vor allen Dingen für die Marien Apotheke. Die Geschichte „ihres“ Hauses hat sie mit Leidenschaft verfolgt. Am Sonnabend gibt es die Kurzversion nun für ihre Kunden kostenlos. Und die sind dem Haus in der Marienstraße zum Teil auch schon über Generationen verbunden.

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