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Süd Widerstand gegen Flüchtlingswohnheime
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Widerstand gegen Flüchtlingswohnheime
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13:17 23.01.2014
Der Standort am Festplatz ist ebenso umstritten, wie der Bau plant nahe der Grundschule An der Feldbuschwende (Bild). Quelle: Schwarzenberger
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Bemerode

Ein rasches Planverfahren für den Standort Am Sandberge bremste der Bezirksrat Kirchrode-Bemerode-Wülferode in seiner jüngsten Sitzung aus. Die Kommunalpolitiker forderten die Stadt auf, stattdessen eine Alternative an der Wülferoder Straße untersuchen. Der zweite Bauplatz, der sich an der Oheriedentrift befindet, passierte zwar den Bezirksrat. Dagegen aber laufen jetzt Anwohner Sturm.

Mit knapper Mehrheit setzte Rot-Grün im Bezirksrat einen Änderungsantrag der SPD durch. Demnach soll die Stadt sich von ihrem Vorhaben verabschieden, auf dem Bemeroder Festplatz Am Sandberge ein Flüchtlingsheim zu errichten. Keine Fraktion wollte auf den für öffentliche Veranstaltungen wie dem Schützenfest genutzten Stadtteilplatz verzichten.

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Dass eine solche Entscheidung fallen würde, war schon vor Wochen klar, als die Stadtverwaltung dem Gremium ihre Pläne vorstellte. Obwohl Stadtplanungsleiter Michael Heesch damals zur Eile mahnte, zog die CDU die Verwaltungsvorlage zur weiteren Beratung in ihre Fraktion. Nun schwenkte auch die SPD-Ratsfraktion auf die kritische Linie der Christdemokraten ein. Als Alternative soll die Stadt eine brach liegende Fläche an der Wülferoder Straße untersuchen, die zwischen dem Hotel Ramada und den Stadtbahngleisen an der Kattenbrookstrift liegt.

Auch auf dem Kronsberg plant die Stadt ein Flüchtlingsheim für bis zu 50 Menschen. Vorgesehen ist eine Baufläche an der Oheriedentrift in Kronsberg-Nord, gleich neben der Grundschule An der Feldbuschwende. Das Haus soll wenigstens für zehn Jahre als Flüchtlingsunterkunft genutzt werden. Während Rot-Grün mit diesem Ort kein Problem hat, meldete die CDU Kritik an. „Die Stelle ist unglücklich gewählt“, sagte Fraktionsvorsitzende Petra Stittgen. Bei den Bewohnern handele es sich häufig um alleinstehende Männer. Die Lage in direkter Nachbarschaft sei deshalb nicht gut. Die CDU lehnte die Verwaltungsvorlage ab.

Eine Gruppe von Kronsberg-Anwohnern unterstützte die Haltung der CDU. Sie sorge sich um die Schüler, die oft allein zur Schule unterwegs seien, sagte eine Besucherin. „Viele werden ihre Kinder nur noch im Auto bringen und abholen.“ Wie sie sind viele Anwohner verärgert über die Aussicht, dass die Grundschule ein Flüchtlingsheim als direkten Nachbarn bekommt. Sollten vorwiegend junge, alleinstehende Männer dort untergebracht werden, könne das zu Kriminalität führen, befürchtet etwa Michael Nusser. Eine Frau bat die Stadt unter Tränen darum, einen anderen Standort zu suchen. Andere befürchten einen Werteverlust ihrer Wohnhäuser oder sorgen sich darum, dass das Baugebiet im Norden des Kronsbergs keine neuen Bewohner mehr anlockt - und sich damit sowohl Schule als auch Wohnheim dauerhaft in einer isolierten Lage befänden. „Ein anderer Standort inmitten eines Wohngebiets wäre besser“, sagte ein Mann. Er sei nicht gegen ein solches Heim im Stadtbezirk. „Aber nicht neben einer Schule.“

Anwohner Nusser, der an der Hochschule Hannover Volkswirtschaftslehre unterrichtet, kritisierte die Standortwahl auch aus Kostengründen. Das Neubaugebiet auf dem Kronsberg sei als Passivhaussiedlung geplant. Solche Gebäude bedeuteten wegen der Bauauflagen hohe Mehrkosten von mehreren zehntausend Euro. „Wir prüfen eine Sammelklage gegen die Stadt“, sagte Nusser. Für den Fall, dass das Heim auf dem Kronsberg aus Kostengründen am Ende gar nicht dem Passivhausstandard entspräche, der gleich nebenan privaten Investoren auferlegt würde.

Von Marcel Schwarzenberger

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