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Aus den Stadtteilen Räucherware vergeht nicht
Hannover Aus den Stadtteilen Räucherware vergeht nicht
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18:00 14.02.2015
Von Susanna Bauch
Zwischen diesen Bildern liegen 83 erlebnisreiche Jahre: Gerda Kutz feiert ihren 100. Geburtstag bei guter Gesundheit. Mit 17 lernte sie ihren Mann kennen. Quelle: Michael Thomas
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List

List. Bis vor fünf Jahren hat sie noch ihren eigenen Haushalt geschmissen. Hat sich jeden Vormittag mit Freundinnen im Eiscafé auf der Lister Meile getroffen und ist alle vier Monate mit Sack und Pack in die Schweiz gereist, um Kinder und Enkel zu besuchen. Jetzt hat Gerda Kutz ihren 100. Geburtstag gefeiert. Und warum sie vor fünf Jahren aus der Kriegerstraße in das DRK-Seniorenheim an der Drostestraße umgezogen ist, versteht sie eigentlich auch nicht so genau. „Ich bin noch ganz prima beieinander, vor allem im Kopf. Ich muss mich ja wehren können“, sagt Gerda Kutz und lächelt verschmitzt.

Eine gebürtige Berlinerin ist sie, und so eine lässt sich den Schneid nicht abkaufen. Schlagfertig, witzig und vor allem sehr gesellig, das sei sie immer gewesen. Sie ist gern mit jungen Leuten zusammen, „alt bin ich ja schon alleine.“ Über den Blumengruß des Oberbürgermeisters und die Urkunde des Ministerpräsidenten zu ihrem Ehrentag freut sie sich aufrichtig, trotzdem sind da noch ein paar Fragen offen. „Wann erhöhen Sie denn mal unsere Renten und kürzen die Diäten der Politiker“, möchte Kutz vom Blumenüberbringer Bürgermeister Klaus-Dieter Scholz wissen. Der muss passen.

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Schon mit 17 Jahren hat die Jubilarin in Berlin-Moabit ihren Mann kennengelernt - und ihn bislang 37 Jahre überlebt. „Er war Polizist, im Krieg in der Wehrmacht und bei der Marine“, erzählt Gerda Kutz. Sie selbst hat die schwere Zeit in der Hauptstadt gut überstanden. Die Hundertjährige hat in ihrer Ehe nie arbeiten müssen, sondern immer Zeit für Sohn und Tochter gehabt. „Mein Mann wurde kurz nach dem Krieg als Polizeibeamter nach Hannover versetzt, hier haben wir immer in der List gewohnt.“ Die Handelsschule habe sie absolviert und sich um die Kinder gekümmert, „die haben wir damals noch selber erzogen.“ Beide Kinder hat es später in die Schweiz gezogen, fünf Enkel und elf Urenkel leben dort. „Mein Sohn konnte nicht zum runden Geburtstag kommen. Dafür ein bisschen später, da habe ich ihn ganz für mich.“ Gerda Kutz sieht immer noch blendend aus, und sie sagt gerne, dass man sie für ein Ehepaar halte, wenn sie mit dem Sohn auf den Straßen unterwegs ist.

Hin und wieder greift sie jetzt schon mal zum Gehstock, und ihren Frieden mit dem Umzug hat sie auch gemacht. „Ich fühle mich hier sehr gut untergebracht, und das Essen ist prima. Das ist mir wichtig.“ Genauso wie ein adrettes Erscheinungsbild, die Garderobe ist genau abgestimmt. „Ja, darauf legen wir Wert, nicht wahr Jutta?“ Die Tochter nickt. Ein Gläschen Rotwein verwehrt sich die alte Dame genauso wenig wie regelmäßig eine Zigarette. „Ich habe zum Geburtstag wieder zwei Stangen bekommen“, gesteht sie lächelnd. Sie liebe ihre Zigarette nach dem Frühstück. „Und wie man sieht - Räucherware vergeht nicht.“