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Südstadt Neuer Soundwalk führt "am Paradies entlang"
Hannover Aus den Stadtteilen Südstadt Neuer Soundwalk führt "am Paradies entlang"
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12:00 24.06.2017
Idyll zwischen Vogelgezwitscher und Großstadtgeräuschen: Der Friedhof wurde vor mehr als 150 Jahren angelegt.
Idyll zwischen Vogelgezwitscher und Großstadtgeräuschen: Der Friedhof wurde vor mehr als 150 Jahren angelegt. Quelle: Von Marius Klingemann
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Hannover

Der Stadtfriedhof Engesohde bietet auf seinem rund 21 Hektar umfassenden Areal zahlreichen berühmten Hannoveranern eine letzte Ruhestätte. In urig-idyllischer Atmosphäre finden sich hier etwa die Grabmäler des Architekten Georg Ludwig Friedrich Laves, des ehemaligen Stadtdirektors Heinrich Tramm oder auch von Kurt Schwitters. Der 1948 verstorbene Dadaist ist nun Teil einer ganz besonderen Friedhofstour.

„Peregrinato Paradiso“, zu Deutsch sinnhaft „Wege am Paradies entlang“, heißt ein Soundwalk, den der Berliner Klang- und Medienkünstler Georg Klein in Zusammenarbeit mit dem in Springe ansässigen Verein Hermannshof entworfen hat. Zwölf Stationen, darunter Schwitters’ Grab, umfasst diese circa 45-minütige Audio­erkundungsreise, die am großen Wasserbecken im südlichen Bereich des Friedhofes endet. Zur Premiere empfing Klein 15 Teilnehmer, unter ihnen Pastor Steffen Voss von der Südstadt-Gemeinde.

"Paradies" bedeutet "Einfriedung"

Info:

Die „Peregrinato Paradiso“ können ab sofort zu den Öffnungszeiten des Friedhofes beschritten werden. Die Audiodateien, die den Weg leiten, finden sich unter www.aporee.org/mfm/web.

Im Mittelpunkt der Audiotour, für die ein Smartphone samt Kopfhörern benötigt wird, steht neben Informationen zur Geschichte der vor etwas mehr als 150 Jahren angelegten Anlage zwischen Hildesheimer Straße und Maschsee die Frage, wie sich die Menschen ihr persönliches Paradies vorstellen. Von friedlichem Vogelgezwitscher begleitet, das aber auch immer wieder von der Unruhe des Stadtlebens unterbrochen wird, schildern dabei blinde Interviewte ihre Gedanken und laden die Besucher so zum Sinnieren ein.

Der Soundwalk erklärt, dass der Begriff „Paradies“ ursprünglich aus dem Persischen stamme und dort so viel wie „Einfriedung“ bedeute. Kann der Engesohder Friedhof solch einer Vorstellung also gerecht werden?

Nicht nur christliche Gräber

Fakt ist, dass hier nicht nur christliche, sondern auch die Gräber anderer Religionen und Volksgruppen zu finden sind. Der Rundgang führt unter anderem am Sinti-Grab und der Ruhestätte der jüdischen Familie Spiegelberg entlang. Ein Paradies, das „ohne jeden Ausschluss, ohne jede religiöse Zugangsberechtigung“ auskäme – dies ist für Audioguide-Macher Klein eine Idealvorstellung.

Eine weitere Station ist das sogenannte Schmiedeeiserne Grab – heute ein seltener Anblick, da dieses Material in Kriegszeiten häufig für die Herstellung von Kanonen konfesziert worden sei. Er habe bewusst auch Stätten „mit einem gesellschaftspolitischen Hintergrund“ ausgewählt, sagt Klein. In den Audiointerviews sticht ein Gedanke schnell heraus: Das Paradies sollte ein ursprungsbelassener Ort sein – ohne Einflussnahme des Menschen. Unterlegt wird dieser Gedanke durch Ausschnitte aus Ovids „Metamorphosen“, in welchen die „sorglosen Völker“ des „goldenen Zeitalters“ ihr Leben auf der „unberührten Erde“ verbringen.

Von Marius Klingemann

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