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West Bezirksrat will WC am Küchengarten
Hannover Aus den Stadtteilen West Bezirksrat will WC am Küchengarten
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14:09 10.10.2013
Von Rüdiger Meise
Das 11A auf dem Küchengarten war mal eine „öffentliche Bedürfnisanstalt“.
Das 11A auf dem Küchengarten war mal eine „öffentliche Bedürfnisanstalt“. Quelle: Philipp von Ditfurth
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Linden-Mitte

Auf dem Küchengartenplatz soll wieder eine öffentliche Toilette stehen. Der Bezirksrat forderte in seiner jüngsten Sitzung die Verwaltung einstimmig auf, dort ein WC-Häuschen aufstellen. Hintergrund ist einerseits der steigende Bedarf einer älter werdenden Bevölkerung nach mehr öffentlich zugänglichen Toiletten, schreibt die SPD. Andererseits gibt es immer wieder Beschwerden von Anwohnern über junge Leute, die zum Feiern in den Bereich Limmerstraße / Küchengarten kommen und dort in Hauseingänge und Hinterhöfe urinierten.

Aktion „Nette Toilette“

Um dem Problem zu begegnen, hat die Stadt die Aktion „Nette Toilette“ ins Leben gerufen. Dabei erklären sich Betriebe bereit, auch Nicht-Gästen ihre WCs unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. Sie erhalten dafür von der Stadt eine monatliche Aufwandsentschädigung von 100 Euro. Allerdings beteiligt sich der Wirt der Gaststätte 11A auf dem Küchengartenplatz nicht an der Aktion.

Wirt Christoph Elbert sagte gegenüber dem Stadt-Anzeiger, dass täglich mehrere Dutzend Nicht-Gäste die 11A-Toilette nutzten. „Ich muss aber das Recht haben, Toilettengänge zu verwehren – beispielsweise gegenüber stark angetrunkenen oder beschmutzen Gästen.“ Diese Freiheit würde ihm beim Projekt „Nette Toilette“ nicht eingeräumt. Elbert verwies auf eine teilweise sehr problematische Klientel, die sich am Küchengarten in der Nähe seines Restaurants treffe.

Bereits in der vergangenen Legislaturperiode hatte der Bezirksrat vor, im ehemaligen Trafohaus der Stadtwerke neben dem Restaurant eine öffentliche Toilette zu installieren. Die Verwaltung wies damals darauf hin, dass sich Elbert im Mietvertrag des 11A verpflichtet hatte, seine Toilette öffentlich zur Verfügung zu stellen. Dieser Passus bezieht sich auf die Historie des Gebäudes: Ursprünglich war ein Teil des heutigen 11A als „öffentliche Bedürfnisanstalt“ gebaut worden. Infolgedessen entschied sich der Bezirksrat, statt am Küchengarten am Standort Limmer Schleuse ein WC errichten zu lassen.

Entfallende „Toiletten-Pflicht“

Mittlerweile hat die Stadt die Immobilie an Christoph Elbert verkauft – damit ist die Pflicht, die Toilette der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen, entfallen. „Eine Verpflichtung, die einem Eigentümer vorschreibt, wie dessen WC zu nutzen ist, kann nicht Teil eines Kaufvertrages sein“, stellte Stadtbezirksmanager Wolfgang Wescher in der Sitzung des Bezirksrats klar. Wescher, der auch das Projekt „Nette Toilette“ in der Limmerstraße betreut, zeigte sich sichtbar verärgert, dass ausgerechnet das 11A an der Initiative nicht teilnimmt.

Das Projekt „Nette Toilette“ ist Teil eines Maßnahmenkatalogs, mit dem die Stadt die Störungen auf der Limmerstraße bekämpfen will. Insgesamt haben inzwischen fünf Betriebe ihre Toiletten auch für Nicht-Gäste geöffnet. Das Projekt läuft bereits in mehreren deutschen Städten, Informationen gibt es im Internet: www.die-nette-toilette.de.