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Süd Vereine fürchten Verlust ihres Bunkers
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Vereine fürchten Verlust ihres Bunkers
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13:29 20.03.2010
Von Michael Zgoll
Bunker werden ganz verschieden genutzt: In der Wiehbergstraße 100 zum Beispiel von Lindener Narren und Blau-Weiiß Döhren und Schützenvereinigung. Quelle: Michael Zgoll
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Der Döhrener Bunker in der Wiehbergstraße 100 steht möglicherweise vor dem Verkauf. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben – das frühere Bundesvermögensamt – will sich von 13 hannoverschen Bunkern trennen, die nicht länger der „Zivilschutzbindung“ unterliegen, also nicht mehr als Schutzräume für den Katastrophenfall vorgehalten werden müssen; dazu zählt auch das Bauwerk am nördlichen Ende der Wiehbergstraße. Doch diese Überlegungen bereiten den Vereinen, die hinter den zwei Meter dicken Mauern eine dauerhafte Heimstatt gefunden haben, ernsthafte Sorgen. „Wenn wir hier raus müssen, wäre das unser Untergang“, fürchtet etwa Rudolf Heise, Festleiter der Schützenvereinigung Döhren.

Seit den sechziger Jahren habe man im Viertel händeringend nach zentralen Trainings- und Aufenthaltsräumen gesucht, bis die Schützen dann vor sechs Jahren endlich in den zweiten Stock des Bunkers ziehen durften, berichtet Heise. Der Verlust dieser Immobilie würde bedeuten, dass die Jugendarbeit „zusammenbreche“ und die Vereinigung möglicherweise wieder in andere Stadtteile oder das Umland ausweichen müsse. Ausweichquartiere etwa in aufgelassenen Industriegebäuden gebe es in Döhren nicht. Viel Arbeit hatten die Schützen in den Ausbau ihrer Bunker-Etage gesteckt, die Wände mit Dämmmaterial und Gipskarton verkleidet, auf zwei Bahnen acht Schießstände installiert, einen Aufenthalts- und einen Jugendraum sowie ein Archiv geschaffen. 2004 war alles fertig.

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Bereits Mitte der Neunziger hatte die „Funkenartillerie Blau-Weiß Döhren“ die erste Etage des Bunkers an der Wiehbergstraße „erobert“. Die Karnevalisten bauten sechs Räume aus, installierten neue Elektrik und Brandschutztüren, verkleideten die Wände und versahen die Fußböden mit Estrich und Laminat. Drei Garden und die Mariechen proben jetzt regelmäßig vor Spiegelwänden, es gibt Requisitenkammer und einen Thekenraum für Feiern. „Es wäre ein Schlag, wenn wir hier wieder ausziehen müssten“, betont Vizepräsident Martin Weber. Für 300 Euro im Monat bekomme man nirgendwo so viel Platz geboten wie an dieser zentralen Stelle in Döhren.

Nicht ganz so große Zukunftsängste hat Martin Argendorf, Präsident der Lindener Narren. Doch ist das kein Wunder, benötigt sein Verein das Erdgeschoss des Bunkers schließlich nur als Lagerraum für große Bühnenteile und Requisiten. „Natürlich ist die Miete sehr niedrig“, meint Argendorf, „aber wir haben ja auch noch unser Vereinshaus in Ricklingen.“

Der 1942 gebaute Bundes-Bunker an der Wiehbergstraße ist mit seinen vier Etagen – das oberste Stockwerk steht leer – und einer Nutzfläche von rund 1150 Quadratmetern einer der größten seiner Art in Hannover. Er wird von der Stadt beziehungsweise der hannoverschen Feuerwehr verwaltet. Wenn er verkauft werden sollte, erläutert Gerd Deyhle vom Bundesamt für Immobilienaufgaben, müsse er zunächst einmal an den Bund „zurückübertragen“ werden. Dieses Verfahren beinhalte beispielsweise Begehungen und ziehe sich erfahrungsgemäß über Monate hin; einen ersten Besichtigungstermin hatte es bereits im November 2009 gegeben. Im Vorfeld eines geplanten Verkaufs werde die Bundesbehörde dann in Abstimmung mit der Stadt Hannover festlegen, ob eine Nutzung zu Wohnzwecken oder zu gewerblichen Zwecken infrage komme. Um den möglichen Verkaufserlös des Bunkergrundstücks zu ermitteln, wird dieses dann in den örtlichen Zeitungen angeboten – mit der Bitte, ein Kaufangebot abzugeben. „Selbst eine grobe Planung des Verkaufserlöses“ sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich, da die künftige Nutzung ja noch gar nicht klar sei, hält sich Deyhle bedeckt.

Derzeit ist noch nicht einmal klar, in welcher Reihenfolge die hannoverschen Bunker zum Verkauf angeboten werden. Noch also müssen sich die Döhrener gedulden – und hoffen, dass die Trutzburg an der Wiehbergstraße nicht unter den Hammer kommt. „Die drei Vereine könnten ja eine Verwertungsgesellschaft gründen und selbst als Käufer auftreten,“ sinniert Rudolf Heise, „aber mehr als einen symbolischen Beitrag wie beispielsweise einen Euro könnten wir gar nicht aufbringen.“

Jutta Oerding 13.03.2010
13.03.2010
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