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Süd Wasserkraftwerk: Anwohner bangen um die Idylle
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Wasserkraftwerk: Anwohner bangen um die Idylle
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12:50 02.10.2009
Rund drei Millionen Euro will die Firma „AUF Eberlein“ in ein Wasserkraftwerk an der Leineinsel investieren.
Rund drei Millionen Euro will die Firma „AUF Eberlein“ in ein Wasserkraftwerk an der Leineinsel investieren. Quelle: Montage
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Es ist der letzte Versuch des Umweltdezernenten Hans Mönninghoff (Grüne), die Wasserkraft an der Leineinsel in Döhren in elektrischen Strom umzuwandeln. Bis in die siebziger Jahre wurde am Brückenhaus in Döhren Wasserkraft genutzt, seitdem stehen die Turbinen still. Mehrere Versuche, wieder eine Anlage in Betrieb zu nehmen, scheiterten an Bedenken der Anwohner. Der erneute Anlauf soll nun gelingen, und zwar mit einem Konzept des fränkischen Unternehmens und zukünftigen Betreibers „AUF Eberlein“. Vor dem Brückenhaus an der Leineinsel soll bis 2012 ein Wasserkraftwerk entstehen – angeblich leiser, umweltverträglicher und ansehnlicher als es die bisherigen Entwürfe vorsahen. Die Anwohner sind davon jedoch nicht überzeugt und drohen bereits mit einem Gerichtsverfahren.

Mit dem Betreiben von Wasserkraftwerken hat die Firma „AUF Eberlein“ bereits Erfahrung: Derzeit betreut die Firma acht Anlagen in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen. Das geplante Projekt in Döhren ist für Chef Fritz Eberlein dennoch etwas Besonderes: „Ein Kraftwerk mitten in der Stadt, das ist unheimlich spannend.“ Die Anlage soll den Strombedarf von etwa 1000 Haushalten decken. Der Lärm für Anwohner werde gering sein, „vergleichbar“ mit dem derzeitigen Geräuschpegel durch das aufgestaute Wasser am Brückenhaus, versichert Eberlein. „Die beiden Turbinen liegen komplett unter Wasser.“

Am östlichen Ufer soll das Wasser, das nicht durch die Turbinen läuft, über ein schmales Wehr fallen. Auf der anderen Seite soll eine Fischtreppe angelegt werden, an der Fische die Anlage unbeschadet passieren können. Außerdem werde der Wasserstand durch das Wehr am Leinebogen konstant gehalten, versichert der technische Leiter des Projekts, Frank Griese. Als Anziehungspunkt für Spaziergänger soll eine Aussichtsplattform mit Informationstafeln dienen. Insgesamt 3,3 Millionen Euro wird der Bau der Anlage kosten, drei Millionen investiert der Betreiber, die restlichen 300 000 Euro kommen von der Stadt und Bauträgergesellschaften.

Bei einer Informationsveranstaltung versicherte Umweltdezernent Mönninghoff vergangene Woche, dass er das Projekt zwar begrüße, es aber keinerlei negativen Auswirkungen für die Anlieger haben dürfe. Doch genau an diesem Punkt hakt es: Ein Großteil der 150 Zuhörer sprach sich gegen das Vorhaben aus. Alle Wohnungen entlang der geplanten Anlage haben Schlafzimmer und Balkone direkt am Wasser, die Anlieger fürchten um einen Verlust an Lebensqualität und Eigentumswert, eine Beeinträchtigung der Umwelt und Lärmbelästigung.

Als „ästhetischen Super-Gau“ bezeichnete Helmut Glameyer den Entwurf. Eines der idyllischsten Gebiete an der Leine würde verschandelt. Wohnungseigentümerin Ursula Reusch kritisierte ein Missverhältnis zwischen der erwarteten Energieausbeute und dem Eingriff in die Natur: „Unsere Immobilien werden unverkäuflich.“ Zudem grause sie sich davor, sonntags auf dem Balkon zu sitzen, während zahlreiche Besucher auf der Plattform herumspazierten. Heinz Pyka vom Fischereiverein Hannover glaubt außerdem, dass Kiesbänke am Flussufer trocken fallen könnten und dadurch bedrohte Fischarten gefährdet seien: „Wasserkraftwerke töten die Fische.“

Der Bezirksrat Döhren-Wülfel wird heute Abend über den geplanten Bau abstimmen, die Entscheidung wird offensichtlich knapp: Auf Anfrage des Stadt-Anzeigers signalisiert SPD-Bezirksbürgermeisterin Christine-Ranke Heck, dass ihre Fraktion den Entwurf unterstützen werde. Gabriele Jakob, Fraktionsvorsitzende der CDU, äußerte hingegen große Skepsis. Die Anwohner beabsichtigen, auf der Sitzung ein weiteres Mal ihre Bedenken kundzutun, bereiten sich aber bereits jetzt auf eine juristische Auseinandersetzung vor. „Letztlich bleibt uns nichts anderes übrig, als zu klagen“, sagt Wolfgang Scheffler, Beiratsvorsitzender der Wohngemeinschaft, deren Häuser am geplanten Wasserwerk liegen.

Die Sitzung des Bezirksrats Döhren-Wülfel fand am Donnerstag um 18 Uhr im Freizeitheim Döhren statt.

von Dario Sarmadi