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Aus den Stadtteilen Auf die schiefe Bahn gekommen
Hannover Aus den Stadtteilen Auf die schiefe Bahn gekommen
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06:00 26.02.2015
Testlauf vor dem großen Tag: In seinem Wohnzimmer in Oberricklingen hat Ortwin Grüttner etliche Murmelbahnen aufgebaut. Quelle: Schwarzenberger
Oberricklingen

„Plus vier Meter Startfläche für die Murmeln“, sagt Grüttner, der in seinem Haus an der Wallensteinstraße die letzten Vorbereitungen für den großen Tag trifft. Dort ist auch „Murmiland“ zu Hause - jene mobile Murmelbahnausstellung, die er seit 25 Jahren immer weiter wachsen lässt. Das Jubiläum wird jetzt mit einer Sonderschau im Freizeitheim gefeiert.

Tausende Murmeln auf einer verwinkelten Bahn mit Klangstrecken, Ministraßen, fein modellierten Spielecken und anderen Hindernissen - das wird ein Weltrekordversuch. Die Leute vom Guinnessbuch der Rekorde sind zwar nicht dabei, weil sie diese Kategorie gar nicht vorsehen. Aber das Fernsehen habe sich angekündigt, sagt Grüttner. Der Mann, Anfang fünfzig und von zurückhaltender Art, nimmt die Aufmerksamkeit um seine Murmelbahnen als gegeben hin. Er hat sich daran gewöhnt, dass die Konstruktionen, denen er einen Großteil seiner Freizeit widmet, Aufmerksamkeit erregen. Und er kennt auch die anderen Murmelrekorde: Bahnen aus Sand, Minibahnen mit wenigen Zentimetern Durchmesser und die bisher längste Murmelbahn. „Die misst 1413,67 Meter und steht seit 2014 in Bremen“, sagt Grüttner. Aber sie sei nicht sonderlich aufregend. „Das sind einfache Plastikbahnen.“ Ganz im Gegensatz zu Grüttners Anlagen, die Kunstwerke aus Holz sind.

Grüttner lebt mit seiner Ehefrau in einer Doppelhaushälfte im ältesten Teil der Wallensteinstraße. Dort ließ die Lindener Hanomag-Fabrik einst Heimstätten für ihre Arbeiter hochziehen. „Die hatten einen kleinen Garten und einen Hühnerstall zur Selbstversorgung“, sagt Grüttner. Von einer dieser Arbeiterfamilien kaufte er das Haus und riss den Hühnerstall ab. Inzwischen gibt es einen Anbau, in dem das Wohnzimmer untergebracht ist - das Besucher ohne Vorkenntnis von Grüttners Leidenschaft kaum als solches erkennen würden. Es gibt gerade noch Platz für eine Sitzecke, einen Tisch und ein paar Regale. Ansonsten ist der Raum mit hölzernen Gerüsten voller Kugelbahnen, geschnitzten Drachen, schiefen Ebenen, handgefertigten Flipperautomaten und jeder Menge beweglicher Holzteile gefüllt. Den Keller braucht Grüttner zum Bauen, die fertigen Murmelbahnen stehen aber im Erdgeschoss. Seine Frau, sagt er, trage das mit. „Aber zu voll darf es nicht werden.“ Im Obergeschoss gebe es murmelbahnfreie Zimmer, versichert der Bastler. Wie viele Bahnen er bislang gemacht hat, weiß er nicht genau. 50 Stück werden im Freizeitheim ausgestellt. „Etwa zehn dürften dann noch übrig bleiben“, schätzt er.

Die ersten Bahnen entstanden aus Karton. Beim Zivildienst, den Grüttner in einer Schule ableistete. Er interessierte sich für technische Abläufe und dafür, wie sich komplizierte Anlagen verbinden lassen. Modelleisenbahnen waren ihm nicht spannend genug. Er stieg von Pappe auf Holz um und begann, spielerische Elemente für seine Murmelbahnen Stück für Stück selber zu fertigen. 1990 machte er eine erste Ausstellung im Haus der Jugend - es war der Auftakt von „Murmiland“. Oftmals kommen beim Bau einer Bahn schon Ideen für die nächste. Es gibt Burgen mit labyrinthischen Gängen, versteckten Räumen, Klappen und Kurbeln. Es gibt eine Bibliothek, wo die Glaskugeln über Buchrücken gleiten, und eine Elefantenkarawane, deren Figuren die Murmeln von Rüssel zu Rüssel weiterreichen. An manchen Anlagen arbeitet Grüttner bis zu einem Jahr. Oft schauen Kinder aus der Nachbarschaft vorbei und helfen beim Bauen. Oder auch beim Transportieren. Grüttner verkauft seine Anlagen nicht, aber stellt sie in ganz Norddeutschland aus - bei Festen oder in Einrichtungen wie dem Spielmuseum Soltau. Dort können junge und ältere Besucher die Anlagen ausprobieren. Rund 40 Termine hat er im Jahr. Das braucht Zeit und einen flexiblen Arbeitgeber. Den hat Grüttner in einer Maschinenfabrik bei Laatzen gefunden. „Dort bin ich seit 24 Jahren.“ Und „Murmiland“ wird 25.

Die Ausstellung „25 Jahre Murmiland“ mit 25 Murmelbahnen startet am Freitag, 27. Februar, um 15 Uhr im Fritz-Haake-Saal des Freizeitheims, Ricklinger Stadtweg 1. Sie ist bis zum 12. März zu sehen. Öffnungszeiten: montags bis sonnabends von 9-18 Uhr, sonntags von 10-18 Uhr. Eintritt: Kinder bis 14 Jahre 3 Euro, Erwachsene 5 Euro.

Von Marcel Schwarzenberger

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