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Süd Zum sechsten Mal „KulturLustWandeln“
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Zum sechsten Mal „KulturLustWandeln“
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11:21 23.09.2010
Frauen der Kulturinitiative und kostümierte Anwohner der Landwehrstraße lassen die Geschichte hochleben.
Frauen der Kulturinitiative und kostümierte Anwohner der Landwehrstraße lassen die Geschichte hochleben. Quelle: Valentin
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Während des Kulturspaziergangs bot sich zugleich die Gelegenheit, in vielen sonst verborgenen Gärten bei Kaffee und selbst gebackenem Kuchen mit den Nachbarn zu plaudern. Kurt Kreipe zum Beispiel hatte sein Gartenparadies in der Bernwardstraße geöffnet. In den von Efeu umgrünten Nischen und am Teich sammelten sich schon am frühen Nachmittag die Gäste. Mittendrin zeigte der Döhrener Bernd Sidon seine Kunst aus farblich verfremdeten Materialien der Natur.

Ein rundes Jubiläum hatte das Haus Landwehrstraße 77 zu bieten. 100 Jahre ist es alt, und mehrere Mitbewohner hatten sich aus diesem Anlass mit eleganter Bekleidung im Stil von 1910 kostümiert. Ingrid von Drathen machte auf die drei Kaiser aufmerksam, die als Relief an dem Gebäude verewigt sind, und im Treppenhaus trug Uwe Reinbeck Gedichte von Kästner bis Ringelnatz vor.

Stolz auf ein volles Jahrhundert war auch das Haus Helenenstraße 37 mit der auffälligen Eule am Erker. Zu den Klängen von Original-Schellackplatten konnte man dort im Restaurant „Il Gufo“ die alten Baupläne bestaunen. Das Grammophon kam vom Antiquariat „Birrgarten“ gegenüber, in dem sich die Besucher geradezu drängten. Draußen vor der Tür hatte Hans Gothe derweil ein Foto-Rätsel zu markanten Döhrener Fassaden arrangiert.

Bei der Firma Kellner-Bau in der Zeißstraße zeigte Margret Costantini ihre Bilder aus Sand; unter ihrer Anleitung übten sich auch Kinder und Erwachsene in der Kunst der Sandmalerei. In den Räumen eines Planungsbüros am Uhrturm weihte Ulf Petersen die Zuschauer in die Geheimnisse des Siebdrucks ein. Auch Jürgen Gürtzgen und Peter von Drathen hatten 45 kleinere Arbeiten angefertigt, die als „Kunst in der Wundertüte“ innerhalb kürzester Zeit verkauft war. Der Erlös ging zum Teil an die Kulturinitiative Döhren-Wülfel-Mittelfeld, die erheblich zum Gelingen des Kulturspaziergangs beigetrug.

Mit der Aufführung des Kindermusicals „Der kleine Tag“ unter Leitung von Ellen Grützmacher freute sich die St.-Petri-Kirche zweimal über ein volles Haus. Mit irischen Liedern an der Harfe beeindruckte Milena Hoge das Publikum in der Flebbestraße, verspielte Flötentöne von Mozart verlockten zu einem Halt bei Hannemie Süllow in der Kastanienallee. Neben echtem Kuchen waren hier auch Seifenstücke zu haben, die süßen Naschereien vom Konditor täuschend ähnlich sahen.

Eine gemütliche Runde hatte sich bei Manfred Schulze an der Emsstraße versammelt. Hauptamtlich in der Poststelle einer großen Verwaltung tätig, überraschte er seine Gäste mit eigener Lyrik passend zur Jahreszeit. Gleich um die Ecke an der Allerstraße hatte Dirk Fehlauer eine ganz andere Idee zur Nachbarschaft. Sein Gartenhäuschen baute er flugs zur „Nachbar“ um, mit 4,8 Quadratmetern für einen Tag die wahrscheinlich kleinste Kneipe der Stadt. Mit Gitarre und Banjo gaben sich er und sein Mitstreiter Wolfgang Düe den Namen die „Wollespinner“. Spätestens beim zweiten Ständchen war die Sache klar: Beide sind sonst in Hannover bekannt als Musiker der „Bourbon Skiffle Company“.

Gerda Valentin