Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus den Stadtteilen Bettler lagern vor citynahen Supermärkten in Hannover
Hannover Aus den Stadtteilen Bettler lagern vor citynahen Supermärkten in Hannover
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:37 06.10.2010
Andreas' Stammladen ist der Netto-Markt am Engelbosteler Damm - auch wenn er ihn nur selten von innen sieht. Quelle: Uwe Dillenberg

Andreas sitzt neben dem Supermarkteingang auf einem leuchtend grünen Plastikhocker. „Ist besser, als auf dem Boden zu sitzen“, sagt er. Seit zehn Jahren steht der Stadtstreicher, der seinen Nachnamen nicht nennen möchte, fast täglich vor dem Netto-Markt auf dem Engelbosteler Damm und bettelt. In der Nordstadt ist er ein bekanntes Gesicht, fast jeder kennt ihn. Häufig stecken ihm Passanten ein paar Euro zu. Einen Arbeitsplatz hat der 54-Jährige nicht. Mehrere Lehren hat er begonnen – und sie bald wieder abgebrochen. „Ich habe mal eine Ausbildung zum Koch angefangen, das hat richtig Spaß gemacht“, erzählt er. „Leider bin ich an der Zubereitung von Ente à l’orange gescheitert.“ Die Hoffnung auf eine Festanstellung hat Andreas längst aufgegeben.

Seit einiger Zeit bewohnt Andreas ein Zimmer, das das Sozialamt bezahlt, im Werkheim Hannover. Davor hatte er lange Zeit keine Unterkunft. Die letzte Wohnung verlor er, nachdem seine Freundin sich von ihm getrennt und den gemeinsamen Sohn mitgenommen hatte. Da sie in die Nordstadt gezogen war, bezog er seinen Standort vor dem Lebensmittelmarkt. Viele der Kunden behandeln ihn freundlich, geben ihm Kleingeld oder bringen auch mal ein Fertiggericht aus dem Laden mit. Den meisten aber ist er egal: „Am Anfang war ich oft genervt davon, dass er mich ständig angebettelt hat, mittlerweile stört es mich nicht mehr“, sagt etwa Tobias Witte.

Vor nahezu jedem Supermarkt im Stadtgebiet stehen Bettler. Hier sind nicht nur die Chancen auf Geld am größten, sondern auch die Möglichkeit, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen. Viele Bettler treffen sich vor den Märkten oder versuchen, ein paar Worte mit den Passanten zu wechseln. Die Mitarbeiter des Netto-Marktes in der Nordstadt tolerieren Andreas vor ihrem Eingang. „Er ist friedlich, Ärger hatten wir mit ihm noch nie“, sagt Diana Manschke, stellvertretende Filialleiterin.

In den meisten Supermärkten beschweren sich zwar ab und zu Kunden, die Mitarbeiter ziehen es jedoch vor, Konflikte zu vermeiden. Manschke hätte zwar das Recht, den Stadtstreicher wegzuschicken, da er aber manchmal sogar den Müll vor dem Laden wegräumt, sieht sie keinen Grund dafür.

Auch der Filialleiter eines Edeka-Supermarktes auf der Lister Meile zeigt sich nachsichtig. Vor seinem Laden steht oft eine Frau, die den Kundenstrom nutzt, um das Straßenmagazin „Asphalt“ zu verkaufen. „So etwas unterstützen wir natürlich“, sagt der Geschäftsführer, der namentlich nicht genannt werden will. Ein Hausverbot erteilen die Filialleiter meist nur denjenigen, die aggressiv betteln oder Kunden anpöbeln. Oft rufen sie dann die Polizei zu Hilfe.

„Wir haben kein Problem, wenn jemand nur herumsitzt“, sagt Rüdiger Wiehr von der Polizeiinspektion West. Gibt es jedoch Konflikte, so hätten die Beamten mehrere Eingriffsmöglichkeiten. Meistens erteilen sie Platzverweise, die von der Mehrheit der Angesprochenen auch befolgt werden, wenn auch nur für kurze Zeit.

Auch ein Lebensmittelgeschäft in der Schlägerstraße, das namentlich nicht genannt werden möchte, hat große Probleme mit ungebetenen Gästen vor seiner Eingangstür. Täglich trifft sich dort eine Gruppe von Drogenabhängigen, die meist auch stark alkoholisiert sind. „An manchen Tagen stehen da bis zu 30 Leute, die grölen und Passanten anpöbeln“, erzählt eine Kassiererin. „Das ist absolut widerlich.“ Verjagen kann der Filialleiter die Gruppe nicht, da der Gehsteig nicht mehr zum Laden, sondern zur Stadt gehört. Eigens engagiertes Sicherheitspersonal konnte die Gruppe zwar verscheuchen, aber als die Wachleute abgezogen worden waren, standen die Drogenabhängigen wieder vor der Ladentür.

Viele Bettler geben an, nicht auf Ärger aus zu sein. Auch Andreas will lieber mit anderen Menschen ins Gespräch kommen, bietet oft an, auf Fahrräder oder Hunde aufzupassen. Trotzdem hört er auch Pöbeleien von Passanten. „Da muss man ruhig bleiben, darf sich gar nicht erst drauf einlassen“, sagt er.

Isabel Christian

15 zum Teil nagelneue Einkaufswagen, zehn Fahrräder und vier komplette Straßenabsperrungen: Die Metallschrottberge, die am Wochenende von Ehrenamtlichen aus der Ihme zwischen Schnellem Graben und Ihme-Zentrum gefischt wurden, können sich sehen lassen.

Conrad von Meding 13.09.2010
Aus den Stadtteilen Bothfeld, Groß-Buchholz, List und Lahe - Räuber sticht sich in die Brust

Ein 31-jähriger mutmaßlicher Handtaschenräuber hat sich während eines Polizeieinsatzes in seiner Wohnung ein Messer in den Oberkörper gerammt. Der Mann wird verdächtigt, in den vergangenen Monaten mehrere Seniorinnen in den Stadtteilen Bothfeld, Groß-Buchholz, List und Lahe überfallen zu haben.

Vivien-Marie Drews 02.09.2010

Sanieren, modernisieren, um- und neubauen: In den Sommerferien bringt die Stadt Schulen und Kitas in den nördlichen Stadtteilen in Schuss - und fördert gleichzeitig Wirtschaft und Handwerk.

30.07.2010