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Süd TSV Bemerode klagt über Platznot
Hannover Aus den Stadtteilen Süd TSV Bemerode klagt über Platznot
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12:37 08.01.2015
Von Margret Jans-Lottmann
Hannover, 18.12.2014: Manfred Duttke vom TSV Bemerode. Foto: Philipp von Ditfurth
Manfred Duttke vom TSV Bemerode klagt über Platzmangel. Quelle: Philipp von Ditfurth
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Bemerode. Für die meisten der 90 fußballbegeisterten Jungen und Mädchen war es wohl kein schöner Tag. Die Fünfjährigen waren zum Probetraining beim TSV Bemerode angetreten - in der Hoffnung, dort in einer U-6-Mannschaft kicken zu können. Doch für 70 von ihnen zerplatzte der Fußballtraum. „Wir konnten für den Sommerbetrieb von den 90 Kindern nur 20 aufnehmen, den Rest mussten wir leider wieder nach Hause schicken“, sagt Vereinschef Manfred Duttke mit großem Bedauern. „Wir haben die Grenze unserer Kapazität erreicht.“

Der TSV Bemerode platzt aus allen Nähten. Die Zahl der Mitglieder ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Inzwischen sind 2386 Erwachsene und Kinder im Verein organisiert, allein rund 1400 davon sind Mädchen und Jungen zwischen fünf und 14 Jahren. Die TSV-Sportanlage an der Wilhelm-Göhrs-Straße sei dagegen seit 40 Jahren unverändert geblieben, sagt Duttke. Damals zählte der Verein nur rund 1000 Mitglieder. Die Ursache für den enormen Zuwachs liegt auf der Hand: Zur Expo 2000 wurde auf dem Kronsberg ein neues Wohngebiet errichtet - und das Gebiet wächst weiter. „Wir haben den Kronsberg als komplett neuen Stadtteil dazubekommen“, sagt Duttke.

Die größte der 13 Abteilungen des TSV Bemerode stellen die Fußballer mit insgesamt 740 Spielern in 38 Mannschaften - rund 200 davon sind Erwachsene, der Rest Kinder und Jugendliche. Die Fußballer müssten sich für das Training in der wärmeren Jahreszeit drei Fußballplätze teilen, berichtet der Vereinschef. Im Winter sieht es noch schlechter aus. Da können die Fußballer nur den neuen Kunstrasenplatz bespielen, auf dem auch die Hockeyspieler trainieren. Die jüngeren Mannschaften ziehen im Winter in Schulsporthallen um. Doch auch dort sind die Kapazitäten ausgeschöpft. „In großen Hallen trainieren drei bis vier unserer Mannschaften gleichzeitig“, beschreibt Duttke den Platzmangel. Voll ist es auch bei anderen beliebten Sportarten wie Tennis und Hockey.

Obwohl der TSV Bemerode zu den größten Vereinen in Hannover zählt, sind nur zwölf Prozent der Bevölkerung in dessen Einzugsbereich dort organisiert. Zum Vergleich: Stadtweit sind rund 20 Prozent der Erwachsenen und Kinder in einem Verein gemeldet. „Wir sind der einzige Verein hier“, sagt Duttke. Das Gebiet sei somit deutlich unterversorgt. Seit Jahren weist der Vereinschef Stadtverwaltung und Politik immer wieder auf den Mangel an Sportflächen hin. Dabei leisteten Sportvereine einen wichtigen Beitrag zur Kinder- und Jugendarbeit, betont er. „Wir brauchen ein Konzept für den Stadtteil“, fordert Duttke. Dazu gehöre auch eine Vergrößerung der Sportfläche.

Eine Fläche für die Erweiterung des TSV-Sportgeländes wüsste der Vereinschef schon: Das Gelände des Schulzentrums Bemerode am Friedrich-Wulfert-Platz, in dem seit 2007 die fünften bis achten Klassen der Integrierten Gesamtschule (IGS) Kronsberg unterrichtet werden. Das auch als „Blaue Schule“ bekannte Gebäude ist so baufällig, dass eine Komplettsanierung auf rund 25 Millionen Euro geschätzt wird. Angesichts der hohen Kosten und der Pläne der Stadt, das IGS-Hauptgebäude am Kattenbrookstrift zu erweitern, damit dort auch die fünften bis achten Klassen unterkommen, sollte die „Blaue Schule“ nach Ansicht etlicher Bezirksratspolitiker ohnehin eher abgerissen werden. Über die Zukunft des Gebäudes gebe es aber immer noch keine Entscheidung, sagt Duttke. Dabei sei diese bereits seit drei Jahren überfällig.

„Der TSV braucht eine klare Perspektive“, sagt Bezirksbürgermeister Bernd Rödel. Auch er kann sich vorstellen, dass der Sportverein einen Teil des Grundstücks erhält, das zur „Blauen Schule“ gehört. Im Bezirksrat Kirchrode-Bemerode-Wülferode war das Dilemma des TSV ebenfalls ein Thema. Die Grünen wollten von der Stadt unter anderem wissen, welche Wachstumsperspektive der Sportverein hat und wie diesem in den nächsten zwei bis drei Jahren Erweiterungsflächen zur Verfügung gestellt werden können.

Die Antwort der Verwaltung fiel ernüchternd aus: Zurzeit werde unter Berücksichtigung der aktuellen Bevölkerungsprognose untersucht, in welchen Stadtteilen eine Entwicklung von Sportflächen erforderlich sei. Dabei werde selbstverständlich auch der Wunsch des TSV Bemerode nach zusätzlichen Sportflächen untersucht. Einen ersten Zwischenbericht will die Verwaltung den Ratsgremien Anfang 2015 vorlegen.