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West Diskussion um die Sicherheit im Stadtteil
Hannover Aus den Stadtteilen West Diskussion um die Sicherheit im Stadtteil
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07:44 02.08.2012
Von Rüdiger Meise
Foto: An der Salzmannstraße in Linden-Nord ist wieder Normalität eingekehrt. Ein Anwohner liest auf einer Bank einen Artikel zu dem Leichenfund. Ein paar Meter entfernt hatte die Tote gelegen.
Foto: An der Salzmannstraße in Linden-Nord ist wieder Normalität eingekehrt. Ein Anwohner liest auf einer Bank einen Artikel zu dem Leichenfund. Ein paar Meter entfernt hatte die Tote gelegen. Quelle: Rüdiger Meise
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Linden

Nichts an dem Gebüsch vor der Grundschule Salzmannstraße erinnert mehr daran, dass hier vor wenigen Tagen die Leiche von Sonja M. gefunden wurde. Dennoch verlangsamen viele Passanten ihre Schritte und werfen einen nachdenklichen Blick auf die Stelle. Zwei Wochen nach dem grausigen Fund ist Sonja M. noch immer das Hauptgesprächsthema im Stadtteil. Viele Lindener beschäftigt die Frage: Warum hier? Die Liste an Verbrechen, Grausigkeiten und unaufgeklärten Straftaten in Linden ist lang geworden in den vergangenen Jahren. Dennoch fühlen sich die Anwohner im Stadtteil laut einer Statistik des Landeskriminalamts sicher - und die Polizei betont, dass die Kriminalität in Linden nicht höher ist als in anderen Stadtteilen.

Am nahe gelegenen Café „40 Quadratmeter“ sprechen die Gäste natürlich über Sonja M.: „Warum passiert so etwas immer hier?“ Sonja M. hat in dem Café mehrmals Kaffee „to go“ gekauft - aber kennengelernt hat niemand die 28-Jährige. Angst hat nach dem grausigen Fund aber auch keiner der Gäste. „Ich fühle mich in Linden sicher“, sagt Maren Müller, die in der Nachbarschaft wohnt. „Es ist viel buntes Volk unterwegs, aber die Leute sind doch fast alle nett“, sagt sie - auch, wenn am Abend zwischen der Leine und der Limmerstraße viel Alkohol getrunken werde und viele Joints geraucht würden.

Sonja M., die am Freitag tot in einem Pappkarton in Linden-Nord entdeckt wurde, starb an Tuberkulose. Die Polizei sucht nach Menschen, die mit ihr Kontakt hatten, um eine Ausbreitung der Krankheit zu verhindern.

Diese Wahrnehmung bestätigt auch das Landeskriminalamt (LKA). Im Zuge des EU-Projekts „Planning urban Security“ haben Experten des LKA die Sicherheit und das Sicherheitsempfinden der Lindener untersucht: „Es gibt in Linden keine überdurchschnittliche Angst vor Gewalt und Straftaten“, sagt Anke Schröder von LKA. „Und die wäre auch unbegründet.“ Auch die Pressestelle der Polizeidirektion Hannover hebt immer wieder hervor, dass die Kriminalitätsrate nicht höher sei als in anderen Stadtteilen.

Lindens Bürgermeister Rainer-Jörg Grube betont, dass Linden-Limmer der am dichtesten besiedelte Stadtteil in ganz Niedersachsen ist. Mehr als 40.000 Menschen leben nach Angaben der Stadt hier auf engem Raum. „Legt man diese Zahl zugrunde, müsste eigentlich viel mehr passieren“, sagt Grube. Trotz seiner Urbanität und seines regen Nachtlebens präge den Stadtteil eine „positive Grundstimmung“, die ihn für seine Bewohner lebenswert mache.

Der jüngste Leichenfund werfe allerdings ein Schlaglicht auf ein anderes Gesicht des Stadtbezirks: auf die soziale Not, die in Linden-Limmer größer ist als in anderen Teilen Hannovers - und die offenbar ein Hintergrund der Tat ist. So beziehen in Linden-Süd mehr als 38 Prozent der Familien Transferleistungen - stadtweit sind es nach Angaben des jüngsten Familienmonitorings der Stadt 25,7 Prozent.

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