Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus den Stadtteilen Etwas Angst nach dem ersten Kuss
Hannover Aus den Stadtteilen Etwas Angst nach dem ersten Kuss
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:00 28.02.2015
„Wir sind aufeinander eingestellt“: Hildegard und Siegfried Rudolph mit ihrem Hochzeitsfoto. Quelle: Weiße
Badenstedt

Wie oft sie ihren Siegfried seitdem geküsst hat, kann sie längst nicht mehr zählen: Die beiden haben jetzt ihre Gnadenhochzeit gefeiert. Vor 70 Jahren gaben sie sich in der Paul-Gerhardt-Kirche in Badenstedt das Jawort. In der Empelder Straße ist Hildegard Rudolph aufgewachsen - noch heute wohnen sie und ihr Mann in der gleichen Straße.

Kennengelernt hat sich das Paar auf einer Geburtstagsfeier einer Schulfreundin. Am 7. Oktober 1941. Siegfried war eingeladen, weil die Mutter des Geburtstagskindes den 17-Jährigen mit ihrer Tochter verkuppeln wollte. Stattdessen brachte der junge Mann mit den schwarzen Haaren Hildegard nach Hause. „Sie war so lebhaft“, erzählt der 90-Jährige. Sie sagt: „Mir gefiel alles an ihm, von A bis Z.“ Noch an demselben Tag gab es den ersten Kuss. Fortan fuhren beide regelmäßig morgens mit der Straßenbahn von Badenstedt in die Stadt, wo er Maschinenbau studierte und sie als Kanzleiangestellte im Wirtschaftsministerium arbeitete. Nachmittags holte er sie ab. „Mein Chef sagte immer: Der Mann mit dem braunen Hut ist wieder unten. Ihr Vater sei von ihrem Freund zunächst entsetzt gewesen: „Ich war ja gerade erst 15!“

Nach drei Semestern musste Siegfried in den Krieg. Er bekam Diphtherie. „Ich war zwei Monate blind und musste das Laufen ganz neu lernen.“ Hildegard pflegte ihn. Kurz darauf machte er ihr einen Heiratsantrag. Auch zu ihrem Schutz: „Eine Kommission suchte Mädchen aus, die nach Jugoslawien sollten. Verheiratete wurden nicht genommen“, sagt die Gnadenbraut. Für das Hochzeitsessen wurde alles zusammengekratzt, was da war. Immerhin fuhr das Brautpaar mit der Kutsche zur Kirche, Blumenmädchen streuten Blüten.

Nach dem Krieg holte Siegfried Rudolph sein Studium nach, bekam aber zunächst keine Arbeit. So machten sich beide selbstständig: 20 Jahre führten sie eine Gardinenspannerei und Wäscherei in Badenstedt. „Wir hatten 21 Annahmestellen in Hannover, 500 Kilo Wäsche haben wir am Tag gewaschen.“ Trotz der Geburt von Tochter Christiane und Sohn Dietmar konnte Hildegard Rudolph weiter arbeiten. Das Geschäft war im selben Haus wie die Wohnung, die Kinder wurden von der Urgroßmutter betreut. Später fand Siegfried Rudolph eine Anstellung in seiner Fachrichtung, und seine Frau arbeitete als Buchhalterin.

In ihrer Freizeit verreisten beide gern mit dem Wohnwagen nach Bayern oder an den Rhein. Auch die sieben Enkel hielten sie auf Trab. Mittlerweile sind neun Urenkel dazugekommen. Zwar ist die 88-Jährige pflegebedürftig, doch die Pflege übernimmt ihr Mann. „Wir sind aufeinander eingestellt“, sagt er. Sie halten sich beim Erzählen auf der Couch an der Hand, einmal rückt Hildegard ihm liebevoll die Brille zurecht. Und wenn sie einmal aufsteht, sagt Siegfried: „Komm schnell wieder!“ Vertrauen, Ehrlichkeit und gegenseitige Achtung - das ist ihr Rezept für eine lange Ehe. Gestritten hätten sie aber auch. Meistens sei es um die Kinder gegangen. „Man kann Ärger nicht immer runterschlucken“, sagt Hildegard Rudolph. Als sie Bilder aus ihrer Jugend ansehen, sinniert ihr Mann leise: „Es war einmal ...“ Das stimmt nicht ganz. Es ist noch immer. Und es bleibt hoffentlich noch lange.

Von Sonja Weiße

Die Stadt stellt ein ganzes Quartier aus der Nachkriegszeit unter Schutz: Sieben Häuserzeilen zwischen Stresemannallee und Mainzer Straße zählen dazu, sowie zwei Pavillons am Altenbekener Damm 11 und 13. Die beiden Flachbauten sind Privateigentum und sollten abgerissen werden, um Platz für zwei Einfamilienhäuser zu schaffen.

27.02.2015

Robert Schmitz hat das Schiedsamt für den Norden jetzt von Hannelore Büchler übernommen. Nach 36 Jahren hat die erfahrene Schiedsfrau ihr Amt im vergangenen Jahr niedergelegt.

27.02.2015

Eine Finanzierungslücke von 25.000 klafft im Etat des Sozial-Centers Linden. Eine Schließung soll zwar vermieden werden, doch das Geld fehlt. Diakonie und SCL wollen deshalb verstärkt um Spenden werben.

27.02.2015