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Süd Verzögerungen ärgern Geschäftsleute
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Verzögerungen ärgern Geschäftsleute
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08:00 22.07.2010
Oberbürgermeister Stephan Weil, Ursula Rössel von der AG Fiedelerstraße und Manfred Müller vom SPD-Ortsverein diskutieren über die Geschäfte im Zentrum Döhrens.
Oberbürgermeister Stephan Weil, Ursula Rössel von der AG Fiedelerstraße und Manfred Müller vom SPD-Ortsverein diskutieren über die Geschäfte im Zentrum Döhrens. Quelle: Marcel Schwarzenberger
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Ursula Rössel hat von ihrem Modegeschäft aus die Baustelle in der Döhrener Fiedelerstraße täglich vor Augen. Der Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft (AG) Fiedelerstraße gefällt nicht alles, was sie da sieht. Schon im vorigen Jahr erlebte sie erhebliche Verzögerungen, und auch der aktuelle Bauzeitplan sei schon nicht mehr gültig. „Die Verzögerungen summieren sich derzeit auf gut drei Wochen“, berichtet sie Oberbürgermeister (OB) Stephan Weil, der auf seiner Runde durch den Stadtbezirk auch bei ihr Station macht. Die Baustelle bringt den Geschäftsleuten herbe Verluste. Bei ihr liege der Umsatzrückgang derzeit bei gut 60 Prozent, sagt Rössel.

Der Oberbürgermeister nickt. „Ich verstehe Ihren Ärger sehr gut“, sagt er und verspricht, den Zeitverzug überprüfen zu lassen. Wie berichtet, sorgten 2009 viel zu lange Ausschreibungsvorbereitungen für Verzögerungen. „Außerdem stimmten alte Pläne nicht, jede einzelne Leitung musste erst geortet werden“, erläutert Manfred Müller vom SPD-Ortsverein Döhren-Wülfel, der die eintägige Tour des Stadtoberhaupts organisiert hat. Alle 13 Stadtbezirke will der OB in diesem Jahr besuchen. Er hoffe, dass die Arbeiten an der Langzeitbaustelle dennoch bis Ende September abgeschlossen seien, sagt Weil, bevor er Rössels Geschäft verlässt. Am 2. Oktober wollen die Arbeitsgemeinschaft und die Interessengemeinschaft Döhrener Geschäftsleute (IDG) das Ende der Straßenerneuerung mit einem Fest feiern.

Die Mittagspause verbringt Weil mit der IDG. Neben Häppchen bekommt das Stadtoberhaupt auch Kritik vorgesetzt. Etwa über den Verkehrsversuch Wiehbergstraße, der aus Sicht von IDG-Chef Michael Kellner missglückt ist. „Da stimmte die Kommunikation zwischen Verwaltung und Bürgern keineswegs“, meint Kellner. Kaum ein Anlieger sei auf die Veränderungen, vor allem die Einbahnstraßenregelung, eingestellt gewesen. „Ja, so habe ich die Kritik der Bürger auch verstanden“, antwortet Weil. Die Auswertung des Versuchs läuft noch, aber so viel lässt der OB durchblicken: „Es wird bauliche Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung geben. Aber die Wiehbergstraße behält ihren Zweirichtungs-Verkehr.“

Gerd Neumann vom IDG-Vorstand macht sich Sorgen um die Versorgungslage in Seelhorst: „Da sind Baugebiete gewachsen, aber es gibt praktisch keinen Einzelhandel.“ Vor allem ein Nahversorger fehle. „Wir können leider niemanden zwingen“, gibt Weil zu bedenken. Der Bezirksrat Döhren-Wülfel hat beantragt, dass sich die Verwaltung um die Ansiedlung eines Nahversorgers auf einem städtischen Grundstücke an der Kreuzung Am Schafbrinke und Eupener Straße kümmern soll. Die Stadt will das auch vorantreiben. Für den Bau eines Supermarkts sei aber der Ankauf einer benachbarten Privatfläche durch den Investor nötig, erläutert SPD-Bezirksratsherr Sascha Glade. Die Verkaufsverhandlungen liefen noch.

Der Bunker an der Wiehbergstraße ist Heimstatt für die Döhrener Schützen und die „Funkenartillerie Blau-Weiß“. Deren Präsident Martin Weber führt Weil durch die vielen Räume, in die beide Vereine viel Mühe und Geld gesteckt haben. Weber berichtet von der „Panik, die wir hatten, als wir von den Verkaufsplänen für den Bunker gehört haben“. Das Bauwerk zählt zu den 13 hannoverschen Bunkern, von denen sich die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben trennen will. Die Aufregung hat sich gelegt. „Was könnte man denn sonst auch mit diesem Bunker machen?“, fragt Weber und erntet Zustimmung von Weil: „Wir haben Interesse, dass die jetzige Nutzung so bleibt. Und so weit ich weiß, tut sich in Sachen Verkauf auch wenig.“

Weil verteilt auf seiner Tour auch Komplimente, etwa an die hannoverschen Mitglieder der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) und ihren Chef Torsten Heuer. Viel Eigenarbeit hat der Verein in sein neues Domizil gesteckt. Die „Pförtnervilla“ der ehemaligen Leuchtreklamefabrik an der Wagenfeldstraße leuchtet in frischen Farben; das Innenleben ist nach monatelangem Umbau fast fertig. „Schön haben Sie es hier“, sagt Weil. Lange war die DLRG heimatlos, nachdem sie 2003 den Standort am Maschsee verlassen musste. Im August soll noch eine neue Fahrzeughalle fertig werden. Rund 330.000 Euro kosten die Bauarbeiten insgesamt, ein Drittel finanziert die DLRG selbst. „Aber die Eigenleistung unserer Mitglieder ist sicher weitere rund 200.000 Euro wert“, sagt Heuer stolz.

Marcel Schwarzenberger

Stephan Fuhrer 22.07.2010
22.07.2010
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