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Südstadt Wie ließe sich Kinderarbeit verhindert?
Hannover Aus den Stadtteilen Südstadt Wie ließe sich Kinderarbeit verhindert?
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08:00 01.07.2017
Achtklässler informieren sich über Kinderarbeit.
Achtklässler informieren sich über Kinderarbeit. Quelle: Uwe Dillenberg
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Hannover

Johanna wüsste, wie man die Kinderarbeit auf dieser Welt verhindern könnte: „Die Reichen sollten etwas von ihrem Geld an Kinder spenden, damit die nicht mehr arbeiten müssen.“ Die 14-jährige Achtklässlerin und ihre Mitschüler diskutieren angeregt über dieses Thema. Julia hält die Idee für richtig, gibt aber zu bedenken, dass wohl niemand so schnell spenden werde, wenn er sein Leben lang für das Geld gearbeitet habe. Das Thema Kinderarbeit stand bei den vier Klassen des achten Jahrgangs der Bismarckschule im Mittelpunkt von zwei Projekttagen, die alle zwei Jahre an den Unesco-Projekt-Schulen ausgerichtet werden.

Dabei erfuhren die Schüler zum ersten Mal, dass auch hinter der Schokolade vieler Firmen Kinderarbeit steckt. Die benötigten Kakaobohnen werden von Kindern geerntet, die teilweise jünger sind als sie selbst. „Unser Ziel war es auch, den Schülern bewusst zu machen, was dahinter steckt“, sagt Unesco-Koordinatorin Nina Kossack. In sechs Doppelstunden hatte die Unesco-AG den Ablauf des Projektes entwickelt und geplant.

2 Cent für 300 gefüllte Streichholzschachteln

Um den 13- bis 14-Jährigen zu vergegenwärtigen, was die Kinder in Afrika oder Asien in jungen Jahren leisten müssen, mussten auch sie ein paar dieser Aufgaben ausprobieren. Dazu gehörte es, Teppiche zu knüpfen, Schuhe zu putzen oder Streichhölzer zu sortieren. Schockierend: Ein Kind in Südindien erhält für 200 gefüllte Streichholzschachteln eine Rupie – das sind umgerechnet nicht einmal 2 Cent.

In einer Diskussionsrunde sollten die Schüler dann in verschiedene Rollen schlüpfen. Was würde der Konsument, der billig einkaufen will, zu einem Verbot von Kinderarbeit sagen? Und was ein betroffenes Kind selbst? „Jeder sollte bei jedem Kauf einfach etwas spenden. Das wird auf den Preis draufgerechnet“, findet die 14-jährige Nele. Damit könne man die Kinder, die arbeiten müssen, versorgen.

Die Schüler wollen nun selbst aktiv werden: Jeder Schüler soll eine Stunde lang für den früheren Mindestlohn von 8,50 Euro arbeiten. Der Erlös geht an ein Unicef-Projekt in Bangladesch. „Wir haben gerade die achte Klasse für dieses Thema ausgesucht, weil man ab 14 Jahren in Deutschland Nebenjobs annehmen darf“, sagt Nina Kossack. Den Schülern hat es gefallen. „Ich habe Spaß gehabt und auch viel gelernt“, sagt Julia. Einige wollen beim Kauf von Schokolade nun auf das Fair-Trade-Siegel achten.

Von Madeleine Buck

26.06.2017
24.06.2017