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West Der „Löwe von Afrika“ verschwindet von der Stadtkarte
Hannover Aus den Stadtteilen West Der „Löwe von Afrika“ verschwindet von der Stadtkarte
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00:16 02.11.2013
Von Rüdiger Meise
Generalmajor Paul Emil von Lettow-Vorbeck wurde als „Löwe von Afrika“ gefeiert. Quelle: Dpa
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Badenstedt

Die Bewohner der Lettow-Vorbeck-Allee müssen sich neue Visitenkarten anschaffen: Ab 1. November wird die Straße zwischen Hermann-Ehlers-Allee und Empelder Straße den Namen Namibiaallee tragen. Bereits heute will die Stadt die Schilder austauschen, sagt ein Sprecher. Nach sechs Jahren Streit um den Straßennamen schafft die Stadt damit vollendete Tatsachen.

„Extreme Verhaltensweisen“

Im Jahr 2007 wurden öffentlich erste Forderungen laut, die Straße umzubenennen: Generalmajor Paul von Lettow-Vorbeck (1870-1964) soll einem Gutachten zufolge in den China- und Ostafrika-Feldzügen „extreme Verhaltensweisen“ und Amoralität gezeigt sowie Kriegsverbrechen und Hochverrat begangen haben. Später zog er für die Deutschnationale Volkspartei in den Reichstag ein und profitierte von seinem Ruf als „Löwe von Afrika“. Noch 1957 verteidigte er in seiner Autobiografie den Kolonialismus.

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Die Expertise hatte der emeritierte Uni-Professor Helmut Bley für die Stadtverwaltung erstellt. Daraufhin fragte die Stadt 2009 knapp 350 Anwohner und Hauseigentümer im Badenstedter Afrika-Viertel, in der die Lettow-Vorbeck-Allee liegt, per Post nach ihrer Meinung. Die Mehrheit sprach sich für eine Beibehaltung des Namens aus. Dennoch beschloss die rot-grüne Ratsmehrheit die Umbenennung.

200 Unterschriften gegen die Namensänderung

Anwohnerin Katrin Koch sammelte rund 200 Unterschriften gegen die Namensänderung, die CDU forderte im Bezirksrat vergeblich, dass an die Straßenschilder einfach Legenden mit Hinweisen auf die umstrittene Lebensleistung des Generals montiert werden sollen.

Im Jahr 2011 landete der Streit vor den Verwaltungsgericht. Der Kläger, Malermeister Andreas Langlott, hielt den Aufwand einer Straßenumbenennung nicht für angemessen: Neue Schilder müssten angeschafft werden, Register und Karten geändert, die Anlieger müssten die neue Adresse auch in ihren Dokumenten kennzeichnen. Für den Vorsitzenden Richter Werner Reccius war dagegen entscheidend, dass Lettow-Vorbeck ein „aktiver Unterstützer eines Unrechtssystems“ war – diese Eigenschaft reicht nach einer Richtlinie des Rats der Stadt aus dem Jahr 2009 aus, um eine Straße umbenennen zu dürfen.

Doch die Badenstedter blieben hartnäckig: Sie erreichten eine Berufungsverhandlung vor dem Oberverwaltungsgericht Lüneburg. Die Lüneburger Richter bestätigten allerdings das Urteil aus Hannover – damit ist es rechtskräftig.

Stadt trägt die entstehenden Kosten

„Wir haben die Anwohner rechtzeitig von der Umbenennung am 1. November informiert“, sagt Stadtsprecher Alexis Demos. Künftig wohnten sie in der Namibiaallee. Die Gebühren, die etwa für neue Personalausweise, Führerscheine oder Einträge ins Grundbuchamt entstehen, trüge in diesem Fall die Stadt. Private Unterlagen wie Briefpapier oder Visitenkarten müssen Anwohner auf eigene Kosten umstellen.

Stadt überprüft alle Namensgeber

Mit einer wissenschaftlichen Studie lässt die Stadt derzeit die Biografien aller namensgebenden Personen für die Straßen Hannovers untersuchen. Waren sie in die Nazigräuel verstrickt oder haben aktiv an einem Unrechtssystem mitgewirkt? Rund 400 Straßen sind nach Personen benannt, die in der NS-Zeit volljährig waren. Das Projekt kostet 100.000 Euro, ein Beirat soll Empfehlungen für Umbenennungen oder für Zusatzschilder an Straßen aussprechen. Umstritten sind etwa der ehemalige Stadtbaurat Karl Elkart (1880–1959), Paul von Hindenburg (1847–1934, ab 1925 Reichspräsident) oder Alfred Karl Graf von Waldersee (1832–1904, ab 1888 General). Auch der Namensgeber des Weddigenufers in der Calenberger Neustadt wird überprüft: U-Boot-Kommandant Otto Weddigen wurde im Ersten Weltkrieg als einer der größten deutschen Kriegshelden verehrt.

rm

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