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Süd Ton bei Streit um Leine-Kraftwerk verschärft sich
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Ton bei Streit um Leine-Kraftwerk verschärft sich
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09:53 21.02.2012
Von Conrad von Meding
An der Leine in Döhren soll am Standort eines jahrhundertealten Wehres wieder ein Wasserkraftwerk gebaut werden. Quelle: Patrice Kunte
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Döhren

Zunehmend zeigt sich aber, dass die Fronten zwischen Anliegern und Naturschützern auf der einen Seite sowie der Stadtverwaltung auf der anderen Seite argumentativ festgefahren sind. Statt sachlich miteinander zu diskutieren, folgt ein Eklat auf den nächsten. Wenige Minuten, nachdem sich am Montagabend ein Mitglied der Bürgerinitiative für einen Ausfall gegenüber Oberbürgermeister Stephan Weil entschuldigt hatte, nannte ein anderer Dialogteilnehmer den Ersten Stadtrat Hans Mönninghoff einen „Lügner“ – dieser behält sich eine Unterlassungsanzeige vor.

An der Leine in Döhren soll am Standort eines jahrhundertealten Wehres wieder ein Wasserkraftwerk gebaut werden und umweltfreundlich Strom erzeugen. Eine Anwohnerinitiative fürchtet Bauschäden an Häusern, Lärmbelästigung und bei Hochwasser volle Keller. Naturschützer kritisieren, dass die Turbinen des Kraftwerks Wasserlebewesen zerhäckselten. Der Konflikt schwelt seit Jahren. Die Stadt hat den Ratsgremien jetzt einen aktualisierten Entwurf für den Vertrag mit dem Investor vorgelegt. Im Nachbarschaftsdialog wurde er am Montag sehr detailreich diskutiert, ohne dass sich die Positionen im Grundsatz annäherten.

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Stattdessen gab es die erwartete Entschuldigung bei OB Weil. Die Initiative hatte jüngst Aufsehen erregt, weil sie an die Hausbank und die Ehefrau des Kraftwerkinvestors Briefe geschrieben und vor dem Projekt gewarnt hatten. Gegenüber der Bank hatte sie sogar den Eindruck erweckt, der Oberbürgermeister habe sie zu dem Schreiben „ermuntert“. Initiativmitglied Wolfgang Scheffler entschuldigte sich am Montag öffentlich dafür. Tatsächlich habe Weil zwar bei einem Gespräch gesagt: „Na, dann machen Sie mal.“ Das aber sei Ironie gewesen, räumte Scheffler ein: „Unabhängig von diesem Missverständnis hätten wir die Formulierung nicht in den Brief aufnehmen sollen.“ Man habe sich ausgesprochen.

Wenige Minuten später allerdings verlas Initiativmitglied Fred Habicht – ausdrücklich als Einzelperson – eine Erklärung, in der er Mönninghoff Folgendes vorwarf: „Ich fühle mich von Ihnen belogen und ausgetrickst.“ Grund sei, dass der Stadtrat in einem Gespräch 2009 einen anderen Standort für das Kleinkraftwerk zugesagt hatte. Der rechtfertigte sich: Erst auf Drängen der Initiative und der Region seien später Alternativstandorte geprüft worden – dass jetzt am Hauptwehr und nicht im alten Turbinenkanal gebaut werden solle, habe er nicht zu verantworten. „Ich verwahre mich gegen die Formulierung, ich hätte gelogen“, sagte Mönninghoff und kündigte, als Habicht die Anschuldigung nicht zurücknahm, eine mögliche Anzeige an. Der Dialog soll trotzdem fortgesetzt werden.

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