Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
West Die Kunst wird zu Grabe getragen
Hannover Aus den Stadtteilen West Die Kunst wird zu Grabe getragen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:00 02.04.2015
Die GaleriaLunar, die sich in den vergangenen sechs Jahren als Ort fürjunge, alternative Kunst und Konzerte etabliert hat, musste wegen Lärmbe-schwerden schließen. Ihre Freunde haben sich jetzt auf eineninszenierten Trauermarsch durch Linden begeben. Quelle: Mario Moers
Anzeige
Hannover

Begleitet von schwermütigem Saxofonspiel und einem Trommler zogen sie in dunkler Kleidung, einige mit Zylinder und Frack, andächtig vom Küchengarten über die Limmerstraße. Vor der Galeria Lunar am Kötnerholzweg wurden dann rote Friedhofskerzen angezündet.

Es sollten die letzten Objekte sein, die hier ausgestellt wurden. Die Teilnehmer, darunter Künstler, Anwohner und Stammbesucher, trugen sich ein letztes Mal in das Gästebuch ein, das kurzerhand zu einem Kondolenzbuch umfunktioniert wurde. Mit der Aktion wollen die Galeristen und Unterstützer auf die Probleme aufmerksam machen, die besonders kleinen, alternativen Kulturorten immer wieder das Genick brechen. Die Galeria Lunar musste schließen, weil eine neu zugezogene Mieterin sich über Lärm beschwert hatte. Die Betreiber zogen dennoch ein positives Resümee. „Die Internationalität des Ladens hat bewiesen, dass auch in Hannover Angebote abseits des Mainstreams funktionieren können“, erklärte Nils Schumacher. Er und sein Geschäftspartner Martin Wolfstein kündigten an, dem „plötzlichen Tod“ werde eine „glorreiche Auferstehung“ folgen. „Im nächsten Jahr sind wir mit etwas Neuem zurück“, erklärten die Kulturmacher.

Anzeige

Die rund 100 Stammbesucher der Galerie dürften für einen kurzen Augenblick geschockt gewesen sein, als sie die täuschend echt gestaltete Todesanzeige im Briefkasten fanden. „Nach kurzer, schwerer Krankheit verließ uns plötzlich und unerwartet unsere geliebte Galeria Lunar“, stand auf der klassisch schwarz-weißen Karte, die zu dem Trauerzug einlud. Ausgedacht hatte sich das originelle Gedenk-Happening Sven Cordes. Der kunstsinnige Bestatter kuratierte im vergangenen Jahr selbst eine Urnen-Ausstellung in der Galeria. Auch stadtbekannte Künstler wie Christof Stein-Schneider, ehemaliger Fury-Gitarrist und heute singender Wohnraumheld, oder der Maler Francesco Lamazza gaben der Kultureinrichtung das letzte Geleit. „In dieser Form war es der einzige Raum in Hannover,“ meinte der 67-jährige Lamazza.

Die private Galerie etablierte sich als Schnittstelle zwischen alternativer Underground-Szene und renommierter Kunst. Ursprünglich als reiner Ausstellungsraum konzipiert, fanden dort zunehmend auch Konzerte statt. Experimentelle Gruppen lieferten dem Publikum ungewohnte Klänge, etwa im Bereich der Jazzmusik, der elektronischen und Neuen Musik. Die Lautstärke wurde dem Laden am Ende zum Verhängnis. Nachdem es fünf Jahre gut ging mit den Nachbarn, war vor einem halben Jahr eine neue Mieterin in das Haus gezogen - offenkundig ohne Liebe zu experimenteller Musik. Versuche der Galeristen, einen Kompromiss zu finden, scheiterten.

Es scheint eine traurige Ironie des Schicksals zu sein, dass ausgerechnet eine junge, zugezogene Frau für die Schließung eines Kunstraums sorgt, der dem Image Lindens als Kultur- und Szeneviertel neue Impulse gegeben hat. Es bleibt abzuwarten, ob die von den Machern versprochene Auferstehung in Linden stattfindet. Vielleicht ist es dort ja schon zu spießig geworden für die Kunst.

West Mit gestohlener EC-Karte Geld abgehoben - Die Polizei sucht diese Frau
02.04.2015
02.04.2015
West Feuer in der Badenstedter Straße - Feuerwehr löscht Brand in Linden
30.03.2015