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Südstadt Hörgeschädigte Schüler führen Tanzstück auf
Hannover Aus den Stadtteilen Südstadt Hörgeschädigte Schüler führen Tanzstück auf
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10:00 16.12.2016
Jeder Schritt ist genau einstudiert: Die Tänzer spielen eine Szene auf dem Schulhof.
Jeder Schritt ist genau einstudiert: Die Tänzer spielen eine Szene auf dem Schulhof. Quelle: Sonja Steiner
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Hannover

„Deshalb arbeiten wir zur Orientierung viel mit lautem Klatschen und Einzählen“, erklärt die Leiterin der Tanz-AG und Lehrerin Christina Kattenberg nach der Generalprobe. Sie ist selbst hörgeschädigt und tanzt seit frühester Jugend.

In dem Stück zeigen die Schüler den Alltag in der Schule. Da gibt es eine Szene auf dem Schulhof, in der man sich mit coolem Abklatschen begrüßt, die Langeweile beim Unterricht zeigen sie, indem sie synchron mit dem Ellbogen langsam vom Tisch rutschen. Besonders berührend ist die romantische Szene, in der ein Paar zu der „Habanera“ von Georges Bizet tanzt. „Ich habe mir die Schüler während des Unterrichts angeschaut und daraus einiges mit aufgenommen“, erzählt Ole Driever. Der 28-jährige Profi-Tänzer hat schon auf den großen deutschen Bühnen getanzt. Für ihn ist es die erste eigene Choreografie. „Im Profi-Tanz schlagen die Tänzer dem Choreografen eigene Figuren vor, das konnte ich von den Schülern natürlich nicht verlangen, aber sie haben eigene Gesten mit eingebracht wie zum Beispiel das Abklatschen“, berichtet er. Gleich nach Beginn des neuen Schuljahres begannen die Proben, zum Schluss wurde eine ganze Woche durchgeübt.

„Das Training war sehr anstrengend, aber hat sehr viel Spaß gemacht“, erzählt die 15-jährige Luna. „Ich habe vorher noch nie getanzt, aber ich liebe Musik. Und es war eine tolle Möglichkeit, dass Ole zu uns kam, ich bin schwer beeindruckt von dem, was er kann“, ergänzt die gleichaltrige Büsra. Der 17-jährige Pietro hingegen ist schon halber Profi - er tanzt seit seinem siebten Lebensjahr im Verein. „Ich mag vor allem die Latino-American-Tänze“, berichtet er. In der getanzten Schulstunde ist von allen klassischen Tanzrichtungen etwas mit dabei, aber auch moderne Stilrichtungen wie Hip-Hop. „Den haben auch die Schüler mit eingebracht“, verrät Driever. Ein Schüler verdient dabei besondere Hochachtung, finden Büsra, Pietro und Luna: „Ajan kann überhaupt nichts hören, und er tanzt wirklich großartig!“

Nach der ausverkauften Premiere im Ballhof 1 sind bis auf eine interne Aufführung keine weiteren geplant. „Das ist eigentlich sehr schade“, meint Christina Kattenberg mit Blick auf die intensiven Proben. Sie kann sich gut vorstellen, das Stück noch einmal zu zeigen. „Vielleicht auch in kleinerem Rahmen oder in Ausschnitten.“ Im nächsten Schuljahr möchte sie wieder ein neues Stück einstudieren - dann vielleicht sogar eines aus eigener Feder.

Von Sonja Steiner