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Süd Manche Frauen singen heute Bass
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20:20 16.10.2014
Der Männergesangverein „Germania“, Vorgänger des Volkschors Anderten, im September 1898. Die Damen auf dem Foto durften damals noch nicht mitsingen.
Der Männergesangverein „Germania“, Vorgänger des Volkschors Anderten, im September 1898. Die Damen auf dem Foto durften damals noch nicht mitsingen. Quelle: privat
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Anderten

 57 Männer traten dem Verein damals bei; den Vorsitz führte der Lehrer Wescher, der auch bei den Übungsstunden den Takt angab. Unzählige Lieder und Melodien sind seitdem dort erklungen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde aus dem Gesangverein der Volkschor Anderten. Am kommenden Sonntag feiert dieser sein 150-jähriges Bestehen mit einem Festkonzert.

Mit seinem vaterländischen und deutschen Liedgut war der Männergesangverein bald eine feste Größe im Kulturleben des Dorfes Anderten. Mit dabei war stets die „Germania“: Als stolze, nationalbewusste Frauengestalt blickte sie bei den Auftritten von einer prachtvoll bestickten Fahne auf die Sänger herab. Ganz anders ausgerichtet war der Arbeiter-Gesangverein, der sich 1919 ebenfalls in Anderten gebildet hatte. Mit Sicherheit hatte er auch politisch links angesiedelte Lieder im Repertoire. Unter dem Druck der Nationalsozialisten musste er sich 1933 auflösen. „Germania“ fiel nicht unter das Verbot, aber der Zweite Weltkrieg machte schließlich auch hier das Vereinsleben unmöglich.

Bereits im Oktober 1945 gab es einen Neuanfang. Sangesbrüder von „Germania“ und Ehemalige von den Arbeitersängern vereinigten sich zum Volkschor Anderten und beschlossen, die Politik künftig außen vor zu lassen. Nach einer Weile aber stellte man fest, dass sich die Reihen der Sänger aus Altersgründen immer mehr lichteten. Damit schlug die Stunde der Frauen: 1956 wurde aus dem ehemals reinen Männerverein ein gemischter Chor. Zum 100-jährigen Jubiläum 1965 traten dann in Anderten an verschiedenen Stätten gleich sieben Gastchöre auf. Dem Volkschor wurde außerdem die Zelter-Plakette verliehen, eine Auszeichnung des Bundespräsidenten für besondere Verdienste um die Chormusik.

Doch der Wandel der Zeit machte sich auch beim Volkschor Anderten bemerkbar. Aktuell sind dort 24 Sängerinnen und drei Sänger aktiv. Mangels geeigneter Männerstimmen singen inzwischen einige Frauen Tenor oder Bass. „Das ist heutzutage nichts Ungewöhnliches mehr“, sagt die Vorsitzende Anna-Luise Helmke angesichts der geringen Zahl der Sänger. Neue Sängerinnen oder Sänger seien daher herzlich willkommen. Geprobt wird jeden Montag von 19.30 bis 21.30 Uhr im Gemeindehaus der St.-Martin-Kirche, Lindenstraße 1. „Notenkenntnisse werden dabei nicht verlangt“, sagt Helmke.

Vor allem Volksweisen, Gospels und Musical-Hits hat der Volkschor Anderten im Repertoire. Chorleiter ist seit zwei Jahren der freiberufliche Musiklehrer Harald Seipold. Mit seinen Auftritten umrahmt die Gruppe Vereinsjubiläen und besondere Feiern in Anderten; alle zwei Jahre gibt der Chor außerdem ein eigenes Konzert. Freundschaftliche Verbindungen pflegt man zum Gesangverein „Harmonia“ in Misburg. Er wurde Anfang 2014 ebenfalls 150 Jahre alt, und selbstverständlich waren bei dieser Feier die Anderter mit dabei.

Zum Jubiläumskonzert am Sonntag, 19. Oktober, um 15.30 Uhr in der Kurt-Schumacher-Schule, Eisteichweg 7, treten der Volkschor Anderten und Harmonia Misburg erneut gemeinsam auf die Bühne. Teils in historischen Kostümen bieten sie eine bunte Mischung aus Volksliedern, Evergreens und Schlagermelodien, begleitet von Ingo Laufs am Piano. Zwischendurch erzählt der Schauspieler Rainer Künnecke aus der Geschichte des Volkschors und des Dorfes Anderten. Der Eintritt kostet acht Euro; Einlass ist ab 15 Uhr.

Margret Jans-Lottmann 16.10.2014
15.10.2014