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Aus den Stadtteilen „Eine Zumutung für die Vereine“
Hannover Aus den Stadtteilen „Eine Zumutung für die Vereine“
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15:00 01.03.2015
Krisensitzung: Trainer Andreas Fuge bespricht die Anreise zum Training am Kronsberg.
Krisensitzung: Trainer Andreas Fuge bespricht die Anreise zum Training am Kronsberg. Quelle: Moers
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Ahlem

Die Vorsitzenden sprechen von einer „katastrophalen Situation“. Trainer, Spieler und Eltern sind in Sorge, weil der Sport nur noch unter großen Einschränkungen möglich ist. Eine Jugendmannschaft der Handballspielgemeinschaft Hannover-West (HSG) musste bereits aufgelöst werden. Von der Stadt und dem Bezirksrat fühlen sich die Vereine im Stich gelassen.

Zweimal in Folge ist die erste Herrenmannschaft der HSG mit Trainer Gerd Pöpperling aufgestiegen. Jetzt steht sie knietief im Tabellenkeller. Doch statt konzentriert gegen den Abstieg zu trainieren, muss Pöpperling derzeit vor allem organisieren: „14 Trainingszeiten sind über Nacht weggefallen. Wenn wir bis Ostern keine Lösung anbieten können, sieht es schlecht aus.“ Während andere Vereine mehrere Hallen nutzen, trainieren die 142 Handballer fast nur im Schulzentrum. Um Ersatz für die verlorenen Zeiten mussten sie sich selber kümmern. Nur einen Abend in einer Turnhalle am Kronsberg bot ihnen die Stadt an. „Da krieg’ ich keine Leute hin. Die Kinder kommen normalerweise mit dem Roller oder Fahrrad zum Training“, ärgert sich Pöpperling.

Inzwischen sind die 16 Mannschaften der HSG auf sechs Hallen verteilt. Notlösungen bestimmen den Trainings- und Spielalltag. Eine Ausweichhalle in der Grundschule Ahlem ist viel zu klein. In der IGS Linden teilen sich mehrere Mannschaften die raren Zeiten. „Vor allem für die Jugendlichen ist die Situation ein großes Problem“, sagt HSG-Spieler Roland Mirek. Eine C-Jugend-Mädchenmannschaft wurde bereits aufgelöst. „Hätte man uns vorab informiert, hätten wir einen Plan B gehabt“, kritisiert die HSG-Vorsitzende Heike Messerschmidt. Bis heute hätten die Vereine von der Stadt keine verbindliche Zusage bekommen, wann die Halle wieder verfügbar ist. In einem Schreiben des Oberbürgermeisters ist der 3. September 2015 als voraussichtlicher Termin genannt. „Ein ewiges Verschieben, damit können wir nicht planen“, ärgert sich Trainer Pöpperling.

Die 20 Ahlemer Kunst- und Einradler von Hannovers einzigem Verein für Kunstradsport (VfK) sind notgedrungen in einem Ausweichquartier in einer Halle in Hainholz untergekommen. Der Transport ihrer Räder belastet das Material und die Nerven der Mitglieder. „Mit den Flüchtlingen hat unsere Kritik nichts zu tun“, betont Vereinschefin Monika Barthel. „Hier geht es um die Situation der Vereine - die ist eine Zumutung ohnegleichen.“ Privat engagiert sich Barthel in der Ahlemer „Willkommenskultur“, mit syrischen Flüchtlingen ist sie seit Monaten privat befreundet. Die Vereine haben aber noch eine Sorge: „Dass am Ende die Halle unbrauchbar ist oder doch mit der Schule abgerissen wird - das ist mein Supergau“, sagt Pöpperling. Die Vorsitzenden der betroffenen Klubs HSG, VfK und SV Ahlem wollen nun einen Runden Tisch mit Stadt und Bezirksrat organisieren.

Auch Schüler betroffen: Für 270 Haupt- und Realschüler der Ahlemer Heisterbergschule bedeutet der Verzicht auf die Turnhalle, dass der Sportunterricht nur noch eingeschränkt in einer kleineren eigenen Halle stattfindet. „Feldspiele und alles, was Platz braucht, geht dort nicht“, sagt Schulleiterin Angelika Wittwer. „Wir haben vollstes Verständnis für die Notsituation der Flüchtlinge. Wir hoffen aber auch, dass die Halle zum Schulbeginn wieder zur Verfügung steht.“